In Bunkern untergebracht: Das hält die ukrainische Regierung von Luzerns Umgang mit Geflüchteten
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In Bunkern untergebrachtDas hält die ukrainische Regierung von Luzerns Umgang mit Geflüchteten

Luzern bringt geflüchtete Ukrainer lieber in Massenunterkünften anstatt in privaten Wohnungen unter. Zum Wohle der Geflüchteten verteidigt sich der Kanton. Eine Vertreterin der ukrainischen Regierung zeigt sich ob der Argumentation des Kantons irritiert.

von
Matthias Giordano
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Tetiana Lomakina gehört zum engen Beraterkreis des ukrainischen Präsidenten Wolodimir Selenski. Aktuell ist sie für humanitäre Korridore im Kriegsgebiet verantwortlich. Im Bild ist sie zu sehen bei einer Pressekonferenz zur aktuellen Lage in der Ostukraine.

Tetiana Lomakina gehört zum engen Beraterkreis des ukrainischen Präsidenten Wolodimir Selenski. Aktuell ist sie für humanitäre Korridore im Kriegsgebiet verantwortlich. Im Bild ist sie zu sehen bei einer Pressekonferenz zur aktuellen Lage in der Ostukraine.

Ukraine Media Center
Vom Umgang Luzerns mit geflüchteten Ukrainerinnen und Ukrainern zeigt sie sich irritiert. Zwar sei sie den Regierungen dankbar für die Aufnahme ihrer Landsleute, für besonders sinnvoll halte sie die Unterbringung in Zivilschutzanlagen unter der Erde allerdings nicht.

Vom Umgang Luzerns mit geflüchteten Ukrainerinnen und Ukrainern zeigt sie sich irritiert. Zwar sei sie den Regierungen dankbar für die Aufnahme ihrer Landsleute, für besonders sinnvoll halte sie die Unterbringung in Zivilschutzanlagen unter der Erde allerdings nicht.

20min/Matthias Giordano
«Die Schrecken des Krieges sind für unsere Bürgerinnen und Bürger oft durch lange Tage und Nächte in Luftschutzkellern gekennzeichnet, in denen sie um ihr Leben fürchteten.»

«Die Schrecken des Krieges sind für unsere Bürgerinnen und Bürger oft durch lange Tage und Nächte in Luftschutzkellern gekennzeichnet, in denen sie um ihr Leben fürchteten.»

REUTERS

Darum gehts

Anders als jeder andere Kanton der Schweiz setzt Luzern vorrangig auf sogenannte Kollektivunterkünfte bei der Einquartierung von Geflüchteten. Dazu zählen Betten in Hallen wie in der Allmend sowie in Zivilschutzanlagen unter der Erde. Der Vorteil dieser Massenunterbringungen sei, dass Schutzbedürftige dadurch in Gemeinschaften leben würden. «Sie sind so mit Personen zusammen, die dieselbe Sprache wie sie sprechen und Ähnliches erlebt haben», verteidigt sich Silvia Bolliger, Leiterin Dienststelle Asyl- und Flüchtlingswesen, vergangene Woche, als sie mit Recherchen dieser Zeitung konfrontiert wurde. 

«Den aktiven Bürgern sind wir besonders dankbar»

Nun reagiert sogar die ukrainische Regierung auf den Umgang ihrer Landsleute im Kanton Luzern: «Die Ukraine ist den Regierungen Bürgern vieler ausländischer Länder aufrichtig dankbar, dass sie den Ukrainern, die aufgrund der russischen Invasion aus ihrer Heimat fliehen mussten, Schutz und Hilfe gewähren», sagt Tetiana Lomakina im Gespräch mit 20 Minuten. Lomakina gehört zum engen Beraterkreis des ukrainischen Präsidenten Wolodimir Selenski. In Friedenszeiten ist sie die Beauftragte des Präsidenten für eine barrierefreie Gesellschaft. Derzeit jedoch ist sie hauptsächlich dafür zuständig, humanitäre Korridore zu erstellen, Städte zu evakuieren und Ukrainerinnen und Ukrainer in sichere Gebiete zu bringen. 

Nothilfe für Menschen in der Ukraine

«Tausende von Ukrainern sind von der Unterstützung und Betreuung umgeben, die sie verdienen», sagt Lomakina weiter. Dass Luzern die Geflüchteten bevorzugt in Massenunterkünften einquartiert und stattdessen die Angebote von Privaten ausschlägt, irritiert sie allerdings: «Wir sind den aktiven Bürgern, die bereit sind, ukrainische Geflüchtete bei sich zu Hause, im Kreise ihrer Familien, aufzunehmen, ganz besonders dankbar.»

«Lange Tage und Nächte in Luftschutzkellern»

Viele von ihnen helfen den Ukrainerinnen und Ukrainern bei der Beschaffung der notwendigen Dokumenten, sagt sie. Auch hilft es besonders bei der schnellen Anpassung an das neue, oft völlig unbekannte Land. «Auf diese Weise können sich unsere Bürgerinnen und Bürger sicher fühlen und sich von den Schrecken des Krieges erholen, die oft durch lange Tage und Nächte in Luftschutzkellern gekennzeichnet sind, in denen sie um ihr Leben fürchteten», so Lomakina.

Aktuell (Stand 11. April) sind im Kanton Luzern 541 aus der Ukraine geflüchtete Personen in sogenannten Kollektivunterkünften des Kantons untergebracht, 571 Personen in privaten Unterkünften.

Beschäftigt dich oder jemanden, den du kennst, der Krieg in der Ukraine?

Hier findest du Hilfe für dich und andere:

Fragen und Antworten zum Krieg in der Ukraine (Staatssekretariat für Migration)

Kriegsangst?, Tipps von Pro Juventute

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

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