Aktualisiert 18.03.2019 11:49

Surfen statt reden

«Das Handy wird uns auseinanderbringen»

Wer Nachrichten beantwortet statt mit dem Partner zu sprechen, riskiert Unzufriedenheit und Depressionen – und eine Trennung. Leser erzählen.

von
ehs
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Das Handy ist ein Beziehungskiller – zumindest, wenn man die Finger nicht von ihm lassen kann. Wer ständig am Handy ist, fühlt sich in einer Beziehung einsamer und unglücklicher.

Das Handy ist ein Beziehungskiller – zumindest, wenn man die Finger nicht von ihm lassen kann. Wer ständig am Handy ist, fühlt sich in einer Beziehung einsamer und unglücklicher.

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Das belegt eine neue Studie der University of Arizona. Je stärker die Abhängigkeit vom Handy, desto weniger Erfüllung fanden die Befragten in ihrer Beziehung.

Das belegt eine neue Studie der University of Arizona. Je stärker die Abhängigkeit vom Handy, desto weniger Erfüllung fanden die Befragten in ihrer Beziehung.

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Leser kennen das Phänomen. A. P. (26) sagt dazu: «Wir haben einen Sohn. Ich muss meinem Partner jedes Mal sagen, dass ich auch gern mal mit ihm einen Film schauen oder mit ihm Zeit verbringen möchte, wenn der Kleine im Bett ist.»

Leser kennen das Phänomen. A. P. (26) sagt dazu: «Wir haben einen Sohn. Ich muss meinem Partner jedes Mal sagen, dass ich auch gern mal mit ihm einen Film schauen oder mit ihm Zeit verbringen möchte, wenn der Kleine im Bett ist.»

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Das Handy ist ein Beziehungskiller – zumindest, wenn man die Finger nicht von ihm lassen kann. Wer ständig am Handy ist, fühlt sich in einer Beziehung einsamer und unglücklicher. Das belegt eine neue Studie der University of Arizona. Je stärker die Abhängigkeit vom Handy, desto weniger Erfüllung fanden die Befragten bei ihrem Partner.

Für das Phänomen gibt es ein Wort: «Technoference» beschreibt die Ablenkung durch Technologie in wichtigen Momenten des Alltags. Ihre Folgen können gravierend sein. «Mein Partner sitzt am Abend viel vor dem Handy», sagt die 26-jährige Leserin A. P.*. «Wir haben einen Sohn. Ich muss ihm jedes Mal sagen, dass ich auch gern mal mit ihm einen Film schauen oder mit ihm Zeit verbringen würde, wenn der Kleine im Bett ist.» Das sei mühsam: «Eine Beziehung sollte doch da sein, um Zeit miteinander zu verbringen.»

Partner werden depressiv

Die Ablenkung durch Handy und Tablets kann sogar zu Depressionen führen. Das belegt eine Studie, die 2016 in der Fachzeitschrift «Psychology of Popular Media Culture» erschien. Die Autoren der Brigham Young University befragten Frauen, die mit einem Partner zusammenlebten.

Sie stellten fest: Je häufiger die gemeinsame Zeit eines Paares – etwa alltägliche Gespräche, gemeinsame Mahlzeiten oder Aktivitäten in der Freizeit – von der Nutzung eines Handys oder Computers unterbrochen wurden, desto mehr Konflikte gab es in der Beziehung. Mehr noch: Die Technologie-Nutzung führte zu mehr Unzufriedenheit mit der Beziehung, dem Leben allgemein und dazu, dass sich nicht nur die Frauen, sondern auch ihre Partner häufiger depressiv fühlten.

«Das bringt uns auseinander»

Die Forscher begründen das mit dem Signal, das Partner aussenden, wenn sie nur schon für einen kurzen Moment und unbeabsichtigt ihr Handy nutzen, statt sich voll und ganz dem Partner zu widmen: «Dieses Verhalten zeigt auf implizite Art und Weise, was wir am meisten schätzen. Das führt zu Konflikten und negativen Konsequenzen.»

Davon berichtet auch Leserin D. C.*. «Mein Freund ist ständig am Handy, statt die Zweisamkeit zu geniessen», sagt sie. «Ich verstehe es nicht. Entweder ist ihm das Handy wichtiger als ich oder er bemerkt das gar nicht. Eines Tages wird uns das auseinanderbringen», sagt die 26-Jährige. «Durch das Handy vergessen wir uns.»

«Wie körperlicher Schmerz»

Natürlich streiten Paare nicht nur wegen des Handys. Auch beim Autofahren könne man sich in die Haare geraten, schreibt das Magazin «Psychology Today». Der Unterschied: Wenn ein Partner das Handy der gemeinsamen Zeit vorzieht, sei das eine Form der Ablehnung, die schmerze. «Wer ein Gespräch, ein Essen oder einen romantischen Moment wegen einer Nachricht auf dem Handy unterbricht, sagt damit: ‹Was ich gerade auf meinem Handy mache, ist wichtiger als du.›» Solche Zurückweisungen – auch wenn sie noch so klein sein mögen – fühlten sich schmerzvoll an: «Das Hirn reagiert auf sie wie körperlichen Schmerz.»

Meist steckt keine böse Absicht dahinter. Leserin Anita*: «Abends verbringe ich gern etwas Zeit damit, Nachrichten zu beantworten und in den sozialen Medien zu surfen. Mein Freund nimmt mir dann das Handy häufig schon nach einer Minute weg und behauptet, ich sei süchtig.» Dabei nutze ihr Freund etwa die Zeit, in der sie koche, um selbst am Handy zu sein: «Das führt zu Diskussionen», sagt die 23-Jährige.

Handyfreie Zonen helfen

Dabei müssen Paare gar nicht auf ihr Smartphone verzichten, um glücklich zu bleiben. «Psychology Today» empfiehlt einige wenige Schritte: So sollten die Partner besprechen, wie sehr das Phänomen ihre Beziehung belastet und sich darauf einigen, dass es eine Smartphone-Nutzung gibt, die gut und wichtig ist – etwa, wenn es der Job erfordert oder um Kontakt zu Freunden und Familie zu halten.

Mit dem Partner soll man Erwartungen bezüglich einer fairen Nutzung definieren und sich überlegen, wie Störungen durchs Smartphone minimiert werden können. Die Zeitschrift empfiehlt zudem, sich Strategien zurechtzulegen, wie man Probleme wie etwa eine vergessene Aufgabe bei der Arbeit lösen könnte, ohne gleich einen gemeinsamen Moment zu stören. Ein weiterer Tipp: Die Schaffung von handyfreien Zonen und Zeiten – etwa das Schlafzimmer oder das gemeinsame Abendessen.

Das hat B. F. (24) geholfen. «Seit ich die Regel eingeführt habe, dass wir ab 20 Uhr unsere Handys nicht mehr anfassen und bei gemeinsamer Zeit immer öfter das Handy weglegen, ist unsere Ehe wieder viel harmonischer», sagt sie. Die 17-jährige Anna und ihr Partner stellen das Handy gar auf lautlos, wenn sie zusammen unterwegs sind. «Anrufe nehmen wir dann nicht entgegen, ausser sie kommen von der Arbeit oder Familienmitgliedern.» Streit wegen des Handys habe es dank dieser Regel noch nie gegeben: «Wir stellen das Handy nicht in den Mittelpunkt unserer Beziehung.»

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