Das Handy wird zur Massen-Glotze
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Das Handy wird zur Massen-Glotze

Bald können auch die Massen in den Gassen auf dem Handy Fussball schauen. Die Swisscom hat die Konzession für Handy- TV erhalten. Bis 2008 muss sie knapp die Hälfte der Bevölkerung versorgen. Konkurrentin Mobile TV hat das Nachsehen.

Zwar kann man bereits heute auf dem Handy über das Mobilfunknetz TV schauen. Sobald aber viele Leute auf engem Raum das Spiel Schweiz gegen England sehen wollten, breche das Netz zusammen, sagte der Präsident der Eidgenössischen Kommunikationskommission (ComCom), Marc Furrer, am Freitag vor den Medien in Bern: «Dann ist Mattscheibe.»

Mit dem vom Fersehsendemast ausgestrahlten Handy-TV ist dies nicht der Fall. Mit der DVB-H-Technologie (Digital Video Broadcast- Handheld) funktioniert das Handy ähnlich wie ein herkömmliches Fernsehgerät, das die Signale über eine Zimmerantenne empfängt.

Nun soll die neue Technologie bis zur Euro 2008 in der Schweiz abheben. Deshalb sei der Zeitplan sportlich, sagte Furrer.

Um die Konzession hatten sich die Swisscom und das Jung- Unternehmen Mobile TV Schweiz beworben, das Unterstützung von der Deutschen Telekom-Tochter T-Systems erhielt. «Beide Bewerber waren sehr gut», sagte Furrer. Beim Kriterium Inhalt sei Mobile TV Schweiz gar besser gewesen als die Swisscom.

Swisscom hat Antennen-Standorte

Dennoch hat sich die ComCom für den Marktführer entschieden. Bei der Swisscom seien die Chancen höher, dass das Sendenetz bis zur Euro 2008 gebaut werde, sagte Furrer. Diese habe als einzige Betreiberin von Radio- und Fernsehsendeanlagen bereits Standorte für DVB-H-Antennen.

Die Konzession verpflichtet die Swisscom, bis Ende Mai 44 Prozent der Bevölkerung abzudecken. In den Genuss des neuen Fernseh-Erlebnisses für unterwegs kommen zuerst die Bewohner der EM-Austragungsstädte Zürich, Basel, Bern und Genf. Bis Ende 2012 sollen dann 60 Prozent der Bevölkerung Handy-TV schauen können.

«Es gibt keinen neuen Antennenwald», sagte Furrer. Bis 2012 sollen insgesamt 100 Antennen aufgestellt werden.

Diskriminierungsverbot

Die Konzessionsvergabe an den grössten Schweizer Telekomkonzern sei für die ComCom ein Dilemma gewesen, räumte Furrer ein: «Jetzt kriegt die Swisscom als Grosskonzern nochmals ein neues Netz, ihr Klumpen wird also noch grösser.»

Deshalb hat die ComCom der Swisscom verboten, die Konkurrenz wie Sunrise oder Orange zu diskriminieren. Sie muss deren Sendungen zu gleichen Bedingungen ausstrahlen wie jene der eigenen Mobilfunk-Tochter. Dies gilt auch für die unterlegene Bewerberin um die DVB-H-Konzession, Mobile TV Schweiz. Eine Zusammenarbeit von beiden sollte trotz der Niederlage möglich sein, sagte Furrer.

Sunrise und Orange haben laut Sprechern bereits Verhandlungen mit der Swisscom aufgenommen.

Empörung bei Mobile TV Schweiz

Mobile TV Schweiz reagierte sauer: Das Vergabeverfahren der ComCom sei eine Farce gewesen, sagte Mobile-TV-Geschäftsführer Bruno Bucher auf Anfrage. Wenn die Zahl der bisherigen Antennenstandorte entscheidend für die Konzessionsvergabe sei, hätte man die ganze Ausschreibung nicht machen müssen.

Mobile TV Schweiz überlege sich jetzt, ob gegen den ComCom-Entscheid Rekurs vor dem Bundesverwaltungsgericht eingereicht werde. Es sei allerdings noch zu früh, um zu sagen, wie Mobile TV Schweiz reagieren werde. Dies hänge auch vom Verhalten des Partners T-Systems ab, sagte Bucher. (sda)

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