18.09.2018 05:46

Geldwäscherei-RegelnDas hat die Credit Suisse wirklich verbockt

Die Finanzmarktaufsicht rüffelt die CS – die Bank habe zu wenig gegen Geldwäscherei unternommen. 20 Minuten erklärt, was die Finma konkret beanstandet.

von
V. Blank
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Für die Credit Suisse (CS) und deren Chef Tidjane Thiam ist es eine Ohrfeige:

Für die Credit Suisse (CS) und deren Chef Tidjane Thiam ist es eine Ohrfeige:

Keystone/Ennio Leanza
Die Bank soll jahrelang bei Konten nicht genau hingesehen haben. Sie sei den Sorgfaltspflichten bei der Geldwäschereibekämpfung nur mangelhaft nachgekommen und habe Schwächen in der Organisation.

Die Bank soll jahrelang bei Konten nicht genau hingesehen haben. Sie sei den Sorgfaltspflichten bei der Geldwäschereibekämpfung nur mangelhaft nachgekommen und habe Schwächen in der Organisation.

Keystone/Gaetan Bally
Das teilte die Finanzmarktaufsicht (Finma) am Montag mit. Sie fordert nun weitere Verbesserungen bei den bankinternen Kontrollen. Ein Aufpasser soll die Umsetzung bei der Grossbank überwachen.

Das teilte die Finanzmarktaufsicht (Finma) am Montag mit. Sie fordert nun weitere Verbesserungen bei den bankinternen Kontrollen. Ein Aufpasser soll die Umsetzung bei der Grossbank überwachen.

Keystone/Thomas Hodel

Die Credit Suisse (CS) hat über Jahre zu wenig genau hingesehen und kam den Sorgfaltspflichten bei der Geldwäschereibekämpfung nur mangelhaft nach. So lautet das schlechte Zeugnis der Finanzmarktaufsicht Finma an die Adresse der Grossbank.

Die Behörde stellt fest, dass sich die CS im Kontext von mutmasslichen Korruptionsfällen falsch verhalten habe. Es geht

um den Fussballverband Fifa, den brasilianischen Ölkonzern Petrobras sowie den venezolanischen Ölkonzern PDVSA.

In allen drei Fällen habe die CS gegen aufsichtsrechtliche Pflichten zur Bekämpfung der Geldwäscherei verstossen. 20 Minuten hat die wichtigsten Kritikpunkte der Finma zusammen mit Compliance-Expertin Manuela Grünenfelder analysiert. Sie erklärt, wo die CS zu ungenau gearbeitet hat:

Wer ist der Kunde?

Die Finma schreibt: «Mängel bei der Identifizierung der Vertragspartei»

Das heisst es: Ein Finanzinstitut muss seine Kunden kennen. So steht es im Schweizer Geldwäschereigesetz. Darum müssen sie sich identifizieren. Bei natürlichen Personen braucht es dafür etwa einen Pass oder eine ID, bei Firmenkunden zum Beispiel einen Handelsregisterauszug. «Mögliche Fehler in diesem Bereich können sein, dass die beweiskräftigen Dokumente fehlten, nicht beglaubigt oder einfach nicht mehr gültig waren», erklärt Grünenfelder.

Wem gehört das Geld?

Die Finma schreibt: «Mängel bei der Feststellung des wirtschaftlich Berechtigten»

Das heisst es: Es gibt Fälle, bei denen der Kunde und der wirtschaftlich Berechtigte nicht dieselbe Person sind. So kann der Bankkunde beispielsweise eine Gesellschaft sein – dahinter verbirgt sich aber eine Einzelperson, der das Geld auf dem Konto zugutekommt. Darum muss eine Bank genau abklären, wer hinter einer Kundenbeziehung steckt. «Unkorrekt verhält sich eine Bank zum Beispiel dann, wenn sie das trotz Zweifeln über die wirtschaftliche Berechtigung nicht genau prüft – oder ganz auf die Abklärung verzichtet», so Compliance-Expertin Grünenfelder.

• Ist es ein Risiko-Kunde?

Die Finma schreibt: «Mängel bei der Kategorisierung als Geschäftsbeziehung mit erhöhtem Risiko»

Das heisst es: Es gibt Geschäfte, die als risikoreicher eingestuft werden müssen als andere. Hinweise darauf sind gemäss der Geldwäschereiverordnung der Finma etwa, wenn der Geldbetrag, der ein Kunde auf dem Konto deponieren will, enorm hoch ist oder er häufig Zahlungen in Länder macht, die nicht genug gegen Geldwäscherei unternehmen. «Als Fehler einzustufen ist in diesem Zusammenhang beispielsweise, wenn eine Bank eine solch risikoreiche Geschäftsbeziehung keiner vertieften Abklärung unterzieht», so Grünenfelder.

• Ist der Kunde ein Politiker?

Die Finma schreibt: «Mängel im Umgang mit einer PEP»

Das heisst es: PEP steht für «politisch exponierte Person». Das kann ein Politiker sein, aber auch eine Person in seinem unmittelbaren Umfeld. «Geschäftsbeziehungen mit ausländischen PEP gelten immer als solche mit erhöhten Risiken», erklärt Expertin Grünenfelder. Die Finma wirft der CS vor, eine bedeutende PEP-Geschäftsbeziehung (siehe Box) zu spät als solche erfasst und entsprechend behandelt zu haben: «Die Abklärungen und die entsprechende Dokumentation waren überdies mangelhaft», schreibt die Behörde.

CS ist schon aktiv geworden

Die CS selbst betont, dass die untersuchten Fälle noch aus den Jahren 2006 bis 2014 stammten. Man habe die Mängel von sich aus gemeldet, mit der Finma kooperiert und proaktiv Massnahmen zur Abhilfe ergriffen, schrieb die Bank in einer eigenen Mitteilung: «Wir haben den Personalbestand bei Global Compliance in unter drei Jahren um 42 Prozent erhöht und über 800 zusätzliche Compliance-Spezialisten eingestellt.»

Die Finma setzt einen unabhängigen Beauftragten ein, der die Umsetzung und die Wirkung dieser Massnahmen überprüfen wird. Die Behörde schreibt, die CS habe bereits seit Ende 2015 die Compliance gestärkt und «teilweise substanziell verbessert».

Der Fall des Ex-Premierministers

Im Fall der PEP-Kundenbeziehung, die die Finma beanstandet, habe der zuständige und inzwischen strafrechtlich verurteilte Kundenberater wiederholt und aktenkundig Compliance-Vorschriften verletzt. Das schreibt die Finma. Anstatt ihn jedoch rechtzeitig zu disziplinieren, wurde er mit hohen Entschädigungen und positiven Mitarbeiterbeurteilungen honoriert. Bekanntlich wird einem ehemaligen Vermögensverwalter der CS vorgeworfen, in Genf rund 100 Millionen Franken veruntreut zu haben, namentlich zu Ungunsten des georgischen Ex-Premierministers Bidsina Iwanischwili und russischer Kunden.

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