Villa Patumbah: Das Haus des reichen Plantagenbesitzers
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Villa PatumbahDas Haus des reichen Plantagenbesitzers

Die Villa Patumbah im Kreis 8 ist eines der bekanntesten Zürcher Bauwerke. Gehört hat sie einst einem reichen Tabakproduzenten.

von
mst
Die Villa Patumbah ist eines der aufwendigsten und prunkvollsten Gebäude in Zürich.

Die Villa Patumbah ist eines der aufwendigsten und prunkvollsten Gebäude in Zürich.

Keystone/Walter Bieri
Gebaut wurde sie zwischen 1883 und 1885 unter der Leitung der Zürcher Architekten Chiodera und Tschudy.

Gebaut wurde sie zwischen 1883 und 1885 unter der Leitung der Zürcher Architekten Chiodera und Tschudy.

Roland Fischer, Zürich (Switzerland) / Wikipedia / CC BY-SA 3.0
Bauherr war dieser Mann: Karl Fürchtegott Grob, der sein Vermögen mit einer Tabakplantage in Sumatra machte.

Bauherr war dieser Mann: Karl Fürchtegott Grob, der sein Vermögen mit einer Tabakplantage in Sumatra machte.

Wikipedia

Sein Vermögen machte der Zürcher Karl Fürchtegott Grob mit einer Tabakplantage in Sumatra. Dieser Reichtum ermöglichte ihm den Bau einer der prachtvollsten Villen ihrer Zeit: der Villa Patumbah in Zürich Riesbach.

Ein Vermögen aus Tabak

Karl wurde 1830 in Zürich geboren, sein Vater war Obmann bei der Zunft zum Weggen und Mitglied des grossen Stadtrats. Nach einer kaufmännischen Ausbildung zog der inzwischen 28-jährige Karl nach Messina, wo er Hermann Näher kennen lernte – seinen späteren Geschäftspartner.

1869 reisten die beiden nach Sumatra und unterhielten erst als Teilhaber Muskatnussgärten, später unter dem Namen «Näher & Grob» eine Tabakplantage. Sie pachteten ab 1871 mehrere tausend Hektar Land, nach einigen Jahren bauten die beiden Tabak auf 25'000 Hektaren an – rund 4300 Menschen arbeiteten auf der Plantage. Die Arbeitskräfte, meist Einheimische und Chinesen, waren günstig, Grob kam so innert weniger Jahre zu aussergewöhnlichem Reichtum.

Der Traum von der eigenen Villa

1879 zog Karl Fürchtegott Grob zurück nach Zürich, zuerst in das Haus seines Bruders Heinrich, mitten in den damals zahlreichen Rebbergen am Riesbach. Er heiratete die Schwester seiner Schwägerin, Anna Dorothea Zundel. 1883 wollte Karl sich endlich den Traum von der eigenen Villa erfüllen.

Er kaufte seinem Bruder ein 13'000 Quadratmeter grosses Grundstück neben seinem Haus ab und beauftragte die bekannten Zürcher Architekten Chiodera und Tschudy mit dem Bau der Villa Patumbah, die die Häuser der Nachbarn in Sachen Prunk und Eleganz unbedingt übertreffen sollte. Der grosszügige Park wurde von Evariste Mertens entworfen. Übrigens: Patumbah kommt von Patumbak – das ist der Name des Dorfes, in dem Grobs erste Plantage lag.

Tunnel verlängert

Kurz nach Bauende, 1885, plante die Stadt eine neue Zuglinie, die direkt an der Villa Patumbah vorbeiführen sollte – ein Umstand, der Grob so gar nicht passte. Um sich von Lärm- und Rauchemissionen durch den Zug zu schützen, liess der vermögende Zürcher einen Tunnel bis an seinem Grundstück vorbei verlängern – die 100'000 Franken Mehrkosten bezahlte er selbst.

Die Villa, im Stil der Renaissance-Architektur gebaut, ist eine prächtige Erscheinung: Der Balkon wird von Säulen gestützt, die Fassade soll aussehen wie Marmor. Statuen stehen in diversen Nischen, darunter Bildnisse von Merkur und Flora. Merkur symbolisiert dabei die Tätigkeit Grobs, Flora den Reichtum, den er damit erreichte.

Stallungen und ein englischer Garten

Neben der Villa befindet sich noch ein sogenanntes Ökonomiegebäude, dort befanden sich Pferde und Fahrzeuge der Familie. Auch dieses Gebäude ist dekoriert, aber kein Vergleich zum Haupthaus. Dort gibt es neben einem Kachelofen diverse fernöstliche Malereien und Zimmer in den Stilen verschiedener Epochen.

Der riesige englische Garten bekam einen Springbrunnen, eine grosse Wiese, diverse Blumenbeete und Bäume, sowie eine Vogel-Voliere. Ein Nutzgarten belegte rund ein Viertel des 13'000 Quadratmeter grossen Grundstücks.

Villa Patumbah heute

Der Bauherr konnte seine Villa nicht lange geniessen: Karl Fürchtegott Grob starb 1893 an den Folgen einer Tropenkrankheit. Seine Frau und seine beiden Töchter lebten noch rund 20 Jahre im Haus, bis sie es 1911 an das Diakoniewerk Neumünster verschenkten. Anschliessend entstand dort ein Altersheim.

Seit 1977 gehören die Villa und der südliche Teil des Parks der Stadt Zürich, der nördliche Teil befand sich in Privatbesitz. Die 1995 als «Stiftung zur Erhaltung des Patumbah-Parks» gegründete Stiftung ist heute Eigentümerin des gesamten Grundstücks und hat sich in «Stiftung Patumbah» umbenannt. 2010 kommen dank der Stadt, der Stiftung und privaten Investoren die nötigen 15,5 Millionen Franken für die Renovierung zusammen. Ab 2013 befindet sich in der Villa Patumbah der Hauptsitz des Heimatschutzzentrums.

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