Aktualisiert 10.04.2020 10:15

Finanzspritzen

Das heisse Spiel mit ausländischen Investoren

GC versucht es neu mit Geld aus China. Schon mancher Schweizer Club fiel mit ausländischen Investoren auf die Nase. Eine Übersicht.

von
Herbie Egli
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Der Grasshopper Club Zürich hat neue Besitzer.

Der Grasshopper Club Zürich hat neue Besitzer.

FreshFocus/Nick Soland
90 Prozent der Club-Aktien sind neu im Besitz der Champion Union Holding Limited mit Sitz in Hongkong.

90 Prozent der Club-Aktien sind neu im Besitz der Champion Union Holding Limited mit Sitz in Hongkong.

Getty Images/Bloomberg
Der einzige noch verbliebene Verwaltungsrat des Schweizer Fussball-Rekordmeisters Andras Gurovits hat zuletzt nach neuen Eigentümern gesucht. Nun ist er fündig geworden.

Der einzige noch verbliebene Verwaltungsrat des Schweizer Fussball-Rekordmeisters Andras Gurovits hat zuletzt nach neuen Eigentümern gesucht. Nun ist er fündig geworden.

FreshFocus/Claudio Thoma

Die Grasshoppers gehören neu der Champion Union HK Holdings Limited aus Hongkong. Der Deal mit den chinesischen Investoren ging am Donnerstag über die Bühne. Damit wagt GC einen Schritt, der den Verein bei einem plötzlichen Rückzug des Geldgebers in arge Nöte bringen könnte. Dies mussten bereits andere Schweizer Fussballclubs erfahren.

Bulat Tschagajew

Der tschetschenische Geschäftsmann wurde 2011 Präsident von Neuchâtel Xamax. Mit dem Geld hatte er es aber nicht so. Wegen ausstehenden Spielerlöhnen entzog die Swiss Football League Xamax Anfang 2012 die Lizenz. Der Verein ging Konkurs. Tschagajew wurde 2016 vom Neuenburger Strafgericht wegen Misswirtschaft, ungetreuer Geschäftsführung, versuchten Betrugs und Urkundenfälschung zu einer teilbedingten Freiheitsstrafe von drei Jahren verurteilt.

Marc Roger

Der französische Spielervermittler erwarb 2004 für einen symbolischen Franken die Aktienmehrheit von Servette. Er schaltete und waltete, wie ihm lieb war. Die Schulden stiegen, decken konnte sie Roger aber nicht. 2005 deponierte Servette die Bilanz. Roger flüchtete nach Frankreich und wurde später in Spanien verhaftet. 2008 wurde der Franzose vom Geschworenengericht in Genf wegen ungetreuer Geschäftsführung und Urkundenfälschung schuldig gesprochen.

Majid Pishyar

2008 wurde der iranische Unternehmer Präsident von Servette. Man hoffte in Genf, es werde unter ihm besser als es mit Roger war. Vergebens. Vier Jahre später musste Servette die Bilanz wegen zu hohen Schulden erneut deponieren. Pishyar verschwand durch die Hintertür. Der Kanadier Hugh Quennec, der bereits den lokalen Eishockeyverein Genève-Servette HC präsidierte, rettete den Verein. Die grössten finanziellen Probleme konnten beseitigt werden.

Igor Belanow

Der ehemalige sowjetische und ukrainische Fussballer erwarb 2003 die Aktienmehrheit beim FC Wil. Man träumte in der Ostschweiz vom internationalen Geschäft. 2004 gewann Wil erstmals den Schweizer Cup und konnte an der Qualifikation zum Uefa-Cup teilnehmen. In der 1. Qualifikationsrunde war aber bereits wieder Schluss – und abgestiegen waren die Ostschweizer in ihrer Cupsieger-Saison auch noch. Schluss war es auch wieder mit Belanow. Wegen unterschiedlicher Differenzen verschwand er und liess die Wiler im Ruin zurück.

Mehmet Nazif Günal

Elf Jahre nach dem Desaster versuchte es der FC Wil erneut mit ausländischem Geld. 2015 mit einer Investorengruppe um den türkischen Unternehmer Mehmet Nazif Günal. Sein Sohn Murathan Doruk Günal wurde Präsident. 2017 stiegen die türkischen Investoren wieder aus. Angestellte und Spieler mussten beträchtliche Lohneinbussen in Kauf nehmen, damit der Club weiter bestehen konnte.

Gilbert Kadji

Der kamerunische Bierbrauer kauft 1998 den FC Sion, als dieser kurz vor dem Konkurs steht. Ein Jahr später steigen die Walliser ab. Wiederum nur ein Jahr später auf. 2001 haben sich die Finanzen beim FC Sion nicht gebessert und Kadji steigt aus. Christian Constantin übernimmt einmal mehr das Zepter im Wallis.

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