Aktualisiert 12.05.2012 14:24

Fenerbahçe - GalatasarayDas heisseste Derby der Welt

Der Süper Final zwischen Fenerbahçe und Galatasaray entscheidet, wer türkischer Meister wird. Einmal mehr steht der fussballfanatische Bosporus Kopf, wenn es heisst: Asien gegen Europa.

von
Eva Tedesco

Es ist angerichtet für den ultimativen Saison-Höhepunkt in der türkischen Süper Lig: Am Samstagabend empfängt der amtierende Champion Fenerbahçe den Tabellenführer Galatasaray zum letzten Spiel. Reto Zieglers Fenerbahçe muss den Süper Final gewinnen, um den Titel zu verteidigen, dem Erzrivalen reicht ein Remis. Mehr Brisanz kann ein Fussballspiel nicht haben. Das heisseste Derby der Welt ist seit der Gründung der verfeindeten Vereine ein Kampf zweier Kontinente.

Gekündigte Freundschaften, abgebrochene Geschäftsbeziehungen. Es kommt nicht selten vor, dass die Verehrung eines der beiden Istanbuler Klubs sogar Familien entzweit. Man schätzt sich eben nicht – so einfach ist das am fussballfanatischen Bosporus. An das Duell zwischen den Erzrivalen Fener und Gala kommt in der Türkei nichts vergleichbares heran: Das «Kitalar Arasi Derbi» (interkontinentales Derby) - wie es die türkischen Anhänger nennen, ist das wichtigste Spiel der Saison. Nichts ist bedeutender, als ein Sieg über den Rivalen.

Wenn das im europäischen Teil Istanbuls beheimatete Galatasaray auf den verhassten Gegner aus Kadiköy, ein Stadtteil auf der asiatischen Seite, trifft, liegt Spannung in der Luft. «Schon Tage vor einem Derby ist es jeweils das zentrale Thema», sagt Reto Ziegler, der seit Sommer 2011 für Fenerbahçe spielt und in dieser Zeit erfahren konnte, wie heissblütig die Fans sind. «An solchen Tagen verlasse ich kaum meine Wohnung und vermeide es, in die Stadt zu gehen», so der Schweizer Internationale, «es ist einfach eine andere Welt. Das muss man erlebt haben.»

Arbeiter- gegen Nobelklub

Reto Zieglers Tor im Derby gegen Galatasaray

Während Fener als Arbeiterklub gilt, hängt Gala der Ruf eines Nobelklubs nach. Wohl auch, weil der Verein der «Löwen» (Aslanlar) einst aus dem französischsprachigen Galatasaray-Gymnasium, einer Eliteschule im noblen Galata-Viertel, entstand. Aus dieser Schule stammen diverse frühere und aktuelle Politiker. Auch Ali Sami Yen, Fussballpionier und Namensgeber der Gala-Arena, war Schüler des Gymnasiums und gründete 1905 den Galatasaray Spo Kulübü. Gala ist im Ausland der bekanntere Vertreter, zumal er bislang als einziger türkische Klub einen europäischen Titel (Uefacup 2000) gewinnen konnte. Fener ist aber mit Abstand der populärste und auch reichste Klub der Türkei.

Fenerbahçe wurde 1907 gegründet – wie gesagt - auf der asiatischen Seite Istanbuls, in Kadiköy. Als Gründer werden Nurizade Ziya Songülen, Ayetullah und Necip Okaner genannt, die den Verein im Geheimen aufbauen mussten, da Sultan Abdulhamit II (damals Sultan des Osmanischen Reiches) das Fussballspiel und die Gründung von Vereinen verboten hatte. Erst nach einer Gesetzesänderung im Jahr darauf konnten sich Vereine definitiv registrieren lassen. Fenerbahçe Spor Kulübü war der erste Klub, der das tat.

1909 kam es zum ersten Derby, das Gala 2:0 für sich entschied. Legendär ist der 7:0-Sieg von Galatasaray im Jahr 1911. Kurios: Gala war lediglich mit sieben Spielern angetreten, da schlechtes Wetter die Anreise der kompletten Mannschaft verhindert hatte. Auf einen ähnlich deutlichen Erfolg musste Fenerbahçe lange warten. Im November 2002 – also 91 Jahre später – fegte Blau-Gelb Gala mit einem 6:0 aus dem Stadion.

Heissblütig, fanatisch und laut

Begleitet werden die Derbys seit jeher oft von Ausschreitungen. 5000 bis 6000 Polizisten sollen es sein, welche die beiden verfeindeten Fangruppen bei den Direktduellen jeweils in Schach halten. Das wird am Samstag im Sükrü-Saracoglu-Stadion für einmal anders sein: Denn in der laufenden Meisterschaft sind bei den Derbys Gästefans gar nicht erst zugelassen. So werden im ausverkauften Haus lediglich Anhänger von Fenerbahçe zu hören sein. «Und zwar lautstark» weiss Ziegler, «es wird die Hölle sein».

Bei einem Aufeinandertreffen der beiden Rivalen in der Gala-Arena Mitte März wurden fast 132 Dezibel gemessen. Für einen Rekord hat der Lärmpegel dennoch nicht gereicht. Den beansprucht Besiktas, der dritte Istanbuler Verein, für sich. Der dritte Topklub im Bunde brachte es in der Champions League 2007 im Spiel gegen Liverpool auf 137 Dezibel.

Ein Problem hat der türkische Fussballverband bis zum Verfassen dieses Artikels nicht gelöst: Die Frage, ob Galatasaray im Erfolgsfall der Meisterpokal vor 50 000 enttäuschten Fener-Fans überreicht werden soll oder besser doch nicht.

Zahlen und Rekorde

Zahlen und Rekorde

Das erste Tor in der Geschichte des Interkontinental Derbys erzielte Emin Bülent Serdaroglu für Galatasaray.

Auf den ersten Sieg gegen Gala musste Fenerbahçe lange warten: Blau-Gelb siegte im achten Derby am 4. Januar 1914 mit 4:2.

Die niedrigste Zuschauerzahl wurde im November 1922 gezählt: Die Partie sahen lediglich 14 Fans.

Die höchste Besucherquote datiert vom 21. September 2003. 70 125 Zuschauer verfolgten das Spielgeschehen im Atatürk-Stadion.

Die erfolgloseste Phase muss Galatasaray auf sich nehmen. Nach einem Sieg im Mai 1942 folgte eine Serie von 18 Partien ohne Vollerfolg. Fenerbahçe konnte den Gegner zwischen 1949 und 1953 elfmal nicht bezwingen.

Den höchsten Sieg konnte Fenerbahçe am 6. November 2002 erzielen. Fener jagte den Erzrivalen mit einem 6:0-Sieg zurück auf den europäischen Kontinent.

(Quelle: Wikipedia)

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