Aktualisiert 11.06.2012 10:54

Vollkontakt in Hotpants

Das heisseste Derby des Sommers

Roller-Derby – das ist rasantes Frauen-Rugby auf kleinen Rädern, nichts für Zimperlieschen. Am Samstag bestreiten die Zürich City Rollergirlz erstmals ein Heimspiel gegen deutsche Gegnerinnen.

von
P. Dahm

Der Rollschuh ist den meisten zu eng geworden: Seit Inlineskates und Rollerblades der klassischen Vierradsohle den Rang abgelaufen haben, wirkt das Image des guten alten Freizeitstiefels Verstaubt.

Umso bemerkenswerter ist deshalb, dass die Zürich City Rollergirlz eine weitgehend unbekannte Tradition wieder aufleben lassen: Die Damen bestreiten am 9. Juni das erste internationale Roller-Derby-Spiel der Schweiz. Nina alias Malice in Wonderland ist «auf jeden Fall» schon heiss auf Barockcity Rollerderby aus Ludwigsburg: «Wir trainieren fleissig und erwarten schon lange das erste Heimspiel. Wir sind parat!»

Auf zehn Rädern

Roller-Derby: So gehts

Seine Premiere feierte der Vollkontakt-Sport schon 1935: In Chicago fuhren Teams aus Männern und Frauen auf Rollschuhen wie in einem Velodrom gegeneinander, wobei dasjenige gewann, das am längsten durchhielt. In den 40er Jahren wurden die Regeln überarbeitet: Eine Mannschaft besteht heute aus einer «Jammerin», einer Läuferin, und vier Blockerinnen, die versuchen, die Läuferin am Überholen zu hindern. Denn für jede umrundete Gegnerin sammelt die Jammerin Punkte.

In den USA boomt der von Frauen dominierte Sport seit der Jahrtausendwende. «Die Zürcher Liga ist vor drei Jahren gegründet worden. Wir waren lange das einzige Team, bis vor einiger Zeit eines in Genf gebildet wurde, das aber noch nicht spielt. Vor zwei Jahren hatten wir das erste Spiel in Deutschland», erzählt Nina. In Stuttgart, Berlin und in Ludwigsburg sind die Zürcherinnen angetreten: Sie kennen den kommenden Gegner von einem Match («Bout») von 2011. Das ging allerdings verloren. Die 34-Jährige lacht kämpferisch: «Eben drum: Revanche!»

«Man darf nicht zimperlich sein»

Das Rollen-Rugby zieht naturgemäss Blessuren und blaue Flecken nach sich. «Man darf nicht zimperlich sein. Man fliegt halt», erklärt die Marketing-Fachfrau. «Und beim Spiel will man natürlich alles tun, um gegen den Gegner zu gewinnen.» Es gebe aber auch Regeln und gehe nicht zu wie im Film «Rollerball» (siehe Video): Einen Ball gibt es nicht und Festhalten oder Kneifen sind natürlich verboten! Was sie an dem Sport mag? «Es gibt für alle eine Position. Die Flinken eignen sich eher als Jammer, während die Blocker mit Kraft und Stabilität ‹Hits› verteilen.»

Der Kampf endet jedoch mit Abpfiff, versichert Nina und lobt den Sportgeist der Roller-Community: «Da entwickeln sich Freundschaften, man hilft einander. Die After-Party gehört auch fix zum Roller-Derby. Wir konnten ‹Gonzo› mit an Bord holen.»

Zürich City Rollergirlz - Barockcity Rollerderby Ludwigsburg, Sportanlage Fronwald in Zürich Affoltern, 9. Juni 17 Uhr (Einlass 16 Uhr), Tickets 15 CHF (Vorverkauf 12 CHF). After-Party ab 22 Uhr im «Gonzo»).

Die englischsprachige Dokumentation «This Is Roller Derby» von 2011. Quelle: YouTube/samwillet

Der «Trailer» des Filmes «Rollerball» von 1975. Quelle: YouTube/ Leofaria73

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