Aktualisiert 08.04.2020 21:05

Raus aus dem Corona-Lockdown

Das heisst der Exit-Plan für die Schweiz

Der Bundesrat will noch im April die Corona-Massnahmen etappenweise lockern. Das Gewerbe rechnet damit, dass etwa Gartencenter oder Kleidergeschäfte wieder öffnen.

von
D. Waldmeier / D. Graf / L. Stadler
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Am 8. April stellte der Bundesrat erstmals Lockerungen des Corona-Lockdowns in Aussicht. Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga, Mitte, diskutiert mit Bundesrat Alain Berset, rechts, und Bundesrat Guy Parmelin, links.

Am 8. April stellte der Bundesrat erstmals Lockerungen des Corona-Lockdowns in Aussicht. Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga, Mitte, diskutiert mit Bundesrat Alain Berset, rechts, und Bundesrat Guy Parmelin, links.

Keystone/Peter Klaunzer
Das kommt beim Gewerbeverband gut an. Direktor Hans-Ulrich Bigler sagt, die Schweiz habe erkannt, dass es einen «smart Restart» brauche, der den Gesundheitsschutz sicherstelle, aber auch die Wiederaufnahme der wirtschaftlichen Aktivitäten erlaube.

Das kommt beim Gewerbeverband gut an. Direktor Hans-Ulrich Bigler sagt, die Schweiz habe erkannt, dass es einen «smart Restart» brauche, der den Gesundheitsschutz sicherstelle, aber auch die Wiederaufnahme der wirtschaftlichen Aktivitäten erlaube.

Als erstes könnten laut Bigler Kleiderläden wieder aufgehen.

Als erstes könnten laut Bigler Kleiderläden wieder aufgehen.

Keystone/Christian Beutler

Zwar verlängert die Schweiz den Lockdown bis am 26 April. Gleichzeitig hat Gesundheitsminister Alain Berset am Mittwoch aber eine Exit-Strategie umrissen. So sollen die Massnahmen noch im April etappenweise gelockert werden. Begleitend will der Bundesrat das Virus mit breiten Tests eindämmen und Kontaktpersonen von Infizierten konsequent aufspüren und isolieren. Auch eine Maskenpflicht könnte erneut diskutiert werden.

Über die konkreten Schritte der Lockerung will der Bundesrat am 16. April entscheiden. Zuerst könne man dort lockern, wo es keine grossen Menschenansammlungen gebe und wo die Hygienemassnahmen eingehalten werden könnten, sagte Berset. Die Schulen lägen wohl irgendwo in der Mitte. Das Tempo hänge von der Entwicklung ab. Aber: Man müsse mit Wochen, nicht Monaten rechnen bei den Lockerungen. «Bisher waren wir erfolgreich, jetzt müssen wir am Ball bleiben. Durchhalten und nicht nachlassen.»

Gewerbe schöpft Hoffnung

Beim Gewerbeverband ist man erleichtert, dass der Bundesrat erstmals das Wort Lockerung in den Mund nimmt. «Die Regierung hat erkannt, dass es einen 'smart Restart' braucht, der den Gesundheitsschutz sicherstellt, aber auch die Wiederaufnahme der wirtschaftlichen Aktivitäten erlaubt», sagt Direktor Hans-Ulrich Bigler.

Davon, wie eine etappenweise Lockerung aussehen könnte, hat Bigler eine klare Vorstellung. «In einer ersten Phase werden Möbelläden, Gartencenter, Kleider- und Blumenläden sowie kleinere Geschäfte wieder aufmachen dürfen. Vielleicht wird die Zahl der Kunden begrenzt, die Hygienemassnahmen lassen sich hier aber gut umsetzen.»

Erst in einem zweiten Schritt würden wohl die Beschränkungen für Bars, Restaurants und Kinos gelockert. Den längsten Atem brauchen laut Bigler die Eventorganisatoren. «Es wird von den Fallzahlen abhängen, wann das Verbot der Grossveranstaltungen aufgehoben wird.»

«Es ist wichtig, dass die Wirtschaft eine Perspektive hat»

Der Bundesrat stehe vor einem Balanceakt: «Lockert er zu viel, ziehen die Zahlen wieder an.» Wirtschaftlich sei die Lage so dramatisch wie in der Ölkrise vor 50 Jahren. «Geht die Wirtschaft kaputt, ist aber auch das Gesundheitswesen in Gefahr», sagt Bigler. Der Weg führe über konsequente Tests und den Einsatz von datenschutzkonformen Tracing-Apps, mit denen sich die Kontaktpersonen von Infizierten ausfindig machen und isolieren lassen.

Auch die Handelskammern bauen Druck auf: «Die sofortige Ladenöffnung muss die erste Massnahme sein, wenn die Lockerung kommt», so Regine Sauter, FDP-Nationalrätin und Direktorin der Zürcher Handelskammer. Es sei ein Schritt in die richtige Richtung, dass der Bundesrat nun zumindest einen Zeitplan aufzeige: «Es ist wichtig, dass die Wirtschaft eine Perspektive hat.»

Parteien zufrieden

Bei den Parteien von links bis rechts sieht man Licht am Ende des Tunnels: «Es ist höchste Zeit, dass der Bundesrat seine Karten auf den Tisch legt und aufzeigt, wie er die Schweiz zurück in die Normalität führen will. Die Läden und Geschäfte, die Menschen, die auf eine Operation warten, die verschoben werden musste, ja die ganze Schweiz wartet darauf, dass wieder Normalität einkehrt», sagt etwa Grünen-Präsidentin Regula Rytz.

Auch CVP-Präsident Gerhard Pfister begrüsst den Entscheid: «Der Bundesrat macht alles richtig, er öffnet die Wirtschaft so schnell wie möglich und so langsam wie nötig. Anfangen könnte man mit den Lockerungen in den Büros und Läden, in denen die Abstandsregelungen gut eingehalten werden können.»

Die SVP fordert den Bundesrat derweil auf, am 16. April konkrete Schritte zu beschliessen und zu kommunizieren. Präsident Albert Rösti sagt zu 20 Minuten: «Die am Mittwoch vom Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) prognostizierten Schäden von bis zu 90 Milliarden Franken sind enorm. Die Folgen davon können sich ebenfalls negativ auf die Gesundheit der Schweizer auswirken.»

Gerade im Bauwesen, im Detailhandel und in der Gastronomie entstünden täglich hohe Verluste. Der Verkauf von Lebensmitteln funktioniert ja derzeit auch unter Einhaltung der Vorschriften zum Schutz der Gesundheit, sagt Rösti. «Dann sollte das auch in einem Buch- oder in einem Werkzeugladen möglich sein.» Zudem brauche es bessere Schutzmassnahmen: Masken und mehr Tests.

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