Trotzphase bei Kindern: Das hilft, Wutanfälle zu kontrollieren
Braucht Nerven: Kindererziehung ist schön, aber für beide Seiten auch anstrengend. 

Braucht Nerven: Kindererziehung ist schön, aber für beide Seiten auch anstrengend. 

PExels / Snapwire
Publiziert

Simple TechnikDas hilft Kindern bei Wutanfällen wirklich

Das Schreien hat kein Ende? Dieser Trick hilft Kleinen und ihren Eltern, etwas gelassener durch turbulente Szenen zu kommen. 

von
Geraldine Bidermann

Du stehst mit deinem Kind an der Kasse beim Einkaufen, willst einfach nur noch heim, da erblickt es Süssigkeiten, zu denen du Nein sagst. Der Toibeli-Anfall aus dem Bilderbuch ist vorprogrammiert: Schreien, sich auf den Boden werfen, heulen wie verrückt und stampfen. Aber wieso reagieren kleine Kinder oft so extrem?

Wutanfälle bei Kleinkindern

Tobsuchtsanfälle werden oft durch Hunger, Müdigkeit, Unwohlsein (zu heiss, zu kalt, kratziger Pullover) oder Frustration ausgelöst. Kleine Kinder verfügen noch nicht über die Fähigkeiten, sich glasklar auszudrücken. Du verstehst zwar, dass sie Süssigkeiten wollen, gibst ihnen aber klar zu verstehen, dass es jetzt keine gibt.

Den Kindern fehlt dann oft das Argumentarium, dir zu erklären, wieso sie diese aber wollen. Sie merken, dass sie nicht vorwärts kommen, was zu unglaublich grossen Frustrationen führt und sich in Wutanfällen zeigt. 

Speziell ab dem zweiten Lebensjahr schärfen Kinder ihre Kommunikationsfähigkeiten. Sie versuchen, sich auszudrücken und ihre Emotionen zu zeigen – diese zu kontrollieren, fällt ihnen hingegen noch sehr schwer. Gleichzeitig wollen sie ihre Unabhängigkeit vorantreiben, merken aber, dass sie chancenlos sind – sie können Spielzeuge und Glacé im Laden noch nicht selber bezahlen. Wutanfälle lassen sich also nicht vermeiden, es gibt aber einen Trick, um ihnen besser zu begegnen, als dem Kind zu sagen, dass es sich «zusammenreissen», oder «endlich still sein» soll.

Wutanfälle treten meist erstmals gegen Ende des ersten Lebensjahres auf, erreichen ihren Höhepunkt zwischen zwei (Trotzphase) und vier Jahren und klingen ab dem fünften Lebensjahr oftmals wieder ab. 

Wutanfälle treten meist erstmals gegen Ende des ersten Lebensjahres auf, erreichen ihren Höhepunkt zwischen zwei (Trotzphase) und vier Jahren und klingen ab dem fünften Lebensjahr oftmals wieder ab. 

Anna Shvets / Pexels

Sing ein beruhigendes Lied

Das Wichtigste bei emotionalen Ausbrüchen von Kindern ist es, ruhig zu bleiben und sie bestmöglich zu unterstützen und begleiten. Am besten gelingt das mit einem simplen Trick: Forschende haben herausgefunden, dass (Vor-)Singen eine beruhigende Wirkung auf unser Nervensystem hat. Das beginnt bereits während der Schwangerschaft – vielen Schwangeren wird empfohlen, beruhigende Musik zu hören. Kein Wunder, beruhigt sich auch ein Kleinkind schneller, wenn du ihm vorsingst. 

Tröste deine Kinder, indem du ihnen Nähe anbietest und sie durch ihre Emotionen «coachst».

Tröste deine Kinder, indem du ihnen Nähe anbietest und sie durch ihre Emotionen «coachst».

Pexels / Jordan Whitt

Die Familientherapeutin Cassidy Freitas hat auf Instagram ein eigenes Video dazu veröffentlicht, in dem sie das Lied teilt, dass sie ihren Kindern regelmässig bei Wutanfällen singt. Es geht in etwa so: «Ich liebe dich, mit all deinen Eigenschaften, ich liebe deine Hartnäckigkeit, deinen Willen und dass du Stärke hast». Sie sagt, dass die Kinder sich so gesehen fühlen und aufatmen können, auch wenn sie eigentlich noch traurig oder wütend sind. 

Der beste Zeitpunkt

Die Familientherapeutin empfiehlt, nicht gleich sofort mit dem Lied zu beginnen, sondern kurz abzuwarten, bis das Kind bereit für eine Umarmung ist. Wenn das der Fall ist, streichelt sie ihnen über den Rücken oder klopft sanft, während sie singt. Die Kleinen haben oft in den unpassendsten Momenten unkontrollierte Wutausbrüche oder Schreianfälle. Immer die Nerven zu behalten, ist nicht einfach. Sich aber bewusst zu machen, dass wir den Kleinen helfen können, sich in ihren Emotionen zurecht zu finden, hilft ihnen langfristig mehr, als bei allen Süssigkeiten nachzugeben.

Extratipp: Versuche, auch in hitzigen Situationen, bei grosser Müdigkeit und blanken Nerven auf deine Wortwahl zu achten. Wir verraten fünf Formulierungen, die du besser nicht mehr verwendest – und was du stattdessen sagen kannst.

Was hilft bei deinen Kindern, um ihre Emotionen besser regeln zu können?

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