Jellyfish Emergency Kit: Das hilft nach dem Quallen-Stich am Meer
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Jellyfish Emergency KitDas hilft nach dem Quallen-Stich am Meer

Der Kontakt mit Quallen kann sehr schmerzhaft sein. Ein Notfall-Set verspricht schnelle Hilfe. Ein Dermatologe erklärt, ob man das braucht.

von
F. Riebeling
So erfrischend ein Bad im Meer auch ist, es lauern auch Gefahren im Wasser. So können verschiedene Meeresbewohner den Badespass trüben.

So erfrischend ein Bad im Meer auch ist, es lauern auch Gefahren im Wasser. So können verschiedene Meeresbewohner den Badespass trüben.

Keystone/AP/Felipe Dana
Allen voran Quallen, ...

Allen voran Quallen, ...

/Reinhard Dirscherl/Ullstein Bild
... die sich weltweit immer mehr ausbreiten.

... die sich weltweit immer mehr ausbreiten.

Jellyfish Emergency Kit/Beach Pharmacy

Bestimmte Quallenarten können einem die Ferien am Meer so richtig vermiesen, denn bei Berührung spritzen die Nesselzellen auf ihren Tentakeln Gift in den menschlichen Körper.

Die Folgen sind so verschieden wie auch die Quallenarten (siehe Bildstrecke), aber allen gemein sind der Schock und die Schmerzen, die sie verursachen. Weltweit werden jährlich über 150 Millionen Quallenverletzungen registriert. Tendenz steigend.

Notfallset gegen Quallenverletzungen

Wer schnell reagiert, kann das schmerzhafte Brennen zwar rasch lindern. Doch «viele Strandbesucher wissen gar nicht, was bei einer Quallenverletzung überhaupt zu tun ist», sagt Stephan Flisch von Beach Pharmacy. Das Zürcher Unternehmen hat deshalb ein Notfallset gegen Quallenverletzungen entwickelt.

Das sogenannte Jellyfish-Kit enthält einen Essigspray, Schutzhandschuhe, eine Kühllotion sowie einen Nesselschaber in Form einer Plastikkarte.

«Der Spray mit einem Säuregehalt von sechs Prozent neutralisiert das giftige Sekret, der Nesselschaber entfernt die verbleibenden Nesselfäden und die Lotion kühlt die verletzte Haut bis zu acht Stunden», erklärt Flisch. Der grösste Vorteil des Kits sei aber, dass sämtliche notwendigen Schritte einfach erklärt werden und alles Nötige in einer handlichen Box mitgenommen werden kann. Ist das Jellyfish-Kit also ein Must-have für Strandbesucher?

«Gewöhnlicher Haushaltsessig tuts auch»

«Nein», findet Dermatologe Siegfried Borelli vom Zürcher Stadtspital Triemli. Er kann einzig dem Essigspray etwas abgewinnen: «Das ist genau das, was man bei Quallenkontakten immer empfiehlt.» Damit werde verhindert, dass die auf der Haut des Menschen sitzenden Nesselzellen das Gift abgeben. «Den Rest in diesem Kit braucht man in meinen Augen eigentlich nicht.»

Zwar rät auch er dazu, die Nesselfäden so rasch wie möglich von der Haut zu entfernen. Einen Nesselschaber brauche es dafür aber nicht. «Alles, was eine Kante hat, hilft genauso gut», so der Experte, «etwa eine Bankkarte oder ein Messerrücken.» Sei Derartiges nicht greifbar, könnte man auch einfach Sand über die verletzte Stelle geben und versuchen, das Ganze vorsichtig zu entfernen.

Auch was das kühlende Gel angeht, meldet er Zweifel an: «Wer weiss, wie die darin enthaltenen Parfüms und Öle mit Sonne reagieren?»

Vorsorge besser als Nachsorge

Für den Dermatologen steht fest: Kaufen würde er das Produkt nicht. «Wenn ich in die Strandferien gehe und es gibt eine Quallenwarnung, dann gehe ich einfach nicht ins Wasser. Und wenn ich unbedingt surfen muss, dann ziehe ich einen Neoprenanzug an und schütze mich so.»

Wer an wilden Stränden baden will, dem empfiehlt er, im Vorfeld ein wenig Essig abzufüllen und irgendeine Art von Plastikkarte mitzunehmen. «Mehr braucht man meiner Meinung nach nicht», so Borelli. Zudem sei dies sicher die günstigste Variante.

Weitere Erste-Hilfe-Tipps nach Quallen-Kontakten finden Sie in der obigen Bildstrecke.

Quallen kommen weltweit vor. Allerdings ist unbekannt, wie viele verschiedene Arten es gibt. Laut dem deutschen Zoologen Gerhard Jarms werden jedes Jahr immer noch neue entdeckt. Wenig Unklarheit herrscht jedoch darüber, dass Sie um die Folgenden einen grossen Bogen machen sollten.

Quallen kommen weltweit vor. Allerdings ist unbekannt, wie viele verschiedene Arten es gibt. Laut dem deutschen Zoologen Gerhard Jarms werden jedes Jahr immer noch neue entdeckt. Wenig Unklarheit herrscht jedoch darüber, dass Sie um die Folgenden einen grossen Bogen machen sollten.

Flickr.com/Alain/CC BY-SA 2.0
Die Seewespe (Chironex fleckeri) gilt als einer der gefährlichsten Meeresbewohner überhaupt: Der Kontakt mit ihren bis zu drei Meter langen Tentakeln kann lebensgefährlich sein. Denn ihre Nesseln fressen sich durch die Haut und lähmen Herzmuskulatur und Atmung. Innerhalb weniger Minuten kann das zum Herzstillstand führen. Sie ist in den Gewässern um Australien zuhause.

Die Seewespe (Chironex fleckeri) gilt als einer der gefährlichsten Meeresbewohner überhaupt: Der Kontakt mit ihren bis zu drei Meter langen Tentakeln kann lebensgefährlich sein. Denn ihre Nesseln fressen sich durch die Haut und lähmen Herzmuskulatur und Atmung. Innerhalb weniger Minuten kann das zum Herzstillstand führen. Sie ist in den Gewässern um Australien zuhause.

/Henn Photography
Die Kompassqualle (Chrysaora hysoscella) zählt zu den Feuerquallen. Zu erkennen ist sie an ihren braunen Streifen. Sie ist  eine der häufigsten Quallenarten in Mittelmeer und Nordsee. Eine Berührung ist nicht tödlich, führt aber zu einem schmerzhaften Brennen. Auch Kreislaufbeschwerden können die Folge sein.

Die Kompassqualle (Chrysaora hysoscella) zählt zu den Feuerquallen. Zu erkennen ist sie an ihren braunen Streifen. Sie ist eine der häufigsten Quallenarten in Mittelmeer und Nordsee. Eine Berührung ist nicht tödlich, führt aber zu einem schmerzhaften Brennen. Auch Kreislaufbeschwerden können die Folge sein.

Wikimedia Commons/4028mdk09/CC BY-SA 3.0

Warum muss man bei Quallenkontakt reagieren?

Um ihre Feinde zu töten besitzt die Qualle an ihren Tentakeln bis zu 1000 Nesseln pro Zentimeter, die bei Kontakt mit einer Beute – oder auch mit einem Schwimmer – abbrechen und ein Nervengift in das Opfer injizieren. Ist dieses erst einmal im Körper, lässt es sich nicht mehr entfernen. Deshalb muss als erste Massnahme verhindert werden, dass das Gift in den Körper gelangt. Das heisst: Die an der Haut klebenden Nesseln müssen schnell entfernt werden.

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