Havarie auf dem Rhein: «Das Hotelschiff konnte nicht mehr ausweichen»
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Havarie auf dem Rhein«Das Hotelschiff konnte nicht mehr ausweichen»

Heute Morgen kommt es in Basel zu einem Unglück: Ein Kranschiff kentert auf dem Rhein. Ein Hotelschiff prallt danach in den havarierten Kahn. Verletzt wird niemand.

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num/rod/huf/sda

Am Montagmorgen um 8.20 Uhr kommt es in Basel am Rheinhafen Kleinhüningen zu einem Unglück: Das mit Kies beladene Kranschiff Merlin meldet per Notruf Probleme, es habe schwere Schlagseite und drohe zu kentern. Zu diesem Zeitpunkt sind drei Personen und der Kapitän an Bord. Die Besatzung wird von Rettungskräften evakuiert.

Der 52 Meter lange havarierte Kahn kentert - und wird so zur Falle für die anderen Boote. Das Hotelschiff Olympia prallt seitlich gegen das Kranschiff. Augenzeuge Fred Lauener beobachtete die fatale Kettenreaktion: «Bei dieser starken Strömung konnte die Olympia nicht mehr rechtzeitig ausweichen - es hat ziemlich gedonnert.» Der Kieslader reisst ein Loch in die Seite der Olympia.

Noch in der Merlin verhakt, ist die Olympia kurzzeitig manövrierunfähig und prallt mit dem Bug auch gegen die am Ufer vertäute Lafayette, auf der sich vor dem Aufprall gegen hundert Passagiere befanden. Diese konnten bereits vorher evakuiert werden.

Britische Reisegruppe auf der «Olympia»

An Bord der Olympia hielten sich zum Zeitpunkt des Unfalls laut Fred Lauener rund 40 Passagiere auf. «Ich habe aber nicht gesehen, dass jemand ins Wasser gefallen ist.» Nach dem Aufprall versammelten sich die Passagiere mit Schwimmwesten auf dem obersten Deck. Danach konnte die beschädigte Olympia trotz Leck anlegen und die Passagiere sicher von Bord bringen.

Laut Augenzeuge handelt es sich um eine britische Reisegruppe, die auf dem Weg nach Köln war. «Es sind Senioren, die das Ganze aber gut überstanden zu haben scheinen.»

Trinationaler Alarm ausgelöst

Die Rettungskräfte sind mit einem Grossaufgebot vor Ort. Verletzt wurde beim Unglück niemand. Der gekenterte Kieslader wird von einem Schleppschiff per Stahlseil stabilisiert.

Da beim Unglück eine unbekannte Menge Dieselöl in den Rhein gelangte, wurde ein sogenannter trinationaler Alarm ausgegeben. Dabei werden die Behörden in Deutschland und Frankreich über die Gewässerverschmutzung informiert.

Derzeit werden die beiden involvierten Passagierschiffe Olympia und Lafayette von der Polizei untersucht. Gemäss dem Management der Olympia kann die Reise mit der britischen Reisegruppe mit grösster Wahrscheinlichkeit fortgesetzt werden. Die Gäste seien «in aufgeräumter Stimmung», wie ein Sprecher sagte.

Ein Einsatzteam sucht ausserdem nach dem Kran, der auf der Merlin installiert war, wie ein Sprecher kurz nach Mittag sagte. Bevor dieser und der Kieslader nicht sichergestellt seien, bleibe die Rheinschifffahrt bis auf weiteres gesperrt.

Gekentertes Boot gehört Schweizer Wasserbau

Das gekenterte Kranschiff «Merlin» gehört der Firma Schweizer Wasserbau aus Birsfelden. Es führte zum Zeitpunkt des Unglücks gerade Baggerarbeiten durch, wie Thomas Adam von der Firma gegenüber 20 Minuten sagt. Die Besatzung sei gerettet worden. «Das ist sicher das Wichtigste, dass unsere Mitarbeiter wohlauf sind.» Er hoffe nun, dass das Schiff bald wieder einsetzbar sei. «Es ist das einzige Kranschiff unserer Firma.»

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