Alex Frei: «Das isch emol en Abschied»
Aktualisiert

Alex Frei«Das isch emol en Abschied»

Alex Frei wurde mit einem grossen Bahnhof verabschiedet. Die Wertschätzung, die der Torjäger am Ende seiner Karriere erfahren durfte, war riesig.

von
Eva Tedesco

Alex Frei tritt nach 16 Profijahren ab und beendet seine Karriere. Es ist der Abschied eines ganz Grossen des Schweizer Fussballs und ein Abschied in einem würdigen Rahmen. (Video: 20 Minuten)

Es herrschte Gänsehautstimmung im St. Jakob-Park, als Alex Frei eine Viertelstunde vor Kickoff gegen den FCZ verabschiedet wird. «Hab mich geändert und neu erfunden, hab das Böse für dich überwunden», röhrte Baschi aus den Lautsprechern. «Es beginnt ein neuer Tag, heut lass ich die Welt, so wie sie ist, denn wir sind auf grosser Fahrt.» Seine Fahrt ging am Sonntagnachmittag zu Ende. Alex Frei beendet nach 16 Profi-Jahren seine Karriere.

FCB-Präsident Bernhard Heusler erwartet den scheidenden Torjäger mit der Rückennummer 13 im Mittelkreis des Joggeli. «591 Profispiele, 309 Tore und viel wichtiger 166 Spiele und 107 Goals für den FCB», zählte Heusler auf und verabschiedete sich von einem ganz Grossen des Schweizer Fussball mit einem schlichten «Danggscheen, Alex». Als Präsent erhielt Frei eine Collage mit den schönsten Treffern und Momenten, die er mit dem FCB erleben durfte.

Tränen und eine Herzensangelegenheit

Er sei nicht nah am Wasser gebaut, sagte Frei noch am Freitag, zwei Tage vor seinem Abschiedsspiel. Die ersten Tränen flossen bereits, ehe er noch den ersten Satz sagen konnte. Und sie liefen im über die Backen, während ein rund 3-minütiger Videozusammenschnitt mit seinen schönsten Toren über die zwei Videowände im Joggeli flimmerte.

Danach wischte er sich mit dem Ärmel über das Gesicht und ergriff das Mikrophon. «Ich halte mich kurz», so Frei, «schliesslich haben wir noch einen Match zu spielen. Ich bedanke mich bei meiner Familie und meinem Freunden für ihre Unterstützung.» Dann verabschiedete sich Frei von den Fans. «Danke für geile vier Jahre in Basel. Ihr habt einen Platz in meinem Herzen und vielleicht habe ich auch einen in eurem gewonnen. Dangge.»

Traumtor zum Abschluss...

Wie von Trainer Murat Yakin angekündigt, führte der Torjäger danach die Mannschaft als Captain aufs Feld. Und als ob nichts gewesen wäre, beschränkte sich Frei auf das, was er immer am liebsten und viel besser als viele, viele andere machte – er spielte Fussball. Er kämpfte und ackerte. Er lief im Sechzehner in Position und verursachte bei den gegnerischen Verteidigern Kopfschmerzen. Doch hatte der FCZ dem Torjäger vor dem Klassiker zum Abschied noch einen Blumenstrauss geschenkt, war die Zeit der Party und Geschenke vorüber. Die Zürcher gingen nach 25. Minuten durch Josip Drmic in Führung. Die Partystimmung im Joggeli fand ein jähes Ende.

So wollten die rotblauen Weggefährten Alex Frei nicht zum FCL entlassen, wo der Stürmer am Montag seinen Job als Sportchef antreten wird. Sie stemmten sich gegen die Niederlage. Gerichtet hat es der Altmeister aber dann selbst: Frei zirkelte einen Freistoss zum 1:1 ins Netz und schraubte sein Total beim FCB auf 108 Volltreffer. Gekonnt ist eben gekonnt. Das Joggeli verwandelte sich in ein Tollhaus. «Das isch emol e Goal», sangen die rund 32'000 Zuschauer. In der Muttenzerkurve zogen die Treusten der Treuen ein Transparent mit dem Spruch auf, der inzwischen Kult und zu Freis Markenzeichen geworden war. Er hatte es im März 2011 nach einem Traum-Freistosstor zum 2:1 gegen GC in eine Kamera geschrien.

... und ein Muskelfaserriss

Das Spiel nahm eine Wende. Mit einem Penalty (Beda hatte Stocker von den Beinen geholt) brachte Fabian Schär (87.) den FCB in Führung. Nur eine Minute später setzte Mohamed Salah mit dem 3:1 den Schlusspunkt und sicherte Frei den perfekten Abgang. Da war Frei nicht mehr auf dem Platz. Marco Streller stand nach 69 Minuten an der Linie zur Einwechslung bereit. Nach einer innigen Umarmung und viel Emotion klatschten die beiden Freunde sich ein letztes Mal ab. Um 15.13 Uhr ging eine grosse Karriere im Joggeli zu Ende. Eine der schillerndsten Persönlichkeiten trat unter Standing Ovation und tosendem Applaus ab.

«Es war ein toller Moment für mich, den FC Basel und seine Fans. Die 16 Jahre sind wie vor meinen Augen vorübergezogen, als der Film lief und ich habe alles noch einmal vor mir gesehen. Im Spiel habe ich nicht an den Abschied gedacht. Das Spiel hat durch mein Goal eine andere Dynamik genommen. Ich weiss nicht, ob das passend ist für meine Karriere - aber ich hatte immer im richtigen Moment Glück und das passt irgendwie, wenn du noch ein Freistosstor machen kannst, obwohl es dein letzter Match ist. Dass ich mir dabei einen Muskelfaserriss zugezogen habe, ist nicht so schlimm, denn ich fahre ja einen Automat und brauche den linken Fuss nicht», scherzt Frei an der Medienkonferenz nach dem Spiel.

Ein Spieler für die Ewigkeit

Es war seine definitiv letzte als Spieler und definitiv die emotionalste. Im Stadion waren noch die letzten Töne des Songs der Toten Hosen zu hören. «An Tagen wie diesen wünscht man sich Unendlichkeit», sang die deutsche Punkband. Der Tag geht vorbei, in den Schweizer Fussball-Annalen bleibt ihm ein Eintrag für die Ewigkeit – als einer der ganz Grossen.

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