Nati greift nach Gold: Das ist alles anders als beim Silberwunder 2013
Aktualisiert

Nati greift nach GoldDas ist alles anders als beim Silberwunder 2013

Vieles ist ähnlich wie vor fünf Jahren. Einiges nicht. Ein Vergleich zwischen dem Silberwunder 2013 und dem Coup Dänemark 2018.

von
Marcel Allemann
Kopenhagen
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Grenzenloser Jubel: Die Schweiz bezwingt Kanada 3:2 und steht im WM-Final gegen Schweden.

Grenzenloser Jubel: Die Schweiz bezwingt Kanada 3:2 und steht im WM-Final gegen Schweden.

Keystone/Salvatore Di Nolfi
Mit viel Leidenschaft: Simon Moser und Roman Josi kümmern sich um Kanadas Pierre-Luc Dubois.

Mit viel Leidenschaft: Simon Moser und Roman Josi kümmern sich um Kanadas Pierre-Luc Dubois.

Keystone/Salvatore Di Nolfi
Schlusskrimi: Der Anschlusstrefffer zwei Minuten vor Schluss gibt den Kanadiern wieder Hoffnung.

Schlusskrimi: Der Anschlusstrefffer zwei Minuten vor Schluss gibt den Kanadiern wieder Hoffnung.

kein Anbieter/AP Photo/Petr David Josek

2013 im WM-Final, 2018 im WM-Final. An eine Fünfjahres-Rechnung dieser Art könnten sich die Schweizer Sportfans gewöhnen. Fünf Spieler von 2013 sind auch 2018 wieder dabei: Reto Berra, Raphael Diaz, Roman Josi, Simon Moser und Nino Niederreiter. Dazu kommt Nationaltrainer Patrick Fischer, der 2013 Sean Simpsons zweiter Assistenzcoach war.

Gleich ist auch, dass die Eishockey-WM nach fünf Jahren zurück in Skandinavien ist. 2013 gastierte sie im schwedischen Stockholm, nun in Kopenhagen unweit der schwedischen Grenzen. Ein Territorium, auf dem sich Schweizer Eishockeyaner offensichtlich wohl fühlen. Was auch gleich ist: Sowohl 2013 wie auch 2018 schien während den knapp zweienhalb WM-Wochen fast immer die Sonne. Sie lachte für die Schweiz.

2013 im unaufhörlichen Siegesrausch

«Ja stimmt, das ist alles ähnlich. Auch, dass wir im Final wieder auf Schweden treffen, ist gleich. Aber vieles ist auch anders. Die Mannschaft hat ein ganz anderes Gesicht als damals, sie ist auch jünger», so Nati-Coach Fischer.

Auch der Verlauf des Turniers ist aus Schweizer Sicht unterschiedlich. 2013 hatten sie «einen Riesenlauf», wie Fischer sagt. Das Silberteam geriet von Anfang an in einen Rausch, gewann das Startspiel gegen Schweden mit 3:2, reihte anschliessend acht weitere Siege aneinander, ehe sie das zehnte und letzte Spiel, den Final wiederum gegen Schweden, mit 1:5 verlor.

2018 über Niederlagen das Siegen gelernt

Dieses Jahr startete die Mannschaft mit einem mühseligen 3:2 nach Verlängerung gegen Österreich, sie verlor in der Gruppenphase gegen Tschechien, Russland und Schweden und qualifizierte sich erst im letzten Vorrundenspiel gegen Frankreich für die Viertelfinals. Erst als es richtig wichtig wurde, in der K.o.-Phase, wurde die Nati zum Riesentöter. «Daher ist es für mich auch eine ganz andere Geschichte als 2013», sagt Simon Moser.

Auch scheint die Konkurrenz dieses Mal noch eine Spur stärker als 2013. Es bereichern nicht nur einzelne, sondern viele Topstars aus der NHL die Teams. Angeführt von Connor McDavid (Kanada) und Patrick Kane (USA). Es braucht noch mehr für einen Exploit und deshalb war dieses 3:2 am Samstagabend gegen McDavids Kanada irgendwie auch der grösste Schweizer Sieg aller Zeiten. «Der Stellenwert der WM ist in den letzten Jahren grösser geworden», findet Fischer. Das zeigt auch auf, wie gigantisch der neuerliche Final-Einzug der Schweiz ist.

Kein Medaillen-Schock wie 2013 – dieses Mal soll es Gold sein

Anders sind auch die Emotionen nach dem Halbfinal-Triumph. 2013 johlten die Spieler auf dem Weg in die Kabine. Sie blickten sich gegenseitig immer wieder ungläubig an. Als nach dem 3:0 gegen die USA die Medaille sicher gestellt war, da war das wie ein Jahrhundertsieg. Dieses mal freuten sie sich zwar ebenfalls, aber viel nüchterner. Der Blick war sogleich wieder nach vorne gerichtet. Auf Schweden.

Dass es für die Schweiz möglich ist, eine WM-Medaille zu gewinnen, haben wir 2013 gesehen. Ein Schock im positiven Sinn ist dies inzwischen nicht mehr. Jeder Spieler weiss, dass es machbar ist. Fünf waren dabei. Die anderen sahen es im Fernsehen. «Wir wollen mehr, wir wollen Gold», erklärte daher Moser voller Vorfreude auf den Final gegen Schweden. Die ist auch bei Fischer gross: «Ich bin happy, dass wir die Gelegenheit erhalten, für die Final-Niederlage von damals Revanche zu nehmen.»

2013 gewann die Schweiz ihr Gruppenspiel gegen Schweden und verlor danach im Final. Nun in Kopenhagen könnte es doch eigentlich umgekehrt sein: Niederlage im Gruppenspiel (3:5), Sieg im Final. Die Schweiz Weltmeister – das wäre dann ein neuer Schock. Im positiven Sinn natürlich.

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