Rechtsextremist Brenton Tarrant: Das ist das irre Manifest des Christchurch-Mörders

Aktualisiert

Rechtsextremist Brenton TarrantDas ist das irre Manifest des Christchurch-Mörders

Für den Anschlag verdiene er den Friedensnobelpreis, behauptet der Attentäter. Sein rechtsradikales Gedankengut sei auch in Europa verbreitet, sagt ein Terrorexperte.

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dk
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In seinem 74-seitigen Manifest bezeichnet sich der 28-jährige Tarrant als «normalen, weissen Mann», der aus einer «einkommensschwachen, australischen Familie» stammt.

In seinem 74-seitigen Manifest bezeichnet sich der 28-jährige Tarrant als «normalen, weissen Mann», der aus einer «einkommensschwachen, australischen Familie» stammt.

Im Manifest stellt er sich selber die Frage, ob er seine Taten bereue. «Nein, ich wünschte, ich hätte noch mehr Verräter getötet», antwortet er sich selbst.

Im Manifest stellt er sich selber die Frage, ob er seine Taten bereue. «Nein, ich wünschte, ich hätte noch mehr Verräter getötet», antwortet er sich selbst.

Zunächst wollte er die Anschläge gar nicht in Neuseeland ausführen. Doch er wollte «zeigen, dass kein Ort der Welt sicher ist».

Zunächst wollte er die Anschläge gar nicht in Neuseeland ausführen. Doch er wollte «zeigen, dass kein Ort der Welt sicher ist».

Er bezeichnet nichtweisse Personen als Invasoren und ist der Ansicht, dass die «weisse Rasse» vom Aussterben bedroht sei und um jeden Preis verteidigt werden müsse. Brenton Tarrant, der rechtsextreme Terrorist, der im neuseeländischen Christchurch bei Anschlägen auf zwei Moscheen nach Polizeiangaben 49 Menschen erschossen hat, war Anhänger der rechtsextremen Verschwörungstheorie «The Great Replacement» («Der grosse Bevölkerungs-Austausch»).

«Diese vom französischen Schrifsteller Renaud Camus formulierte Verschwörungstheorie besagt, dass die Regierung eine Auflösung des Volkes betreibt und es durch die Einwanderung zu einem Identitäts- und Kulturverlust kommt, was schliesslich zum «weissen Genozid» führt», sagt Jacques Baud, Terrorismusexperte und ehemaliger Analyst des Nachrichtendienstes.

Rache als Motiv

In seinem 74-seitigen Manifest bezeichnet sich der 28-jährige Tarrant als «normalen, weissen Mann», der aus einer «einkommensschwachen, australischen Familie» stammt. Weiter behauptet er, die Anschläge schon seit zwei Jahren vorzubereiten – unter anderem als «Rache» für den «Genozid am weissen Mann». Sein Vorbild: Der norwegische Attentäter Anders Breivik, der im Jahr 2011 77 Menschen ermordete – grösstenteils Jugendliche.

Falls er das Attentat überlebe und vor Gericht gestellt werde, werde er auf nicht schuldig plädieren, schreibt Tarrant, der sich im Manifest selber stolz als intoleranten Rassisten und Faschisten bezeichnet. Im Gegenteil: Für seine Taten fordert er gar den Friedensnobelpreis. «Auch der Terrorist Nelson Mandela kam nach 27 Jahren Haft frei und erhielt den Nobelpreis», schreibt der Attentäter.

US-Präsident Donald Trump sei für ihn ein «Symbol der weissen Identität», so Tarrant. Daher unterstütze er ihn. Die grösste Inspiration für ihn sei aber die konservative US-Kommentatorin Candace Owens gewesen, die auch schon bei der konservativen Newsplattform Fox News auftrat. Sie habe ihm geholfen zu erkennen, dass einzig mit Gewalt eine «Lösung» gefunden werden kann. Weiter schreibt Tarrant: «Aber einige ihrer Ansichten unterstütze ich nicht. Die waren mir zu extrem»

«Logik des Terrorismus»

Für den Terrorismusexperten Jacques Baud ist das Denkmuster des Attentäters vergleichbar mit dem islamistischer Extremisten. «Sie fühlen sich berechtigt, Gewalt anzuwenden, um die ‹Invasoren› zu bekämpfen», sagt Baud. Die Logik des Terrorismus besage, dass man für sein «Volk» kämpfe. «Und Tarrant sieht sich genau als ein solcher Kämpfer.»

Die Gefahr, dass sich diese Art der «weissen Radikalisierung» ausbreite, sei aber gross. Baud: «Wir sehen bereits in osteuropäischen Staaten, wie populistische Regierungen die Angst vor Einwanderern für politische Zwecke missbrauchen. Und in Grossbritannien bescherte die Angst vor der unkontrollierten Zuwanderung dem Brexit viele Befürworter.» Diese Idee des «Great Replacement» sei sehr weit verbreitet. Baud: «Auch in Europa, auch in der Schweiz.»

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