«Das ist das Verfluchte am Alkohol»
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«Das ist das Verfluchte am Alkohol»

Ex-Model Waris Dirie behauptet, ein Brüsseler Taxifahrer habe sie zwei Tage festgehalten und vergewaltigt. Anschliessend beschuldigt sie die Polizei. Keiner glaubt ihr, denn die Gründe für ihr Verschwinden dürften wesentlich profaner sein.

Waris Dirie war letzte Woche zwei Tage in Brüssel verschwunden. Prompt startete ihr Manager Walter Lutschinger eine Suchaktion, die von der gesamten Weltpresse medial begleitet wurde. Was Lutschinger nicht verriet, ist, dass derartige Eskapaden nichts Neues für Diries sind. Das österreichische Nachrichtenportal «oe24» will wissen, dass Dirie oft tagelang, manchmal gar wochenlang verschwindet. Bereits mehrfach sei sie später plötzlich

aufgetaucht. Meistens habe sie sich mit nichts als den Kleidern am Leib zurückgemeldet. Wertsachen, Handtaschen, Geld waren jeweils verschwunden.

Vom Putzmädchen zum Pirelli-Model

Waris Dirie floh aus Somalia im Alter von 13 Jahren. Ihr Vater hatte sie einem 61-jährigen Mann zur Heirat versprochen. Ilegal kommt sie nach Grossbritannien und hält sich mit einem Job als Putzmädchen bei McDonalds über Wasser. Ihre Model-Karriere beginnt 1987, nachdem sie der Fotograf Terence Donovan entdeckt hat. Dirie wird das neue Gesicht im Pirelli-Kalender. Danach kommen Werbekampagnen für Chanel und eine kleine Rolle im James-Bond-Film «Der Hauch des Todes.» Doch zu diesem Zeitpunkt ist Waris Dirie bereits alkoholsüchtig.

Die «Wüstenblume» hat ein Alkoholproblem

Ihr Problem mit dem «bad water», wie Dirie den Alkohol nennt, habe angefangen, als ein Fotograf der gläubigen Muslimin Champagner anbot, um sie locker zu machen. In ihrem im April 2007 erschienenen Buch «Brief an meine Mutter» schildert die Frauenrechtlerin Partys, an denen sie Persönlichkeiten wie Naomi Campbell, Paul McCartney oder Bill Clinton kennengelernt hat. Dirie stürzt öfters ab, die Droge helfe ihr, die schweren Menstruationsschmerzen zu überwinden, die wegen ihrer Genitalverstümmelung unerträglich seien.

Im Buch gesteht sie: «Seit vielen Jahren versucht der Teufel, Besitz von mir zu ergreifen. Das ist das Verfluchte am Alkohol. Er stellt dich jeden Tag auf die Probe. Dein ganzes Leben lang.» Dirie kommt in Entzugskliniken, ohne Erfolg. Sie verschwindet immer wieder. Einmal war sie in München eine Woche verschollen, in Los Angeles soll sie sogar zwei Tage im Koma gelegen haben. Auch einen Flug zum Sohn in die USA verpasst sie, nachdem sie in London verlorengegangen ist.

Keiner glaubt ihre Geschichte

Seit Dienstag macht ein YouTube-Video im Internet die Runde. Dirie meldet sich aus einem Wiener Spital und beschuldigt die Brüsseler Polizei aufs Schärfste: Sie hätten ihr nicht geholfen, sie hätten sie «wie eine Prostituierte behandelt» - wegen ihrer Hautfarbe. Doch statt Mitleid zu erregen, erntet die UNO-Sonderbotschafterin seither vor allem Hohn und Spott.

Die belgische Polizei lehnt weiterhin eine Reaktion auf die neuesten Beschuldigungen der Frauenrechtlerin ab. «Wir haben bisher keine Kenntnis von den Erklärungen und werden deshalb vorläufig auch nicht darauf reagieren», sagte Polizeisprecher Christian De Coninck am Dienstag.

Karin Leuthold, 20minuten.ch

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