Die erste Zeugin sagt im Prozess von R. Kelly aus
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Prozess von R. Kelly gestartet«Das ist der Fall eines Raubtiers»

Zum Auftakt des Prozesses warf ihm die Staatsanwältin Lügen, Manipulation, Bedrohungen und körperlichen Missbrauch vor. Auch eine Zeugin sagte bereits aus.

von
Katrin Ofner
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Am Mittwoch begann der Prozess von R. Kelly. 

Am Mittwoch begann der Prozess von R. Kelly.

imago images/ZUMA Wire
Die Verhandlung fand in Brooklyn, New York statt.

Die Verhandlung fand in Brooklyn, New York statt.

AFP
Dem 54-jährigen Sänger wird seit Jahren schwerer sexueller Missbrauch vorgeworfen. Zudem wurde er wegen Verbrechen wie Entführung und Erpressung angeklagt. 

Dem 54-jährigen Sänger wird seit Jahren schwerer sexueller Missbrauch vorgeworfen. Zudem wurde er wegen Verbrechen wie Entführung und Erpressung angeklagt.

AFP/ho

Darum gehts

  • Der Prozess gegen Superstar R. Kelly hat am Mittwoch mit den Auftaktplädoyer begonnen.

  • Dem 54-Jährigen werden unter anderem die sexuelle Ausbeutung Minderjähriger, Kidnapping und Bestechung vorgeworfen.

  • Jerhonda Pace sagte am Mittwoch nun als erste Zeugin aus.

Mehr als zwei Jahrzehnte nachdem erstmals Missbrauchsvorwürfe gegen den einstigen Pop-Superstar R. Kelly (54) öffentlich wurden, hat am Mittwoch ein neuer und umfangreicher Prozess gegen ihn begonnen. Kelly werden vor dem Gericht im New Yorker Stadtteil Brooklyn unter anderem die sexuelle Ausbeutung Minderjähriger, Kidnapping und Bestechung vorgeworfen. Bei einer Verurteilung in allen Punkten droht dem Sänger eine Haftstrafe von zehn Jahren bis lebenslang, hatte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft am Dienstagabend erklärt.

Staatsanwältin Maria Cruz Melendez bezeichnete Kelly in ihrem Auftaktplädoyer laut einer Prozessbeobachterin der BBC als «predator», ein Begriff, der in den USA oft für Sexualstraftäter verwendet wird. «In diesem Fall geht es nicht um einen Star, der gerne viel feierte», so die Staatsanwältin. «Das ist der Fall eines Raubtiers.»

Melendez habe weiter erklärt, Kelly sei «ein Mann, der Lügen, Manipulation, Bedrohungen und körperlichen Missbrauch eingesetzt hat, um seine Opfer zu dominieren und sich jahrelang der Verantwortung dafür zu entziehen.» Von ihnen habe er absoluten Gehorsam verlangt, bis hin zur Erlaubnis für Toilettengänge, hiess es weiter. Kelly habe in einem grauen Anzug und violetter Krawatte ruhig die Anklage verfolgt. Fernsehkameras waren im Gerichtssaal nicht zugelassen.

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R. Kelly weist alle Vorwürfe weiterhin zurück

Kelly soll laut Anklage jahrzehntelang erwachsene Frauen, genauso wie Minderjährige und mindestens in einem Fall auch einen Jungen für Geschlechtsverkehr rekrutiert haben, fasste die britische BBC die Vorwürfe zusammen. Laut US-Medien beziehen sich die Vorwürfe konkret auf den Missbrauch von fünf Frauen, drei davon minderjährig. Ausserdem soll er versucht haben, 1994 einen Beamten in Illinois zu bestechen, damit dieser falsche Papiere für die Sängerin Aaliyah ausstellt. Sie sollten angeben, dass die damals 15-Jährige bereits 18 Jahre alt ist, damit der zu diesem Zeitpunkt 27 Jahre alte Sänger sie heiraten konnte. Die Ehe der beiden wurde bald darauf annulliert. Aaliyah starb 2001 bei einem Flugzeugabsturz.

Der seit seiner Festnahme im Sommer 2019 im Gefängnis sitzende Musiker hat alle Vorwürfe immer wieder zurückgewiesen und seinen Kritikerinnen und Kritikern eine Rufmord-Kampagne vorgeworfen. Verteidigerin Nicole Blank-Becker sagte am Mittwoch laut Medien, dass Kelly und die Anklägerinnen zunächst «wie eine Familie» zusammengewachsen seien. «Er musste sie nicht rekrutieren, sie waren Fans.» Als die Beziehungen sich verschlechterten, seien die Frauen dann wütend geworden und hätten auf Rache gesinnt, habe Blank-Becker erklärt.

Erste Zeugin sagte aus

Als erste Zeugin der Anklage sagte Jerhonda Pace beim Auftakt aus. Vor den Geschworenen sagte sie, sie sei 16 Jahre alt und ein Mitglied von Kellys Fanclub gewesen, als er sie 2010 in seine Villa eingeladen habe. Der Sänger habe dann sofort zu ihr gesagt, dass sie sich ausziehen solle. «Er hat mich gebeten, weiterhin allen zu erzählen, dass ich 19 bin und mich so zu verhalten, als wäre ich 21», so Pace gemäss der «Daily Mail». Als sie ihm seine Jungfräulichkeit offenbarte, habe er «das ist gut» gesagt.

Hat Pace gegen seine Regeln verstossen, sei es zudem zu Gewaltausbrüchen gekommen. «Er schlug mich und würgte mich, bis ich ohnmächtig wurde», berichtet die Zeugin weiter.

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Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Geschworenenjury entscheidet

Das Verfahren soll mehrere Wochen dauern, bis zu 3500 Beweisstücke könnten eingebracht werden. Sieben Männer und fünf Frauen, deren Namen anonym bleiben, entscheiden als Geschworenenjury über Kellys Fall. Unabhängig vom Ausgang des New Yorker Verfahrens muss sich der Sänger auch in weiteren Verfahren in Illinois und Minnesota zu ähnlichen Anklagepunkten verantworten. In Chicago untersuchen ebenfalls Bundesermittler seinen Fall.

Erste Anschuldigungen gegen den 1967 in Chicago geborenen Robert Sylvester Kelly waren bereits vor rund 25 Jahren bekannt geworden. 2008 stand er, wegen des Besitzes von Bildern, wegen schwerem sexuellen Kindesmissbrauchs vor Gericht und wurde freigesprochen.

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(dpa)

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