Kritik an Flugverbot: «Das ist der grösste Skandal der Luftfahrt»
Aktualisiert

Kritik an Flugverbot«Das ist der grösste Skandal der Luftfahrt»

Die Airline-Branche übt heftige Kritik am Flugverbot. Niki Lauda wettert, der Lufthansa-Chef ist erzürnt - die Swiss aber bleibt stumm.

von
meg

Während der isländische Eyjafjalla-Vulkan weiter Asche in die Atmosphäre spuckt, rauchen in der Luftfahrt-Branche die Köpfe. Der österreichische Airline-Chef Niki Lauda sagte dem Sender N24: «Das ist der grösste Skandal der Luftfahrt, was hier gerade den Passagieren und den Airlines angetan wird.» Auch Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber übt scharfe Kritik. Die Sorge um die Sicherheit sei unbegründet, sagte er im deutschen Fernsehen. Die Durchmischung der Aschewolke sei mittlerweile so gross, «dass hier keine Gefahr besteht», so Mayrhuber, der sich bei seiner Aussage auf die Testflüge diverser Airlines beruft.

«Wir sprechen von Aschewolken - in den letzten drei Tagen konnte man von Flensburg bis Berchtesgaden keine einzige Wolke sehen», sagte Mayrhuber, der einen Flugbetrieb derzeit für möglich hält.

Swiss beteiligt sich nicht an Diskussionen

Während Mayrhuber den Entscheid der deutschen Behörden kritisiert, will man bei der Tochtergesellschaft Swiss nicht in den internationalen Kanon einstimmen. «Wir beteiligen uns nicht an den Diskussionen», sagte Swiss-Sprecherin Sonja Ptassek zu 20 Minuten Online. Die Sicherheit gehe vor. Gleiches ist vom Bundesamt für Zivilluftfahrt (BAZL) zu hören. Man könne nicht sagen, ab welcher Konzentration die Sicherheit gefährdet ist, sagte ein Sprecher im Schweizer Fernsehen.

Für Mayrhuber ist klar, dass wieder geflogen werden könnte - wenn auch mit einigen Einschränkungen: «Niemand wird durch eine Vulkanwolke fliegen, aber das, was wir in den letzten drei Tagen gesehen haben, war alles andere als ein Gefährdungspotenzial», sagte ein erzürnter Lufthansa-Chef.

EU in der Kritik

Auch die internationale Luftfahrtindustrie hat am Montag die Regierungen in Europa wegen der Verhängung von Flugverboten scharf kritisiert. Auf einem Treffen in Paris erklärte der Luftfahrtbranchenverband IATA, man sei sehr unzufrieden damit, «wie die Regierungen damit umgegangen sind, ohne Risikoabschätzung, ohne Konsultationen, ohne Koordination und ohne Führung». Die Schliessung von wichtigen Lufträumen wegen der Wolke aus Vulkanasche aus Island kostete die Fluglinien rund 200 Millionen Dollar täglich und betreffe Millionen von Reisenden.

«Das ist peinlich und ein europäisches Durcheinander», sagte IATA-Chef Giovanni Bisignani der Nachrichtenagentur AP. «Es hat fünf Tage gedauert, bis eine Konferenz der Verkehrsminister organisiert wurde und wir verlieren 200 Millionen Dollar am Tag, und 750 000 Passagiere sind insgesamt gestrandet. Ergibt das einen Sinn?»

Lösungen am Nachmittag?

Wegen der unterschiedlichen Regelungen auf nationaler Ebene zur Sperrung oder Öffnung des jeweiligen Luftraums forderte auch Spanien, das derzeit die EU-Ratspräsidentschaft innehat, eine einheitliche EU-Linie. Die Verkehrsminister der EU-Staaten wollten dazu am Montagnachmittag in einer Videokonferenz über Wege aus dem seit Tagen anhaltenden Chaos im Luftverkehr beraten.

Der für Verkehrsfragen zuständige EU-Kommissar Siim Kallas wies darauf hin, dass es für derartige Krisen bislang keine EU-Richtlinien gebe und forderte ebenfalls ein rasches Handeln. Ein Sprecher der Europäischen Luftfahrt-Sicherheitsbehörde, Daniel Hoeltgen, erklärte: «Es gibt derzeit keine einheitliche Meinung, was eine akzeptable Konzentration von Asche in der Atmosphäre ist.»

Die IATA forderte eingehende Studien zu den Folgen der Aschewolke. Es müsse darum gehen, wie und wann der Luftraum wieder geöffnet werden könne. Grundlage der Entscheidung dürfe nicht nur ein theoretisches Modell sein, wie das derzeit in Europa der Fall sei, sondern es müssten Fakten herangezogen werden, sagte Bisignani.

(meg/sda/dapd)

Feinstaub gefährlicher als Asche

Für den Menschen ist der Asche-Staub laut ETH-Professor Thomas Peter nicht gefährlich. Ihre Konzentration sei verhältnismässig gering und die Atemluft wird auf dem Weg in die Lungebläschen gefiltert. «Der tägliche Feinstaub durch den Verkehr ist viel gefährlicher», sagt Peter.

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