Obama ernennt Biden als Vize: «Das ist der Kämpfer, den ich an meiner Seite haben will»
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Obama ernennt Biden als Vize«Das ist der Kämpfer, den ich an meiner Seite haben will»

Der demokratische US-Präsidentschaftsbewerber Barack Obama hat vor tausenden Anhängern seinen Kandidaten für die Vizepräsidentschaft vorgestellt. Senator Joe Biden habe herausragende Führungsqualitäten und langjährige Erfahrung in der Aussenpolitik, sagte Obama in Springfield.

«Das ist der Kämpfer, den ich an meiner Seite haben will.» Biden sei bereit, im Notfall einzuspringen und Präsident der Vereinigten Staaten zu sein, sagte Obama.

Biden kritisierte die Regierung von US-Präsident George W. Bush und den republikanischen Kandidaten John McCain in scharfen Worten. Obama pries Biden als erfahrenen Staatsmann. «Jahrzehntelang hat er Veränderung nach Washington gebracht, aber Washington hat ihn nicht nicht verändert», sagte Obama und spielte dabei auf seinen Wahlkampfslogan «Change» (Wechsel, Veränderung) an. Der 65-jährige Biden sitzt seit 35 Jahren im Senat und hat grosse aussenpolitische Erfahrung.

Nach einer etwa 15-minütigen Rede holte Obama Biden auf die Bühne. In seiner ersten Rede als Vizepräsidentschaftskandidat unterstrich Biden die Kernaussage von Obamas Kampagne, für Wandel in der US-Politik sorgen zu wollen. Der Senator aus Delaware kritisierte die Politik Bushs als verfehlt. Nie sei es in seiner langen Karriere in Washington so schlecht um die Politik in der Hauptstadt bestellt gewesen. «Aber es gibt gute Neuigkeiten: Wir müssen keine vier Jahre Bush und McCain mehr ertragen.» Mit der Wahl Obamas könne der amerikanische Traum zurückgewonnen werden.

«Barack Amerika»

Biden sagte, er kenne und schätze den republikanischen Kandidaten John McCain seit 30 Jahren, aber dieser habe Bushs Politik bislang «zu 95 Prozent» unterstützt. McCain stehe daher für die gleiche verfehlte Politik und könne die Vereinigten Staaten nicht vorwärts bringen. Obama habe die Vision und die Kraft, das Land zu verändern, sagte Biden. Ein Mal nannte er seinen Senatskollegen Obama auch einfach nur «Barack Amerika».

Obama hat für den ersten gemeinsamen Auftritt mit Biden seit dessen Nominierung einen symbolisch bedeutenden Ort gewählt: Sie traten in seinem Heimatstaat Illinois vor dem Kapitol in Springfield auf, wo Obama vor 20 Monaten an einem bitterkalten Wintertag seine Bewerbung um die Präsidentschaftskandidatur bekanntgegeben hatte. Am Samstag hatte Obama die Ärmel seines Hemds hochgekrempelt, das Thermometer zeigte 32 Grad. Das Wahlkampfteam Obamas hatte bereits tausende neuer Schilder drucken lassen, auf denen auch der Namen Bidens stand.

(dapd)

US-Vizepräsident: Nur so mächtig wie der Chef es will

Eigentlich hat der Vize-Präsident der USA kaum Macht. Gemäss Verfassung ist er der Vorsitzende des Senats. Dort darf er aber nur bei einem Patt abstimmen. Seine grosse Stunde schlägt, wenn der Präsident ausfällt, an dessen Stelle er dann mit der gesamten Machtfülle nachrückt. So geschehen 1945, als Harry S. Truman für den verstorbenen Franklin D. Roosevelt einsprang und 1963, als Lyndon B. Johnson die Geschäfte des ermordeten John F. Kennedy übernahm. Schliesslich ersetzte Gerald Ford 1974 den wegen der Watergate-Affäre zurückgetretenen Richard Nixon.

Vom Präsidenten hängt in der Regel ab, wie viel politischen Spielraum er seinem Stellvertreter lässt. So galt der Einfluss von Richard «Dick» Cheney an der Seite seines Präsidenten George W. Bush lange Zeit als beträchtlich. Er brachte langjährige Erfahrungen als Stabschef im Weissen Haus und Verteidigungsminister mit und galt bald als eine Art Premierminister.

George H.W. Bush, der Vater des jetzigen Präsidenten, war 1988 der erste Vizepräsident seit mehr als 150 Jahren, der sich mit Erfolg einer Präsidentenwahl stellte.

Bill Clintons Vize Al Gore galt als besonders einflussreich: Er managte die Beziehungen zu Russland und die Zusammenarbeit von Weissem Haus und Kongress. Und doch scheiterte er vor acht Jahren bei seiner eigenen Kandidatur.

(SDA)

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