Aktualisiert 12.03.2009 10:02

Trainersuche

Das ist der Kronfavorit für den SCB

Also doch: Der SC Bern will jetzt einen grossen Namen als Trainer. Kronfavorit für den Job beim grössten Eishockeyklub Europas ist ein Stanley-Cup-Sieger. Gelingt die Verpflichtung, wäre dies ein Lotto-Sechser für die Mutzen.

von
Klaus Zaugg

Nach der erwarteten Entlassung von John van Boxmeer ist die Trainersuche beim SCB in vollem Gange. Favorit ist der 48-jährige Bob Hartley.

Das ist brisant: Hartleys Europa-Agent bestätigte gestern auf Anfrage gegenüber 20 Minuten Online, dass die ersten Gespräche mit dem SC Bern schon vor drei Wochen geführt worden sind. Dass man aber ausgemacht habe, das Dossier bis zum Ende der Playoffs ruhen zu lassen. Dieses Ende - und damit die Wiederaufnahme der Verhandlungen - ist nun früher als erwartet gekommen.

Erfolg auf allen Ebenen

Hartley wäre für den SCB ein Lotto-Sechser. Der Kanadier hat schon auf allen Ebenen Erfolg gehabt. Er gewann die AHL-Meisterschaft (Calder Cup) mit den Hersey Bears (1997), den Stanley Cup mit Colorado (2001) und führte Atlanta erstmals in der Geschichte in die Playoffs (2007). Im Herbst 2007 wurde er in Atlanta gefeuert, weil er die ersten sieben Saisonspiele verloren hatte. Er hat 651 NHL-Partien gecoacht und davon 330 gewonnen.

Hartley ist beides: Ein harter Hund und ein guter Psychologe und Ausbildner. Er ist im Laufe seiner Karriere mit schwierigen Spielern und launischen Divas wie Dan Heatley und Ilya Kovalchuk und mit Superstars wie Patrick Roy und Peter Forsberg klargekommen. Seit seiner Entlassung in Atlante hat er sich unter anderem intensiv mit der Ausbildung von jungen Spielern beschäftigt und Hockey-Ausbildungscamps geleitet.

Auch Dubé würde fräsen und kurven

Wenn ihm Marc Lüthi oder Sven Leuenberger vorschreiben möchten, er solle doch etwas sanfter mit den armen SCB-Buben umgehen - wie die beiden das bei John van Boxmeer getan haben - dann würden sie hochkant und «gringsvoran» aus dem Trainerbüro fliegen.

Christian Dubé würde unter diesem Coach fräsen und kurven und tanzen wie ein Hergöttli. Die ausländischen Profi würden in der Kabine den Kopf recken wie ein Hund im Roggenfeld und andächtig zuhören, wenn Hartley spricht und dann mit einem Feuereifer ihren Job tun, als sei der Leibhaftige hinter ihnen her. Und keinem käme es nur im Traum in den Sinn, bei Hartley vorzusprechen und Änderungen in der Mannschaftsaufstellung zu verlangen - so wie das beim SCB in den letzten Jahren Brauch geworden ist.

Bern oder Montreal?

Kommt Hartley? Das Problem ist, dass die Montreal Canadiens soeben Cheftrainer Guy Carbonneau gefeuert haben. Es wird sich nun zeigen, ob die Canadiens Hartley wollen. Sollte das der Fall sein, wird der SCB (fast) chancenlos sein.

Wenn Hartley allerdings keinen Job in der NHL kriegt, dann dürfte er mit ziemlicher Sicherheit in Bern landen. Und dann wären Sportchef Sven Leuenberger und SCB-General Marc Lüthi mit einem Schlag rehabilitiert, das schmähliche Scheitern in den Playoffs 2009 wäre vergessen und die Hoffnung auf einen Meistertitel würde wieder blühen und gedeihen wie die Schneeglöcklein.

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