Unser Mann aus Brüssel: Das ist der neue EU-Botschafter in Bern
Aktualisiert

Unser Mann aus BrüsselDas ist der neue EU-Botschafter in Bern

Richard Jones heisst der neue EU-Botschafter in der Schweiz. Der britische Historiker wird Nachfolger von Michael Reiterer und freut sich schon auf ein «geschichtsträchtiges» Land.

von
K. Naegeli
sda
Der neue EU-Botschafter in der Schweiz: Richard Jones.

Der neue EU-Botschafter in der Schweiz: Richard Jones.

Zwar hat ihm sein Vorgänger Michael Reiterer die Herausforderungen beschrieben und erklärt, wie er seinen Job die letzten Jahre wahrgenommen hat. «Ich werde mich nun aber in Ruhe in die Dossiers einarbeiten, um mir meine eigene Meinung zu bilden, und dann entscheiden, wie ich es angehen will», erklärt Jones im Gespräch mit der Nachrichtenagentur SDA in Brüssel.

Denn bis kurz vor Weihnachten amtete er noch als stellvertretender Botschafter auf der ständigen Vertretung Grossbritanniens bei der EU in der belgischen Hauptstadt. Dort war der 49-Jährige unter anderem für das Funktionieren der Vertretung, die politische Abteilung und das 140-köpfige Team verantwortlich.

Bilaterale I

Nun freut er sich auf den Wechsel nach Bern - zu einem überschaubaren Team und in eine kleinere Stadt. Einen ersten Eindruck von der Bundeshauptstadt verschaffte er sich im Sommer, kurz nachdem er von der EU-Aussenbeauftragten Catherine Ashton die Zusage für den Posten erhalten hatte.

Die Ferienpläne in Schweden und Italien liessen sich gut mit einem Abstecher in die Schweiz verbinden: «Ich sagte mir, die Schweiz liegt auf dem Weg». Und so zeigte ihm Reiterer die Stadt und führte ihn auch durch die neuen Büros der EU-Vertretung in Bern. «Eine kurze, aber sehr hilfreiche Einführung», sagt Jones im Rückblick.

Kennt Dossiers bereits gut

Politisch hatte Jones mit der Schweiz in den 90er Jahren zu tun, auch damals in Brüssel. Er gehörte der Expertengruppe an, die sich regelmässig mit den Staaten der Europäischen Freihandelsassoziation (EFTA) auseinandersetzt.

Die Schweiz stand 1998, als Grossbritannien auch die rotierende EU-Ratspräsidentschaft inne hatte, mit den Bilateralen I auf der Agenda. So erhielt Jones einen tieferen Einblick in die Dossiers zur Personenfreizügigkeit und zum Landverkehr.

Der Historiker

Während sich also sein Wissen über die Schweiz bisher vor allem auf die Erfahrungen und Gespräche zu den bilateralen Themen in Brüssel beschränkte, «wird es interessant sein, dieses Wissen nun in der Schweiz selbst auszubauen» und die Beziehungen zwischen der Schweiz und der EU weiter zu bringen. Der studierte Historiker freut sich auf das Land mit «seiner enormen Geschichte».

Er interessiere sich aber auch für die EU als ganzes Gebilde. Dabei habe er bereits viel Zeit in verschiedenen Stellen im nahen EU- Ausland verbracht. Konkret mit der EU-Erweiterung wurde Jones unter anderem als britischer Botschafter in Albanien konfrontiert.

«Es wird spannend sein, in der Schweiz einen anderen Teil des nahen EU-Auslands zu sehen.» So seien die gegenseitigen Interessen der Schweiz und der EU doch etwas anders, als jene von Ländern mit EU-Beitrittsambitionen.

Sprachen und Höhenangst

Persönlich freue er sich darauf, «meine Führungsfähigkeiten auszubauen und ein Team in einem multinationalen Umfeld zu führen». Zudem wolle er - der als Kind Entdecker werden wollte - die Schweiz entdecken, kulturell, gastronomisch und sprachlich. Der Brite mit walisischen Wurzeln gibt zu, dass sein Deutsch und Französisch noch verbesserungswürdig seien.

Sein österreichischer Vorgänger war bekannt dafür, dass es ihn oft in die Berge zog. Auch Jones kann sich vorstellen, ab und zu in die Berge zu gehen, muss dafür aber seine Höhenangst überwinden.

Dass das gelingen kann, bewies er in Albanien, als er gerne die Aussicht vom Dajti, dem Hausberg der Hauptstadt Tirana, und den Abstieg hinunter ins Tal genoss. Während der Dajti 1612 Meter hoch ist, kann der Berner Hausberg Gurten nur mit 864 Metern aufwarten und sollte damit für Jones kein Problem darstellen.

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