BLS-Werkstätte : «Das ist die beste aller schlechten Lösungen»

Aktualisiert

BLS-Werkstätte «Das ist die beste aller schlechten Lösungen»

Die BLS sucht seit geraumer Zeit einen Standort für ihre Werkstätte. Nun will sich das Zugunternehmen im Chliforst bei Bern niederlassen. Die Stadt ist skeptisch.

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Im Chliforst in Berns Norden will sich die BLS mit einer neuen Werkstätte niederlassen. Kritiker laufen schon am Tag eins Sturm. Die BLS entgegnet: «Auch wenn wir es lieber anders hätten: Für die neue Werkstatt gibt es keine Lösung, die Mensch und Umwelt unberührt lässt.»

Im Chliforst in Berns Norden will sich die BLS mit einer neuen Werkstätte niederlassen. Kritiker laufen schon am Tag eins Sturm. Die BLS entgegnet: «Auch wenn wir es lieber anders hätten: Für die neue Werkstatt gibt es keine Lösung, die Mensch und Umwelt unberührt lässt.»

Keystone/Peter Schneider
Im Chliforst entspricht der Flächenbedarf der Grösse von 21 Fussballfeldern. Zum Grossteil handelt es sich um Kulturland. Ausserdem müssten vier Hektaren Wald gerodet werden. Vier Private besitzen Land im betreffenden Gebiet, ausserdem zwei Firmen (darunter die BLS) sowie die Burgergemeinde und die Stadt Bern. Diese müssen für den Bau enteignet werden.

Im Chliforst entspricht der Flächenbedarf der Grösse von 21 Fussballfeldern. Zum Grossteil handelt es sich um Kulturland. Ausserdem müssten vier Hektaren Wald gerodet werden. Vier Private besitzen Land im betreffenden Gebiet, ausserdem zwei Firmen (darunter die BLS) sowie die Burgergemeinde und die Stadt Bern. Diese müssen für den Bau enteignet werden.

Dass die BLS eine neue Werkstätte braucht, weil der Berner Standort Aebimatt etwa 2020 wegfällt, steht Bernard Guillelmon als Vorsitzender der BLS-Geschäftsleitung ausser Frage.

Dass die BLS eine neue Werkstätte braucht, weil der Berner Standort Aebimatt etwa 2020 wegfällt, steht Bernard Guillelmon als Vorsitzender der BLS-Geschäftsleitung ausser Frage.

Keystone/Manuel Lopez

Die BLS will ihre neue Berner Werkstätte nun doch nicht im Riedbach, sondern weiter westlich im Chliforst bauen. Der Kanton begrüsst den Entscheid, die Stadt Bern knüpft ihre Zustimmung an Bedingungen – und die Umweltverbände laufen Sturm.

Im Chliforst stosse die BLS einfach auf weniger Widerstand als anderswo, argwöhnen WWF, VCS, Pro Natura und die Stiftung Landschaftsschutz Schweiz. Ihrer Meinung nach hätte es eine bessere Lösung gegeben: Der Standort Niederbottigen gleich neben dem Coop-Verteilzentrum wäre umwelt- und raumplanerisch besser geeignet.

«Die beste aller schlechten Lösungen»

Die BLS-Spitze wies die Kritik am Montag vor den Medien zurück. Kulturland gehe in jedem Fall verloren, sagte Verwaltungsratspräsident Rudolf Stämpfli. Der Standort Chliforst sei «die beste aller schlechten Lösungen».

So sah es auch die Begleitgruppe, die im Auftrag der BLS insgesamt 42 Standorte geprüft hatte. Sie schlug der Bahn kürzlich vor, ihre Züge künftig an drei Standorten – Spiez, Bönigen, Bern-West – zu warten und im Fall von Bern auf den Standort Chliforst zu setzen.Der BLS-Verwaltungsrat folgt nun dieser Empfehlung.

Ursprünglich wollte er den Standort Bönigen aufgeben und eine Werkstätte beim Bahnhof Riedbach in Bern-West bauen. Dagegen gab es aber breiten Widerstand.

Vier private Landbesitzer müssen enteignet werden

Im Chliforst Nord entspricht der Flächenbedarf der Grösse von 21 Fussballfeldern. Zum Grossteil handelt es sich um Kulturland. Ausserdem müssten vier Hektaren Wald gerodet werden. Die grösste Hürde wird sein, eine Rodungsbewilligung zu erhalten.

Ausserdem muss sich die BLS mit Grundeigentümern und Anwohnern verständigen. Vier Private besitzen Land im betreffenden Gebiet, ausserdem zwei Firmen (darunter die BLS) sowie die Burgergemeinde und die Stadt Bern. Die BLS will sie alle möglichst eng in den Planungsprozess einbinden und gründet dafür eine «Dialoggruppe».

Für die direkt Betroffenen sei es nicht einfach, den Entscheid zu akzeptieren, sagte die bernische Verkehrsdirektorin Barbara Egger. «Doch nun ist es Zeit, konstruktiv mitzuarbeiten.» Die Werkstätte sei unerlässlich für eine funktionierende S-Bahn, und diese sei für die Region Bern von grösster volkswirtschaftlicher Bedeutung.

Egger wies darauf hin, dass die Anlage im Chliforst günstiger komme, weil das flache Terrain die Baukosten reduziere. Ausserdem werde die Stadtentwicklung im Westen nicht tangiert. Das sieht auch Berns Stadtpräsident Alexander Tschäppät. Begeistert ist er trotzdem nicht.

Berner Bedingungen

Die Stadt Bern knüpfe ihr Ja zu weiteren Abklärungen an mehrere Bedingungen, betonte Tschäppät. So seien alle Empfehlungen der Begleitgruppe umzusetzen. Dazu gehören die Erschliessung über den Autobahn-Anschluss Mühleberg, eine einvernehmliche Lösung mit den betroffenen Eigentümern und die Wiederaufforstung.

Sollte die Schiessanlage im nahen Riedbach tatsächlich in den Boden verbannt werden, sei das für die Anwohner eine gute Sache, die Stadt wolle es aber nicht zahlen.

«Wir wissen noch gar nicht, ob die Verlegung in den Boden technisch machbar ist», sagte dazu BLS-Verwaltungsratspräsident Stämpfli. Finanziell sei am ganzen Projekt sowieso noch vieles offen, erklärte Bernard Guillelmon als Vorsitzender der BLS-Geschäftsleitung.

Drei Standorte

Dass die BLS eine neue Werkstätte braucht, weil der Berner Standort Aebimatt etwa 2020 wegfällt, steht für Guillelmon ausser Frage. «Und auch wenn wir es lieber anders hätten: Für die neue Werkstatt gibt es keine Lösung, die Mensch und Umwelt unberührt lässt.»

In Spiez und in Bern-Chliforst soll ab 2025 der leichte Fahrzeugunterhalt vorgenommen werden. Die Werkstätte Bönigen wird entgegen den früheren Plänen nicht geschlossen, sondern soll als Standort für die schwere Instandhaltung sogar ausgebaut werden. Das löst Freude im östlichen Oberland aus; die dortige Regionalkonferenz reagierte mit Genugtuung auf den BLS-Entscheid.

(SDA)

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