«Rosetta»: Das ist die glorreichste Stunde der Nerds

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«Rosetta»Das ist die glorreichste Stunde der Nerds

Der Moment kam mit 28 Minuten Verspätung, aber er kam: eine halbe Milliarde Kilometer von «Philae» entfernt, im Hörsaal der Uni Bern, brandete Applaus auf.

von
ros

Im historischen Moment der Landung im Hörsaal der Uni Bern hautnah dabei - und doch eine halbe Milliarde Kilometer entfernt: Den versammelten Forschern ging die Landung dennoch sehr nahe (Video: Roland Schäfli/Brigitte Büchel)

So ein Happening hätte Albert Einstein zu seinen Zeiten an der Universität Bern sicher auch gern mal erlebt: ein feierlicher Apéro zur gelungenen Weltraum-Mission, und Wissenschaftler, die ansonsten in der Fakultät der «Exakten Wissenschaften» mit ihren Gefühlen haushalten wie mit natürlichen Ressourcen, die sich gegenseitig auf den Rücken klopfen.

Sogar Babys entzückt

Am Schicksalstag der Weltraum-Mission drängten sich so viele Zuschauer in die Hörsääle wie mancher Professor sich das auch an normalen Tagen wünschen würde. Selbst Babys erlebten den historischen Moment live mit, und als ein Babyschrei die Ausführungen der ESA-Mitarbeiterin Carla Signorini unterbrach, da freute sie sich über die Stimme der nächsten Generation – diese soll ja vor allem von den Erkenntnissen profitieren.

Urs Frei vom Swiss Space Office SSO hielt seine Freudentränen nicht zurück: «Heute ist ein besonderer Tag.» Und von Annette Jäckel, die das Projekt für die Uni Bern über ein Jahrzehnt mitbetreute und auch einen Misserfolg eingeplant hatte, fiel sichtbar die Anspannung ab. Denn in der Landeeinheit steckt auch Schweizer Technologie. So wurde an der Uni Bern unter anderem das Messgerät mitentwickelt, das nun die Temperatur des Kometen untersuchen wird.

Nachdem Bruce Willis in Hollywood bereits gezeigt hat, dass die Landung auf einem Kometen möglich ist, lieferte nun «Rosetta» den faktischen Beweis nach. Als die Sonde «Philae» schon fast mit Schweizer Pünktlichkeit aufsetzte, da waren Mitarbeiter und Studierende der Uni Bern gleichermassen stolz auf ihren Beitrag am Ruhm im Weltraum. Denn der Moment der Landung war auch der Moment, in dem die Technologie-Nerds und Theoretiker der Welt zeigten, was in der Praxis möglich ist.

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