Werbeanrufe nach Sponsoring - «Das ist die neue Masche der Krankenkassen»
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Werbeanrufe nach Sponsoring«Das ist die neue Masche der Krankenkassen»

Nach dem Rennen folgt der Werbeanruf: Die Swica ist auf der Suche nach neuer Kundschaft ins Sponsoring des Glacier 3000 Run eingestiegen. Nun sammelt sie die Daten der Teilnehmenden.

von
Fabian Pöschl
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Die Swica will als Sponsor des Laufs Glacier 3000 Run die Kontaktdaten der Teilnehmenden.

Die Swica will als Sponsor des Laufs Glacier 3000 Run die Kontaktdaten der Teilnehmenden.

Getty Images/iStockphoto
Wenn die Teilnehmenden das nicht möchten, müssen sie selbst aktiv werden.

Wenn die Teilnehmenden das nicht möchten, müssen sie selbst aktiv werden.

News-Scout
Ein Teilnehmer des Laufs und 20-Minuten-Leser ist deshalb sauer.

Ein Teilnehmer des Laufs und 20-Minuten-Leser ist deshalb sauer.

AFP

Darum gehts

  • Leser S. ist sauer.

  • Er ist Teilnehmer des Glacier Run 3000.

  • Die Swica ist Sponsor des Laufs und will nun seine Kontaktdaten.

  • Für den Konsumentenschutz ist das Kundenbelästigung.

Freizeitsportler und Leser S.* ist wütend auf die Organisatoren des Glacier 3000 Run. Denn diese geben die Kontaktdaten aller Teilnehmenden an den neuen Sponsor Swica weiter. Die Krankenkasse will sie im Nachgang alle anrufen und bei Fragen «zum persönlichen Wohlergehen beratend zur Seite» stehen, wie in einem Infoschreiben steht, das 20 Minuten vorliegt (siehe Bildstrecke).

Wer mit den Swica-Vertretern nicht über seine Gesundheit sprechen möchte, soll sich per E-Mail bei den Veranstaltern des Laufevents melden. Bei der Krankenkasse heisst es auf Anfrage, dass dieses Vorgehen bei Wettbewerben üblich sei, um Adressen zu erhalten, um neue Kundinnen und Kunden zu gewinnen.

Swica sammle keine datenschutzrechtlich heiklen Informationen. Ausserdem hebe sie bei der Online-Anmeldung zum Rennen explizit hervor, welche Kontaktangaben gesammelt werden, obwohl sie das nicht müsse.

Ohne Sponsoren keine Rennen

Die Swica-Sprecherin versichert weiter, dass die Teilnehmenden des Rennens maximal einmal kontaktiert werden. Die Mitarbeitenden am Telefon werden es zudem «ohne Wenn und Aber» akzeptieren, wenn jemand nicht interessiert sei. Dann werden auch die Daten zur Person gelöscht.

So etwas gab es zuvor noch nicht beim Glacier 3000 Run, wie es auf Anfrage heisst. Ein Sprecher verweist darauf, wie wichtig die finanzielle Unterstützung der Sponsoren sei, gerade in der Corona-Krise und dem spät abgesagten Lauf 2020. Ohne die Datenweitergabe hätten sie weniger Geld bekommen. Wie viel die Krankenkasse für den Deal zahlt, wollten die beiden Parteien nicht sagen.

Keine explizite Einwilligung erforderlich

Beim Büro des Eidgenössischen Datenschutzbeauftragten heisst es auf Anfrage, dass die Veranstalter die Daten ihrer Teilnehmenden nicht ohne Weiteres weitergeben dürfen. In diesem Fall sei sie aber gerechtfertigt, weil die Personen angemessen informiert wurden und der Weitergabe widersprechen können. Da die Daten auch nicht besonders heikel sind, sei nicht mal eine explizite Einwilligung erforderlich.

Der Konsumentenschutz hält trotzdem nichts von dem Vorgehen der Swica. «Das ist die neue Masche der Krankenkassen, immer wieder melden sich Leute deshalb bei uns», sagt Sara Stalder, Geschäftsleiterin der Stiftung für Konsumentenschutz, zu 20 Minuten.

Neue Kunden mit Wettbewerben kontaktieren

Swica ist nicht die einzige Krankenkasse, die mittels Sponsoring oder Wettbewerb Zugang zu neuen Kundinnen und Kunden gewinnen möchte. So führen etwa auch die Assura, Atupri, Concordia, CSS und Groupe Mutuel Wettbewerbe mit Kontaktaufnahme nach Zuwilligung durch, wie es auf Anfrage heisst.

Die Branche habe sich darauf geeinigt, dass sie Neukundinnen und Neukunden nicht mehr mit Werbeanrufen belästige. «Dreist erschleichen sich die Krankenkassen Zugang zu neuen Kunden über Wettbewerbe, Sportevents und Vereinsanlässe», so Stalder. Auf den ersten Blick sei meist nicht ersichtlich, dass man seine Einwilligung für eine Kontaktaufnahme gibt.

Die Krankenkassen hätten jetzt die Chance gehabt zu zeigen, dass sie die verpönte Kundenbelästigung stoppen, sagt Stalder weiter. Zumal sie dafür Dutzende Millionen Krankengelder missbrauchen würden. Für sie ist deshalb klar: «Das muss aufhören. Wenn die Krankenkassen weiterhin solche Schlupflöcher nutzen, braucht es ein gesetzliches Verbot.»

*Name der Redaktion bekannt

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