Foltern mit Britney: Das ist die Playlist der CIA-Folterknechte
Aktualisiert

Foltern mit BritneyDas ist die Playlist der CIA-Folterknechte

Terrorverdächtige mit lauter Musik zu terrorisieren, war eines der Mittel, mit denen die CIA Verdächtige zum Sprechen zwingen wollte. Das sind die Songs.

von
kmo
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Nur einige der Interpreten, mit deren Songs die CIA ihre Häftlinge folterte: «Hit me Baby One More Time» von Britney Spears.

Nur einige der Interpreten, mit deren Songs die CIA ihre Häftlinge folterte: «Hit me Baby One More Time» von Britney Spears.

Keystone/AP/Bernd Kammerer
The Bee Gees

The Bee Gees

Keystone/AP/Dietmar Stiplovsek
Nine Inch Nails mit «March of the Pigs». Trent Reznor (l.) postete eine Message auf seinem Blog, in dem er die Verwendung seiner Musik zu Folterzwecken aufs Schärfste verurteilte.

Nine Inch Nails mit «March of the Pigs». Trent Reznor (l.) postete eine Message auf seinem Blog, in dem er die Verwendung seiner Musik zu Folterzwecken aufs Schärfste verurteilte.

Keystone/Dave Martin

Zusätzlich zu anderen Foltertechniken setzten die CIA-Agenten ihre Häftlinge lauter Musik aus. Das mag jetzt für manchen Leser harmlos klingen, für einige vielleicht gar amüsant. Daher dies zuerst: Der Einsatz von Musik ist eine besonders perfide Foltermethode, die auf die Psyche der Betroffenen zielt.

Auf psychische Folter kann man sich geistig kaum vorbereiten, während der Tortur verliert man die Fähigkeit, einen klaren Gedanken zu fassen und mentale Stärke zu erlangen. Ausserdem führt die dauerhafte Beschallung von lauter Musik oder unangenehmen Geräuschen zu Stress, der physische und psychische Krankheiten zur Folge hat.

In den CIA-Gefängnissen weltweit wurden Häftlinge extrem lauter Musik ausgesetzt – 24 Stunden lang, tage-, wochen-, manchmal gar monatelang. Zur «Abwechslung» wurden auch Horror-Geräusche wie grauenhaftes Geisterlachen abgespielt. Einige der Gefangenen waren dabei in einen stockfinsteren Raum eingesperrt oder mussten in extrem unangenehmen Positionen ausharren.

Man verliert den Verstand

Wie die Folter auf die Gefangenen wirkt, zeigen Zitate ehemaliger Häftlinge der CIA. Ruhal Ahmed zum Beispiel wurde auf vielfältige Weise gefoltert – unter anderem schlitzten die Ermittler seinen Penis mit einer Rasierklinge auf. Doch die Tortur durch laute Musik hält er für das Schlimmste, was er in den 18 Monaten Gefangenschaft in Marokko erlebte: «Man kann sich mental darauf vorbereiten, dass man misshandelt wird. Doch für psychische Folter funktioniert das nicht.»

Diese Erfahrung machte auch Donald Vance, ein Informant des FBI im Irak, der versehentlich festgenommen wurde und in einem CIA-Gefängnis landete. «Folter mit Musik bringt einen unschuldigen Mann um den Verstand. Diese Erfahrung löst dich von dir selbst ab. Man kann die eigenen Gedanken nicht mehr formulieren», sagte er laut «Huffington Post».

Von Metallica bis zur «Sesamstrasse»

Erfunden wurde die Technik vom kommunistischen Regime in China während des Koreakriegs. Laut Experten ist die Wirksamkeit dieser Foltermethode allerdings äusserst fragwürdig, wie die «Huffington Post» schreibt: Statt auswertbare Informationen zu erzählen, machen die Gefolterten eher falsche Geständnisse.

Eine vorgegebene Playlist hatten die CIA-Agenten laut «International Business Time» nicht. Für ihre Tortur verwendeten sie so unterschiedliche Songs wie «Hit Me Baby One More Time» von Britney Spears, «Enter the Sandman» von Metallica bis hin zur «Sesamstrasse»-Titelmusik von Christopher Cerf (siehe Diashow oben).

Manche Musiker waren geehrt, andere empört

Die Musiker selber reagierten unterschiedlich auf die Nachricht, dass ihre Werke zu Folterzwecken missbraucht worden war. Etliche schwiegen. Andere fanden es eine Ehre – so etwa Stevie Benton von Drowning Pool oder James Hetfield von Metallica.

Viele Musiker waren empört, darunter etwa Trent Reznor von den Nine Inch Nails oder David Gray und Christopher Cerf. Tom Morello von Rage Against the Machine sagte an einem Konzert in San Francisco: «Ich schlage vor, dass man Guantanamo dem Erdboden gleichmacht. Doch eine kleine Zelle sollte man stehen lassen, Bush reinstecken und Rage Against the Machine auf voller Lautstärke abspielen.»

«Hit me Baby One More Time» von Britney Spears:

(Quelle: YouTube/BritneySpearsVEVO)

«Fuck Your God» von Deicide:

(Quelle: YouTube/Lord Savage)

«Barney the Purple Dinosaur»-Titelsong von Bob Singleton:

(Quelle: YouTube/Leonardo Kurnia)

«March of the Pigs» von Nine Inch Nails:

(Quelle: YouTube/NineInchNailsVEVO)

«Babylon» von David Gray:

(Quelle: YouTube/David Gray)

«We Will Rock You» von Queen:

(Quelle: YouTube/Queen Official)

«Sesamstrasse»-Titelsong von Christopher Cerf:

(Quelle: YouTube/MusicalMemoryLane)

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