Aktualisiert 07.06.2011 19:08

Star StyleDas ist die wahre Poésie

Clémence Poésy hat geschafft, wovon sie immer träumte: Schauspielerin sein. Inzwischen hat sie gemerkt: Sie kann vieles noch besser.

von
Violet Kiani
Bild: Keystone.

Bild: Keystone.

Clémence Poésy ist 28, aber wenn sie spricht, klingt sie oft wie ein pen­sio­nierter Pfarrer: Sie wählt ihre Worte mit Bedacht, was sie sagt, ist druckreif formuliert, niemals böse und schon gar nicht privat – egal, ob sie ihr charmant klingendes Französisch oder ihr akzentfreies Englisch einsetzt. Ihre Witze erinnern an harmlosen Grossmutterhumor, und wenn sie «Harry Potter»-Kollegin Emma Watson als «süsse junge Frau» bezeichnet, wirkt es, als sei sie mindestens eine Generation älter.

Mit ihrer Clémence-haftigkeit – sachlich, süss, sehr schön – hat es die Französin geschafft, sich bedeutende Rollen zu ergattern, auf den Covers der üblichen hippen Magazine von «Nylon» bis «Jalouse» zu landen und von der Modewelt zum Lieblingskind erklärt zu werden. Sätze wie «Chanel war sehr gut zu mir» kön­nen Neid wecken. Ebenso wie ihre Schwarzweiss-Kampagne für das Parfum Chloé, in der sie so hübsch aussieht, dass Chloë Sevigny, das andere Gesicht des Dufts, daneben erblasst. Oder wie die Fotoshootings – etwa in der aktuellen US-«Marie Claire», die beweisen, dass die Kamera sie am meisten liebt.

Durchbruch mit «Harry Potter»

Die professionelle Clémence Poésy existiert getrennt von der privaten Clémence Poésy, und das hat Clémence natürlich selber so beschlossen. Die wenigen Anekdoten aus ihrem echten Leben wiederholen sich seit Jahren in den Porträts über sie. Es geht um die Mädchen in der Schule, die Clémence nicht mochten, weil sie anders war, sentimental und mit Rastafrisur. Um den Vater, selber ein Schauspieler, der ihr und der jüngeren Schwester Maëlle viele Jahre vorlog, der Fernseher der Familie sei kaputt und damit unbenutzbar. Um die Kleider der Mutter, die mit Sicherheitsnadeln in neue Outfits verwandelt wurden.

Lückenlos dokumentiert sind die Sta­tionen ihrer Karriere: Nach kleineren Fernsehauftritten in Frankreich spielt sie 2004 die schottische Königin Maria Stuart in einer britischen TV-Produktion. «Schon als Kind wollte ich Schauspielerin sein, Kostüme aus rauschenden Stoffen und Korsetts tragen, Abenteuer auf einem Pferd und mit viel Blut erleben. Das alles und noch mehr hat mir die Rolle als Maria Stuart beschert.» Der internationale Durchbruch folgt ein Jahr später als Austauschschülerin Fleur Delacour in «Harry Potter und der Feuerkelch» und dem noch nicht beendeten letzten Teil der Saga. Dann wiederum zeigt sie in «In Bruges» mit Colin Farrell - Clémence ist die Drogendealerin Chloe - eine ganz andere, weniger elfenhafte Seite, nur um dieses Image als Ed Westwicks neue Liebe in «Gossip Girl» wieder zu brechen. Zurzeit ist sie mit «127 Hours» im Kino, einem der am häufigsten ausgezeichneten Filme dieses Jahres.

Würde ist alles

Gute Rollen, gute Kritiken und Fans, wo immer sie hingeht, reichen Clémence aber nicht als Bestätigung, die Berufung ihres Lebens gefunden zu haben. «Ab einem gewissen Alter finden sich für Schauspielerinnen kaum noch interessante Rollen, und es gibt so viele Dinge, die ich besser beherrsche als die Schauspielerei.» Kunst, Journalismus oder Kos­tümdesign, sagt sie, könne sie sich vorstellen. Niemals würde eine Hollywoodschauspielerin so reden, die eigene Filmkarriere derart abwerten. Aber Französinnen sind eben nonchalant und zudem stil- und würdevoller. Dank des Prinzips, über nichts aus dem Nähkästchen zu plaudern, bleibt Clémence Poésy angenehm mysteriös. Davon könnten sich andere ruhig mal eine Scheibe abschneiden, n'est-ce pas?

Rettende Erinnerung

Beim Klettern klemmt sich Outdoor-Freak Aron (James Franco) den Arm unter einem Felsbrocken ein. Ehe er ihn sich selbst amputiert, denkt er an die Zeit mit Ex-Freundin Rana, gespielt von Clémence Poésy. Enorm spannender Film von Danny Boyle («The Beach», «Slumdog Mil­lionaire») mit einer schrecklichen Szene und sehr viel Lebensweisheit.

«127 Hours», ab 17. Februar im Kino

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