Aktualisiert 02.04.2015 11:26

Spardebatte

«Das ist ein gezielter Angriff auf das Soca»

Die Trägerschaft des Sommercasinos befürchtet wegen möglicher Subventionskürzungen das Ende des Jugendhauses. Das Erziehungsdepartement sieht keinen Handlungsbedarf.

von
Matthias Kempf
Die Verantwortlichen des Sommercasinos vermuten hinter den Subventionskürzungen einen gezielten Angriff auf das Jugendhaus.

Die Verantwortlichen des Sommercasinos vermuten hinter den Subventionskürzungen einen gezielten Angriff auf das Jugendhaus.

Die Wogen gehen hoch. Nachdem publik wurde, dass die Subventionen für das Sommercasino im 2016 gestrichen werden sollten, ist die Diskussion um das älteste Jugendhaus der Schweiz lanciert. «Werden die Kürzungen vollzogen, wird es das Sommercasino im nächsten Jahr nicht mehr geben», sagt Elsbeth Meier Mühlemann von der Trägerschaft Jugendarbeit Basel (JuAr).

Ungewöhnlich sei in diesem Fall das Vorgehen des Basler Erziehungsdepartements, das der JuAr normalerweise ein Globalbudget zur Verfügung stelle, sagt JuAr-Vorständin und SP-Grossrätin Salome Hofer. Sie habe innerhalb dieses Budgets bislang frei entscheiden können, in welches Projekt wieviel Geld fliessen solle. «In diesem Fall fordert das ED aber explizit, dass die Gelder beim Sommercasino gestrichen werden müssen.» Stattdessen solle das Kulturhaus «R 105» die frei werdenen Gelder erhalten. Pikant: Die JuAr hat beim «R105» eine Begleitfunktion inne. «Die beiden Institutionen dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden», fordert Hofer. Bisher erhält das Soca 650'00 Franken, neu sollen es nur noch 400'000 sein. Die Differenz soll neu dem «R 105» zukommen.

«Gezielter Angriff auf Sommercasino»

Elsbeth Meier Mühlemann vermutet hinter den Subventionsverschiebungen eine Absicht des ED: «Das ist ein gezielter Angriff auf das Sommercasino. Die wissen, dass das Soca durch die letzten schwierigen Jahre geschwächt ist.» In den vergangenen Jahren sei das Sommercasino von seinem ursprünglichen Weg, regionale Jugendkultur zu fördern, abgekommen und habe sich zusehends zu einem kommerziellen Clubbetrieb entwickelt. Bekannte Events für Nachwuchsbands, wie das Sprungbrett, fanden nicht mehr statt. Ein Fehler, wie sich die Trägerschaft JuAr eingestehen muss. Zumal es in die roten Zahlen führte.

«Wir haben die Reissleinen gezogen und haben jetzt ein anderes Team sowie ein anderes Konzept», so Meier Mühlemann. Dieses schiele wieder vermehrt auf die lokalen Bands und habe nicht mehr den Anspruch, sich möglichst gross in der Hip Hop- und Rockszene zu etablieren. Soca-Co-Leiter Samuel Kunz betont, dass wieder mehr Platz für Aufritte für Jugendbands geben wird. Jedoch ist noch nicht überall angekommen, dass das Sommercasino ein neues Konzept hat. Das macht den Betreibern in dieser heiklen Phase das Leben zusätzlich schwer.

Sebastian Kölliker von Kulturstadt Jetzt wirft der Trägerschaft genau diesen Punkt vor. «Ich weiss ehrlich gesagt nicht, was das Konzept des Sommercasinos ist.» Das Soca werde nicht mehr als Haus der Jugendkultur angesehen.

Erziehungsdepartement will nicht verhandeln

Genau dies sei ein entscheidender Faktor beim Entscheid des Erziehungsdepartments Basel-Stadt (ED) gewesen, dem Sommercasino die Subventionen zu kürzen und dafür das Kulturhaus «R105» mit Bandräumen zu unterstützen, wie Hansjörg Lüking, Bereichsleiter Jugend, Familie und Sport im ED, sagte. Beim ED versteht man zwar, dass die Soca-Trägerschaft aufgebracht ist, sieht aber keinen Verhandlungsbedarf. «Ich glaube nicht, dass die Subventionskürzungen einem Todesstoss für das Soca gleichkommen», sagt Lüking. Das Sommercasino sei nicht mehr ein zentraler Ort der Jugendkultur. Folglich würden sich auch die finanziellen Mittel verändern. «Wie die Mittel dann eingesetzt werden, ist Sache der Trägerschaft», so Lüking. Die teuren Mietkosten könnten laut Lüking umgangen werden, indem mehr Räumlichkeiten des Soca extern vermietet würden.

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