Frauenfussball live auf SRF: «Das ist ein längst überfälliger Schritt»

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Frauenfussball live auf SRF«Das ist ein längst überfälliger Schritt»

Erstmals zeigen die SRG-Sender regelmässig Spiele der Woman’s Super League im TV. Die Fussballerinnen sind happy über den Entscheid. Es gibt aber auch Kritik.

von
Nils Hänggi
Boqaj Frrok
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Riana Fischer (Mitte) jubelte 2019 mit dem Meisterpokal nach dem Spiel: Nun dürfen sie und ihr Team sich über mehr Medienpräsenz freuen.

Riana Fischer (Mitte) jubelte 2019 mit dem Meisterpokal nach dem Spiel: Nun dürfen sie und ihr Team sich über mehr Medienpräsenz freuen.

Foto: Keystone
Die Frauen des FCZ gewannen 2018/19 den Meisterpokal nach der Partie gegen die BSC Young Boys im Stadion Letzigrund.

Die Frauen des FCZ gewannen 2018/19 den Meisterpokal nach der Partie gegen die BSC Young Boys im Stadion Letzigrund.

Foto: Keystone
Unterstützung erhält Fischer von Teamkollegin Julia Stierli (rechts): «Wir dürfen den Anschluss an den internationalen Fussball nicht verlieren», meint die Nationalspielerin.

Unterstützung erhält Fischer von Teamkollegin Julia Stierli (rechts): «Wir dürfen den Anschluss an den internationalen Fussball nicht verlieren», meint die Nationalspielerin.

Foto: Keystone

Ist das der Wendepunkt? Der Moment, an dem die Schweizer Fussballfrauen mehr Anerkennung erhalten? Schliesslich werden ab der kommenden Saison ausgewählte Spiele der Schweizer Women’s Super League im Fernsehen und online gezeigt. So übertragen SRF, RTS und RSI bis zu neun Livespiele der Schweizer Frauenliga auf den Onlineplattformen sowie punktuell im TV. Zudem planen die SRG-Sender, Highlights von weiteren Spielen der Women’s Super League zu zeigen.

Doch genügt das?

Die Fussballerinnen sind glücklich

Riana Fischer, Verteidigerin des FC Zürich, freut der Entscheid jedenfalls: «Zuerst ging ein Gerücht um», erzählt sie. Und: «Der Schritt ist längst überfällig, endlich bietet sich die Chance, die Menschen für den Schweizer Frauenfussball zu begeistern.» Damit sei die neu lancierte Schweizer Spitzenliga dort angekommen, wo ihr männliches Pendant bereits vor Jahrzehnten angelangt sei, sagt die 25-Jährige.

Dass der Frauenfussball mehr mediale Präsenz erhält, bereichere den Sport in der Schweiz enorm. «Oft muss man eine Lupe zur Hand nehmen, um in der Zeitung Schlagzeilen über Frauenfussball in der Schweiz zu finden. Mit dem neuen SRF-Programm erhält er die Anerkennung, die er wirklich verdient», so Fischer. Aus einem ganz anderen Grund pflichtet FCZ-Teamkollegin Julia Stierli ihr bei. Die 23-Jährige sagt: «Mit der Axa haben wir erstmals einen Ligasponsor, und die zusätzliche Medienpräsenz ist unabdingbar, um nicht den Anschluss an den internationalen Fussball zu verlieren.»

Vanesa Hoti von den FCB Frauen erzählt, dass sich die FCB-Männer noch nicht bei ihr gemeldet hätten.

Vanesa Hoti von den FCB Frauen erzählt, dass sich die FCB-Männer noch nicht bei ihr gemeldet hätten.

Foto: Instagram

Fussballerinnen von anderen Teams stimmen Fischer und Stierli ebenfalls zu – Eva Bachmann von den Young Boys beispielsweise. Für sie ist der SRG-Entscheid ein erster Schritt in die richtige Richtung. «Ich sehe es als eine grosse Chance, der breiten Masse den Frauenfussball näherzubringen und zu zeigen, dass Frauen auch sehr attraktiven Fussball spielen können», sagt die 25-jährige Stürmerin. Und ihre Teamkollegin Chiara Messerli meint: «Endlich bekommt der Schweizer Frauenfussball die Chance, sich zu präsentieren.»

Auch die GC-Spielerinnen Laura Walker und Celina Tenini sind glücklich über den Entscheid. «Es ist eine Anerkennung für die Stunden, welche wir neben der Ausbildung und der Arbeit in den Fussball investieren», meinen sie. Und: «Durch die TV-Übertragungen erhält der Frauenfussball die Chance, Sponsoren an Land zu ziehen, womit die Professionalisierung weiter vorangetrieben wird.»

FCB-Spielerin Vanesa Hoti, die letzte Saison noch beim FCZ kickte, sagt: «Ich habe nie damit gerechnet, wusste ich doch gar nicht, dass der Entscheid zur Debatte stand.» Sie sei absolut überrascht gewesen. Doch sie habe sich natürlich sehr gefreut. «Als ich die Meldung gesehen habe, musste ich lächeln.» Ob sich die FCB-Männer bereits gemeldet haben? Nein, meint sie und lacht. «Ich habe zumindest keine Nachricht erhalten», so die 22-jährige Hoti.

Eva Bachmann stellt die Frage: «Wie soll der Schweizer Frauenfussball an Bekanntheit und Akzeptanz gewinnen, wenn der nationale Radio- und Fernsehsender nicht sehr viel darüber berichtet?»

Eva Bachmann stellt die Frage: «Wie soll der Schweizer Frauenfussball an Bekanntheit und Akzeptanz gewinnen, wenn der nationale Radio- und Fernsehsender nicht sehr viel darüber berichtet?»

Foto: Iris Andermatt

SRG hätte schon früher übertragen sollen

Ist also alles gut? Nicht ganz. Es gibt auch Stimmen, in denen Kritik mitschwingt. So findet Bachmann, dass dem Schweizer Frauenfussball bisher zu wenig Aufmerksamkeit und Beachtung geschenkt worden sei. Sie sagt: «Natürlich verstehe ich, dass der kommerzielle Aspekt für SRF auch eine Rolle spielt, jedoch finde ich, dass man auch schon früher dem Frauenfussball eine Chance hätte geben können.» Die Stürmerin stellt die Frage: «Wie soll der Schweizer Frauenfussball an Bekanntheit und Akzeptanz gewinnen, wenn der nationale Radio- und Fernsehsender nicht sehr viel darüber berichtet? Wie soll dann die breite Masse überhaupt herausfinden, wie toll Frauenfussball ist?»

Ihre Frage ist berechtigt. Es wird daher spannend sein zu sehen, wie sich das Zuschauerinteresse entwickeln wird. Und ein erstes Fazit kann man bereits bald ziehen. So steht bereits kommende Woche der erste sportliche Höhepunkt der neuen Saison an: das Eröffnungsspiel zwischen dem FC St. Gallen-Staad und dem Grasshopper Club Zürich, das von SRF sowie RSI übertragen wird. Hoti ist jedenfalls zuversichtlich: «Ich glaube, es ist eine riesige Chance. Durch die Übertragung werden die Menschen den Frauenfussball entdecken.»

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