Queerfeindlichkeit in unserer Kommentarspalte
Aktualisiert

Dieser Post ist ein No-go«Das ist ein Mann mit anoperierten Brüsten» 

Ob auf der Arbeit, im Netz oder auf der Strasse: Queere Menschen sind Diskriminierungen ausgesetzt. Auch in unserer Kommentarspalte ist Queerfeindlichkeit ein Thema. Hier zeigen wir dir, was dazu zählt und von unseren Moderator*innen gelöscht wird. 

von
Gabriela Graber
Zora Schaad
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Einschätzung 20 Minuten: Homofeindlichkeit, Religion als Begründung: Schwulsein als Krankheit zu bezeichnen ist diskriminierend. Zudem ist der Bezug zur Religion fehl am Platz und die Aussage «Allah verbietet es» falsch. Kommentar abgelehnt. 
Thema des Artikels: Die Ehe für Alle. 

Einschätzung 20 Minuten: Homofeindlichkeit, Religion als Begründung: Schwulsein als Krankheit zu bezeichnen ist diskriminierend. Zudem ist der Bezug zur Religion fehl am Platz und die Aussage «Allah verbietet es» falsch. Kommentar abgelehnt. 

20 Minuten
Einschätzung 20 Minuten: Diese Äusserung ist homofeindlich.  Kommentar abgelehnt. 
Thema des Artikels: Die Ehe für Alle. 

Einschätzung 20 Minuten: Diese Äusserung ist homofeindlich.  Kommentar abgelehnt. 

20 Minuten
Einschätzung 20 Minuten: Homofeindlichkeit, eventuell rassistische Motive: Generell ist es unangebracht, sich so über eine vermisste Person zu äussern. Im Kommentar wird zudem ein negativer Zusammenhang zwischen lesbischer Liebe, Sexualität und Drogenkonsum hergestellt. Kommentar abgelehnt. 
Thema des Artikels: Vermisste Schauspielerin in Los Angeles. 

Einschätzung 20 Minuten: Homofeindlichkeit, eventuell rassistische Motive: Generell ist es unangebracht, sich so über eine vermisste Person zu äussern. Im Kommentar wird zudem ein negativer Zusammenhang zwischen lesbischer Liebe, Sexualität und Drogenkonsum hergestellt. Kommentar abgelehnt. 

20 Minuten

Darum gehts 

  • Queerfeindlichkeit ist in der Kommentarspalte von 20min ein No-go. 

  • Doch was werten wir eigentlich als queerfeindlichen Kommentar? 

  • Anhand von echten Beispielkommentaren, die nicht auf unserer Seite landen, zeigen wir dies oben in der Bildstrecke. 

  • Die fachliche Beratung machen Janna Kraus von Transgender Network Switzerland TGNS, Roman Heggli von Pink Cross und Alessandra Widmer von der Lesbenorganisation Schweiz LOS.

Seit die Erweiterung der Anti-Rassismus-Strafnorm angenommen wurde, ist es in der Schweiz illegal, jemanden aufgrund der sexuellen Orientierung zu diskriminieren. Trans und inter Menschen sind jedoch nicht Teil dieser Erweiterung. Eine offizielle statistische Erfassung zu homo- und transfeindlich motivierten Hate Crimes gibt es in der Schweiz nicht, doch erfasst Pink Cross, die Dachorganisation der schwulen und bisexuellen Männer, Zahlen der eigenen Helpline. Im Jahr 2020 verzeichnete die Helpline 61 LGBTIQ-feindliche Angriffe und Diskriminierungen – fünf davon geschahen im Netz. Die Dunkelziffer ist hoch. 

«Hass im Netz ist nie nur im Netz»

«Hass im Netz gegen Queers ist sehr problematisch. Manche Menschen, die im Netz queerfeindliche Äusserungen lesen, sind selbst betroffen. Sie haben vielleicht noch kein Coming-out gemacht oder stellen sich vielleicht zum ersten Mal die Frage nach ihrer sexuellen Orientierung», so Salome Trafelet von der Lesbenorganisation Schweiz (LOS). Dadurch seien sie besonders verletzlich, denn oft fehle ihnen eine queere Bezugsperson, mit der sie über den Hass im Netz sprechen können. «Auch ist Hass im Netz nie nur ‹im Netz›, er ist daher kein Luxusproblem, sondern eine unmittelbare Bedrohung und sollte auch als solche behandelt werden», so Janna Kraus vom Transgender Network Switzerland.

Auch in unserer Kommentarspalte kommt es immer wieder zu Anfeindungen gegen die LGBTIQ-Community. Solche diskriminierenden Kommentare dulden wir jedoch nicht – sie werden von unserem Moderationsteam abgelehnt.

Anhand von echten Kommentaren, die auf Menschen aus der LGBTIQ-Community abzielen, zeigen wir hier, warum wir gewisse Inhalte löschen, andere freischalten und warum es manchmal ganz knifflig wird, diese Entscheidung zu fällen. Zu Sensibilisierungszwecken zeigen wir hier ausnahmsweise Äusserungen, die wir in unserer Kommentarspalte nicht veröffentlichen würden bzw. nie veröffentlicht haben. Während die Inhalte der Kommentare echt und so bei 20 Minuten eingegangen sind, sind die Namen der User*innen sowie die Kommentierdaten frei erfunden. Die fachliche Beratung machten Janna Kraus von Transgender Network Switzerland TGNS, Roman Heggli von Pink Cross und Alessandra Widmer von der Lesbenorganisation Schweiz LOS.

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«Hass im Netz gegen Queers ist sehr problematisch», so Salome Trafelet von der Lesbenorganisation Schweiz (LOS).

«Hass im Netz gegen Queers ist sehr problematisch», so Salome Trafelet von der Lesbenorganisation Schweiz (LOS).

Privat
«Auch ist Hass im Netz nie nur ‹im Netz›, er ist daher kein Luxusproblem, sondern eine unmittelbare Bedrohung und sollte auch als solche behandelt werden», so Janna Kraus vom Transgender Network Switzerland.

«Auch ist Hass im Netz nie nur ‹im Netz›, er ist daher kein Luxusproblem, sondern eine unmittelbare Bedrohung und sollte auch als solche behandelt werden», so Janna Kraus vom Transgender Network Switzerland.

Privat
Der nationale Dachverband der schwulen und bisexuellen Männer in der Schweiz Pink Cross unter dem Geschäftsleiter Roman Heggli (hier im Bild) erfasst in einer eigens betriebenen Helpline LGBTIQ-feindliche Angriffe und Diskriminierungen. 

Der nationale Dachverband der schwulen und bisexuellen Männer in der Schweiz Pink Cross unter dem Geschäftsleiter Roman Heggli (hier im Bild) erfasst in einer eigens betriebenen Helpline LGBTIQ-feindliche Angriffe und Diskriminierungen. 

David Rosenthal 

Das gilt bei 20 Minuten 

20 Minuten verurteilt homo-, bi- und transphob motivierten Hatespeech in der Kommentarspalte und publiziert diesen nicht. Auch persönliche Angriffe auf zitierte Personen aus der LGBTIQ-Community oder andere Kommentierende werden nicht geduldet. Inhalte, die als beleidigend oder diskriminierend verstanden werden können oder zu Hass aufrufen, werden nicht toleriert. Anschuldigungen oder Verleumdungen werden nicht geduldet. Kommentare, die Fluchwörter enthalten, werden nicht publiziert.

LGBTIQ

Der Ausdruck LGBTIQ stammt aus dem Englischen und steht für: 

L lesbisch, bezeichnet homosexuelle Frauen.

G gay, bezeichnet homosexuelle Männer. 

B bisexuell, bezeichnet Menschen, die sich romantisch oder sexuell zu zwei oder mehr Gendern hingezogen fühlen. 

T trans, bezeichnet Menschen, die sich nicht vollständig mit dem Geschlecht, das sie bei der Geburt zugeschrieben erhielten, identifizieren oder die für sich eine binäre Geschlechtszuordnung ablehnen.

I intergeschlechtlich, also wenn ein Mensch geschlechtliche Ausprägungen hat, die nicht nur einem Geschlecht zugeordnet werden können.

Q queer/questioning. Queer ist ein Sammelbegriff für Personen, deren geschlechtliche Identität und/oder sexuelle Orientierung nicht der heterosexuellen Norm entspricht. Als questioning beschreiben sich Menschen, die (noch) kein passendes Label für ihre Geschlechtsidentität gefunden haben. 

Täglich finden in unserer Kommentarspalte Hunderte von Diskussionen statt. Was ist dort eigentlich zugelassen – was ist ein No-go? In unserer Artikelserie «Wir müssen reden» beleuchten wir verschiedene Arten von Hatespeech.

Folge 3: Queerfeindlichkeit 

Folge 5: Rassismus 

LGBTIQ: Hast du Fragen oder Probleme?

Hier findest du Hilfe:

LGBT+ Helpline, Tel. 0800 133 133

Du-bist-du.ch, Beratung und Information

Lilli.ch, Information und Verzeichnis von Beratungsstellen

Milchjugend, Übersicht von Jugendgruppen

Elternberatung, Tel. 058 261 61 61

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

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