Legal zuhause kiffen: «Das ist ein prüfenswerter Vorschlag»
Aktualisiert

Legal zuhause kiffen«Das ist ein prüfenswerter Vorschlag»

Soll man im privaten Rahmen legal kiffen und Hanf zum Eigengebrauch anbauen dürfen? Der Vorschlag des Neuenburger Kripo-Chefs stösst auf Zustimmung – aber auch auf Kritik.

von
Marco Lüssi

Der Chef der Neuenburger Kriminalpolizei macht einen brisanten Vorschlag: Olivier Guéniat will, dass das Kiffen künftig legal ist, solange es in den eigenen vier Wänden stattfindet. Bei sich zuhause soll man auch Cannabis für den Eigengebrauch anpflanzen dürfen. Sven Schendekehl, Sekretär des Vereins Legalize It Schweiz, ist erfreut über Guéniats Vorstoss: «Besonders befriedigend ist, dass das jemand sagt, der als Polizist selber ein Vertreter des Repressionsapparats ist.»

Dies sei ein Zeichen, dass es auch dort ein Umdenken gebe. Damit, dass das Kiffen im öffentlichen Raum verboten bliebe, könne er leben: «Die Gesellschaft soll zwar nicht bestimmen, ob jemand kifft oder nicht. Sie kann aber durchaus Orte definieren, an denen Cannabis nicht erwünscht ist.»

Auch bei der Eidgenössischen Kommission für Drogenfragen (EKD) stösst Guéniat mit seiner Idee auf offene Ohren. «Das ist ein prüfenswerter Vorschlag», sagt EKD-Präsident Toni Berthel. Die Idee müsse man sich ansehen – genauso wie andere Modelle der Cannabisregulierung wie beispielsweise die Einführung von Social Clubs für Kiffer, wie sie Genf versuchsweise plant. Sollte Guéniats Vorschlag umgesetzt werden, müsste jedoch gewährleistet sein, dass der Jugendschutz bestehen bleibe und die Prävention gewährleistet sei. Zudem müsste man die Menge begrenzen, die jemand in den eigenen vier Wänden anbauen darf: «Man müsste beispielsweise festlegen, wie viele Hanfpflanzen es maximal sein dürfen», so Berthel.

«Das wäre, wie ein bisschen schwanger sein»

SVP-Nationalrat Toni Bortoluzzi dagegen lehnt die Idee von Guéniat kategorisch ab: «Man kann Cannabis ebenso wenig ein bisschen legalisieren, wie man ein bisschen schwanger sein kann.» Das Cannabis-Verbot müsse mit aller Konsequenz durchgesetzt werden, auch wenn dies für Polizisten wie Guéniat eine unangenehme Arbeit sei. Lasse man Ausnahmen zu, so begebe man sich auf einen Irrweg. Holland beispielsweise habe mit der Teillegalisierung des Kiffens schlechte Erfahrungen gemacht.

Würde man den Cannabiskonsum im privaten Rahmen erlauben, hätte Bortoluzzi zudem schwere gesundheitspolitische Bedenken. «Die psychischen Schäden, die Cannabis gerade bei jungen Menschen auslösen kann, werden unterschätzt.» Auch lasse sich der Jugendschutz kaum durchsetzen, wenn privat gekifft werden dürfe, so der SVP-Politiker. Nur in einem Punkt ist er mit Guéniat einig: Um den Cannabiskonsum aus dem öffentlichen Raum zu verbannen, würde dieser die Bussen für Kiffer auf 1500 Franken erhöhen. Bortoluzzi: «Für höhere Bussen bin ich auch, leider hatten wir mit diesem Anliegen im Parlament aber keine Chance.»

«Privater Konsum ist längst Realität»

Für Nationalrat Geri Müller (Grüne), einen Befürworter der Hanflegalisierung, wäre es zwar ein Schritt in die richtige Richtung, das Kiffen im privaten Raum zu erlauben, aber noch längst kein Durchbruch. «Der private Konsum ist ja längst eine Realität. Wenn man das Kiffen im öffentlichen Raum weiterhin verbietet, schliesst man aber jene Menschen aus, die sich nur dort treffen können.»

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