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Erschossener Schweizer«Das ist ein rechtsfreier Raum»

Auf den Philippinen ist ein Schweizer Opfer einer Terror-Organisation geworden. Der Experte Peter Kreuzer zerschlägt alle Hoffnungen, dass das Verbrechen aufgeklärt werden könnte.

von
Janko Skorup
Philippinen-Kenner Peter Kreuzer über die NPA: «Die Organisation agiert für die Unterdrückten und Benachteiligten - aus ihrer Sicht.»

Philippinen-Kenner Peter Kreuzer über die NPA: «Die Organisation agiert für die Unterdrückten und Benachteiligten - aus ihrer Sicht.»

Der Schweizer Patrick Winiger ist auf den Philippinen von Mitgliedern der terroristischen Organisation «New People's Army» (NPA) auf offener Strasse erschossen worden. Zu dem Mord bekannt hat sich die NPA, der bewaffnete Arm der kommunistischen Partei der Philippinen. Ein Kenner des Landes erklärt, wie die NPA funktioniert.

Weshalb musste Patrick Winiger sterben?

Peter Kreuzer*: Die NPA geht wenig zimperlich vor, wenn sich jemand gegen sie zu wehren versucht. Ausserdem ist die Gegend um Kidapawan City sehr ländlich, die NPA ist dort besonders stark. Es ist ein in mancherlei Hinsicht ein rechtsfreier Raum.

Sind Ausländer dort also grundsätzlich in Gefahr?

Wer sich ruhig verhält und sich die Beziehung mit der NPA nicht verscherzt, sollte eigentlich keine Probleme haben. Allerdings sind Grossgrundbesitzer in Gegenden mit starker NPA-Präsenz natürlich immer bis zu einem gewissen Grad gefährdet.

Was ist das Ziel der NPA?

Die NPA setzt sich für die kleinen Bauern ein, die oft bei Grossgrundbesitzern verschuldet sind und unterdrückt werden. Sie agiert aus ihrer Sicht also für die Unterdrückten und Benachteiligten. Allerdings sind auch Reformen durchaus nicht ungefährlich für die NPA, weil sie, wenn sie erfolgreich sind, für die Bauern Wege zur Unabhängigkeit von der NPA aufzeigen, woran die NPA naturgemäss kein Interesse hat.

Patrick Winiger wurde auf einem belebten Markt erschossen. Werden die Täter zur Rechenschaft gezogen?

99 Prozent solcher Verbrechen werden nie aufgeklärt. Die Bevölkerung hat Angst vor der NPA. Auch wenn es 50 Zeugen geben würde, niemand würde aussagen, weil er damit sofort auf eine Abschussliste geraten könnte. Die Polizei ist für richtige Ermittlungen nicht ausgebildet und in dem ländlichen Raum in der Regel hoffungslos überfordert.

Ist die NPA so stark?

Seit den 1970er Jahren hat sie enorm an Schlagkraft eingebüsst. Ihre Mitgliederzahl wird auf 5000 bis 15 000 geschätzt. Damit kann sie nur noch in armen, ländlichen und bergigen Regionen ernsthaft operieren.

*Peter Kreuzer ist Philippinen-Kenner bei der Hessischen Stiftung für Friedens- und Konfliktforschung

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