Aktualisiert 10.09.2015 18:50

Schüsse in Ganterschwil SG

«Das ist ein Schock für unser kleines Dorf»

Zwei Männer haben am Mittwoch den 36-jährigen A.V. erschossen. Das Fluchtauto wurde gefunden, von der Tatwaffe fehlt noch jede Spur. Jetzt nimmt der Gemeindepräsident Stellung.

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rar/vro

Das schreckliche Verbrechen in Ganterschwil vom Mittwochnachmittag hat das ganze Dorf in Angst und Schrecken versetzt. Ein 36-jähriger Slowake wurde auf einem offenen Feld von zwei Männern erschossen. «Das ist ein Schock für Ganterschwil», sagt Gemeindepräsident Karl Brändle. In einerm so ländlichen Raum erwarte man eine solche Tat nicht. Seine Gedanken seien vor allem auch bei den Angehörigen der Betroffenen.

Die Polizei hat in der Nacht auf Donnerstag zwei Verdächtige festgenommen. Das Fluchtauto, ein roter Audi A1, blieb zunächst verschwunden.

Am Donnerstag teilte die Kantonspolizei St. Gallen schliesslich mit, dass sie das Fluchtauto am Vormittag ausfindig machen konnte. Eine Patrouille fand es in einer Quartierstrasse in Goldach. Es wurde sichergestellt und durch Kriminaltechniker auf Spuren untersucht, heisst es in der Polizeimeldung.

Begleiterin wohnte mit Opfer zusammen

Nach wie vor unklar ist, wo sich die Tatwaffe befindet. Diese konnte weder bei den Verdächtigen noch im Fluchtauto gefunden werden. «Die Schusswaffe ist immer noch irgendwo», so Kapo-Sprecher Hans-Peter Krüsi. Die Polizei bittet die Bevölkerung deshalb um Hilfe. Wer eine Waffe finde, solle sie nicht berühren und die Polizei verständigen.

Beim Opfer handelt es sich um den Slowaken A. V.*, wie die Polizei bestätigt. Er wohnte in der Nähe des Tatorts im Lochermoos, zusammen mit seiner Partnerin M. W.*, die bei der Tat dabei war. Die beiden führten eine eigene Firma, die für den Betrieb von Gastro- und Erotiklokalen zuständig war. Mittlerweile mussten sie diese allerdings aufgeben. W. hatte in den vergangenen zwei Jahren über 60'000 Franken Schulden angehäuft.

Täter soll Exfreund der Partnerin gewesen sein

Die Wohnung der beiden ist durch ein amtliches Siegel versperrt. Sie hätten zurückgezogen gelebt, berichten Einwohner. Sie hätten nicht aktiv am Dorfleben teilgenommen. V. war zudem polizeilich bekannt.

Dennoch ist man im Dorf betroffen. «Ganz Ganterschwil ist erschüttert», sagen Bewohner des Ortes zu 20 Minuten. «Wir haben alle Angst. Es ist fürchterlich, was da passiert ist. Damit haben wir hier nie gerechnet.» In der Gemeinde brodelt bereits die Gerüchteküche, wie es so weit kommen konnte. Mehrere Einwohner berichten, dass es sich um ein Beziehungsdelikt handeln solle. Demnach wurde das Opfer vom Exfreund seiner Partnerin erschossen. Die Gerüchte sind allerdings noch unbestätigt.

«Früher hat man Probleme mit Fäusten geregelt»

«So etwas kommt sonst doch nur in Grossstädten vor», sagt ein älterer Einwohner. «Bei uns war es bisher immer friedlich.» Eine Bewohnerin traut sich seit der Tat nicht mehr unbewaffnet aus dem Haus. Sie nehme jetzt immer ein Messer mit, wenn sie mit ihrem Hund spazieren gehe. «Es ist furchterregend. Man weiss ja nicht, wer sich hier sonst noch so herumtreibt.» Ein anderer Mann kann die Vorgehensweise der Täter nicht begreifen. «Früher hat man Probleme noch mit den Fäusten geregelt. Jetzt wird gleich geschossen.»

Die Tat ereignete sich am Mittwochnachmittag. Der 36-jährige Slowake, der in Ganterschwil lebte, war mit seiner Begleiterin auf einem Kiesweg im Lochermoos unterwegs, als er von zwei Männern erschossen wurde. Die beiden Täter flüchteten im roten Audi A1 in unbekannte Richtung, weshalb die Polizei eine Grossfahndung einleitete. Bei einer Fahrzeugkontrolle in Staad SG in der Nacht auf Donnerstag konnten dann zwei dringend Tatverdächtige – einen 50-jährigen Schweizer und einen 29-jährigen Mazedonier – geschnappt werden. In welchem Verhältnis sie zum Opfer standen, wird jetzt abgeklärt.

*Namen der Redaktion bekannt

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