Informationskampagne im Kanton St. Gallen – «Das ist ein Skandal» – Kantonsrätin kritisiert Frauen-FAQ der Armee

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Informationskampagne im Kanton St. Gallen«Das ist ein Skandal» – Kantonsrätin kritisiert Frauen-FAQ der Armee

Das Amt für Militär und Zivilschutz des Kantons St. Gallen veranstaltet Infoabende für Frauen, die am Militärdienst interessiert sind. Für SP-Kantonsrätin Karin Hasler ist der diesbezüglich auf der Website aufgeschaltete FAQ problematisch.

von
Pascal Eicher
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Das Amt für Militär und Zivilschutz Kanton St. Gallen veranstaltet Infoabende, um Frauen den Militärdienst schmackhaft zu machen.

Das Amt für Militär und Zivilschutz Kanton St. Gallen veranstaltet Infoabende, um Frauen den Militärdienst schmackhaft zu machen.

Amt für Militär und Zivilschutz Kanton St. Gallen
Für SP-Kantonsrätin Karin Hasler müsste die Informationskampagne sachbezogener gestaltet werden.

Für SP-Kantonsrätin Karin Hasler müsste die Informationskampagne sachbezogener gestaltet werden.

Karin Hasler
Insbesondere der FAQ auf der Website des Amts stört sie: «Das ist ein Skandal», sagt Hasler.

Insbesondere der FAQ auf der Website des Amts stört sie: «Das ist ein Skandal», sagt Hasler.

Karin Hasler

Darum gehts

  • Das Amt für Militär und Zivilschutz des Kantons St. Gallen veranstaltet Infoabende, die sich speziell an Frauen richten.

  • Die Informationskampagne wurde von ausschliesslich aus Frauen bestehenden Teams erarbeitet.

  • SP-Kantonsrätin Karin Hasler hält den FAQ auf der Website des Amtes für skandalös.

  • Die Kampagne müsse sachbezogener gestaltet werden, so Hasler.

Die Schweizer Armee strebt einen höheren Frauenanteil im Militär an. Gemäss dem Chef der Armee soll die Frauenquote bis 2030 zehn Prozent betragen. «Dafür müsste aber der Orientierungstag für die Frauen im 18. Altersjahr obligatorisch sein», sagt Oberst Andreas Schwarz, Kreiskommandant des Kantons St. Gallen. Das Problem sei nämlich, dass Frauen häufig nicht an ausreichende Informationen zum Militärdienst gelangen, so Schwarz.

Daher setzt sich das Amt für Militär und Zivilschutz des Kantons St. Gallen nicht primär für eine höhere Quote, sondern für einen verbesserten Informationsfluss ein. Dem Kanton sei es ein Anliegen, dass Frauen in Armeeuniform in der Gesellschaft als normal angesehen werden, so Oberst Schwarz. Dementsprechend werden regelmässig Infoabende speziell für Frauen im Kanton durchgeführt. «Die Informationsanlässe werden ausschliesslich von Frauen moderiert, Männer sind keine anwesend», sagt Schwarz weiter. Dies deshalb, weil die teilnehmenden Frauen auf diese Weise auch diejenigen Fragen stellten, die sie unter Männern für sich behalten würden.

Scharfe Kritik an FAQ

Auf diese Weise ist auch der FAQ (Frequently Asked Questions, zu Deutsch: häufig gestellte Fragen) auf der Website des Amts für Militär und Zivilschutz entstanden und beinhaltet Fragen wie: «Darf ich mich im Militär schminken?». «Eine Kommunikationsfirma hat uns bei der gesamten Informationskampagne mit einem aus Frauen bestehenden Team unterstützt. Der FAQ wurde ebenfalls von den moderierenden und Militärdienst leistenden Frauen erarbeitet. Dabei wurden Fragen verwendet, die effektiv vermehrt an Infoabenden gestellt worden sind sowie Themen, von denen sich junge Frauen oftmals falsche Vorstellungen machen», sagt Schwarz hierzu.

Die SP-Kantonsrätin Karin Hasler begrüsst zwar die Bemühungen, Frauen zum Militärdienst zu bewegen. Für sie ist jedoch der FAQ auf der Website problematisch: «Ich falle aus allen Wolken, wenn ich die Fragen dort sehe. Das ist ein Skandal und wirklich bitter für die Gleichstellung», sagt Hasler. Gemeint sind damit zum Beispiel Fragen, ob genügend Zeit für Körperpflege bleibe oder man sich im Militär schminken dürfe.

Geschlecht soll in den Hintergrund rücken

Hasler hinterfragt die Professionalität der Informationskampagne. «Es stellt sich die Frage, ob die dort genannten Fragen als repräsentativ für junge Frauen gesehen werden», sagt sie. Wenn dies tatsächlich der Fall sei, weise dies auf ein tieferes gesellschaftliches Problem hin, sagt Hasler weiter.

Für die SP-Kantonsrätin konzentriert sich die Informationskampagne zu sehr auf geschlechterspezifische Merkmale. Denn: «Ziel der Gleichstellung ist es, dass das Geschlecht irrelevant wird und in den Hintergrund rückt. Daher sollten Informationsanlässe kompetenz- und sachbezogen gestaltet werden», so Hasler. Zum Erreichen dieses Ziels wünscht sich Hasler einen offenen Dialog: «Eine gesellschaftliche Debatte zur Gleichstellung in der Praxis könnte uns alle voranbringen», sagt sie.

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