Nati-Trainer Vladimir Petkovic: «Das ist ein Wunder und wird bei Ramos nie mehr passieren»
Publiziert

Nati-Trainer Vladimir Petkovic«Das ist ein Wunder und wird bei Ramos nie mehr passieren»

Mit seiner Glanztat hält Yann Sommer die Nati im Kampf gegen den Abstieg in der Nations League im Spiel. Für Vladimir Petkovic schaffte seine Nummer 1 fast Unmögliches.

von
Eva Tedesco
1 / 8
In der Nations League spielte die Schweiz am Samstag gegen Spanien in Basel 1:1. 

In der Nations League spielte die Schweiz am Samstag gegen Spanien in Basel 1:1.

freshfocus
Remo Freuler (26.) schloss einen perfekt vorgetragenen  Angriff ausgehend von Edimilson Fernandes über Breel Embolo zum 1:0 für die Schweiz ab.

Remo Freuler (26.) schloss einen perfekt vorgetragenen Angriff ausgehend von Edimilson Fernandes über Breel Embolo zum 1:0 für die Schweiz ab.

freshfocus
Zu reden gab vor allem die 2. Halbzeit und da vor allem Yann Sommer. In 57 Länderspielen zuvor konnte die Nummer 1 im Schweizer Tor keinen Elfmeter halten – am Samstag hielt er gleich zwei. 

Zu reden gab vor allem die 2. Halbzeit und da vor allem Yann Sommer. In 57 Länderspielen zuvor konnte die Nummer 1 im Schweizer Tor keinen Elfmeter halten – am Samstag hielt er gleich zwei.

freshfocus

Darum gehts

  • Beim 1:1 der Schweizer Nationalmannschaft wurde Goalie Yann Sommer zum Elfmeter-Killer.

  • Die Nummer 1 im Tor der Nati entschärfte gleich zwei Penaltys von Real-Star Sergio Ramos.

  • Nati-Trainer Vladimir Petkovic adelt seinen Torhüter und spricht von einem Wunder.

Dieser Abend bleibt für Yann Sommer wohl unvergesslich: In 57 Länderspielen konnte die Nummer 1 im Tor der Nati noch keinen Elfmeter halten. Im 58. Einsatz entschärfte der Gladbach-Keeper am Samstag gleich deren zwei. Und das nicht gegen irgendeinen Schützen. Yann Sommer brillierte gegen Sergio Ramos – und das in dessen Rekord-Spiel. Der Real-Star absolvierte sein 177. Spiel (23 Tore) für die Furia Roja und überholte damit Italiens Torhüter-Legende Gigi Buffon, der mit 176 Spielen die bisherige Bestmarke in Europa hielt.

Dabei hat die «Bild»-Zeitung Yann Sommer zuletzt kritisiert und am Mittwoch «vom schlechtesten Torwart der Liga» und vom «Sommer Absturz» geschrieben. Das Boulevard-Blatt fragte: «Was ist nur mit dem Schweizer los?» Darauf antwortete der Nati-Trainer: «Es gab bei uns nie einen Fall Sommer. Er hat einen starken Charakter, steht immer seinen Mann und schaut stets nach vorne.»

«Für die Zuschauer daheim waren diese Szenen sicher schön, für mich als Trainer nicht so.» Trotzdem hat der Nati-Coach nur Lob und Bewunderung für die Glanztaten seiner Nummer 1: «Nur schon einen Penalty gegen Ramos zu halten ist fast unmöglich. Aber dann noch einen zweiten zu fangen – das ist fast ein Wunder und wird bei Ramos nie mehr passieren.»

Unglaublich aber wahr: Ramos hatte vor seinem Scheitern an Sommer 25 Elfmeter in Folge verwandelt. Den letzten Penalty verschoss er im Mai 2018 im Ligaspiel gegen Sevilla. Vor seinem Tête-à-Tête mit Yann Sommer scheiterte der Abwehrchef der Madrilenen in seiner Karriere erst dreimal vom Punkt aus: an Brasil-Goalie Julio César 2013 am Confederation Cup, an Kroatien-Keeper Daniel Subasic an der EM-2016 und gegen Sevilla, wo er seinen Schuss an die Latte setzte. Ein pikantes Detail am Rande: Spanien hat zum ersten Mal in seiner 100-jährigen Verbandgeschichte zwei Elfmeter im selben Spiel nicht verwandelt.

Die Nati hat geliefert

Vom Aufritt seines Teams war Petkovic trotz dem späten Ausgleich zufrieden. «Das war eine starke Leistung von der Mannschaft. Wir haben viel Teamgeist gezeigt und bestätigt, dass sie auch Drecksarbeit machen kann. Denn das war phasenweise so. Vor allem aber haben wir eine neue Qualität gezeigt. Wir können leiden, unter Druck stehen und auch gegen einen starken Gegner mithalten.»

Um es in den Worten von Captain Granit Xhaka zu sagen, der am Vortag des Spiels meinte, es sei genug gesprochen worden «jetzt müssen wir liefern» – die Nati hat gegen Spanien geliefert. Und auch wenn sie noch auf den ersten Sieg im Länderspieljahr 2020 wartet, hat sie doch drei von vier Duellen gegen die Topteams der Gruppe nicht verloren. Was sagt dem Trainer das?

Petkovic: «Sehr viel. Wir waren in jedem Spiel dran und gegen die Grossen auf Augenhöhe. Wir haben unser Spiel gemacht. Und auch wenn wir unsere Fehler teuer bezahlt haben, haben wir gegen Deutschland und Spanien unsere Identität behalten.» Zwar hat die Schweiz nunmehr sieben Spiele in Folge nicht mehr gewonnen und der angestrebte Exploit ist auch nicht gelungen, aber der Punkt war immens wichtig. Denn nur so kommt es am Dienstag zur «Finalissima» wie Xhaka das Spiel gegen die Ukraine bezeichnet.

«Wir haben Erfahrung mit Entscheidungsspielen», sagt Petkovic, «und ich bin froh, dass wir nun dank dem Remis den Ausgang mitentscheiden können.» Für den Verbleib in der Top-Division braucht die Schweiz einen Sieg.

Ramos verballert zwei Elfmeter

Das sagt Trainer Luis Enrique zum Penalty-Flop :

«Ramos ist ein sehr sicherer Penaltyschütze. Wenn es noch einen dritten Elfmeter gegeben hätte, hätte er den auch geschossen. Wir haben eine Liste mit den Elfmeterschützen, aber auch auf der ist er die Nummer 1 – und wenn es im nächsten Spiel wieder einen geben sollte, wird er auch den schiessen. Der Auftritt meines Teams hat mir gefallen, weil sie das umgesetzt hat, was wir uns vorgenommen haben: pressen, hoch stehen und im Ballbesitz sein. Der Fussball war schön, aber die Mannschaft hatte heute kein Glück. Trotzdem gehe ich mit ihr bis ans Ende der Welt.» (ete)

Spanien-
Trainer Luis Enrique.

Spanien-
Trainer Luis Enrique.

freshfocus

Deine Meinung

42 Kommentare