Anita Chaaban: «Das ist eine absolute Katastrophe»
Aktualisiert

Anita Chaaban«Das ist eine absolute Katastrophe»

Das Bundesgericht missachte den Volkswillen, sagt Anita Chaaban. Wenn Daniel H. nicht lebenslang verwahrt werde, wer dann, fragt die Mutter der Verwahrungsinitiative.

von
Raffaela Moresi

Anita Chaaban, das Bundesgericht geht auf die Beschwerde von Daniel H. ein und hebt seine lebenslange Verwahrung auf. Ihre erste Reaktion?

Ich bin fassungslos und finde kaum Worte. Was hier passiert, ist eine absolute Katastrophe - für die Angehörigen und für das Schweizer Volk. Der Volkswille wurde komplett missachtet.

Wie beurteilen Sie die Argumentation des Gerichtes, eine lebenslange Verwahrung dürfe nur verfügt werden, wenn jemand auf Lebzeiten untherapierbar ist?

Das versteht doch niemand. Kein Psychiater wird bescheinigen, dass jemand definitiv bis an sein Lebensende keiner Behandlung zugänglich ist. Deshalb steht im Initiativtext, der Täter müsse «dauerhaft» nicht therapierbar sein. Nun reitet man hier auf diesem Wort herum und vergisst, worum es geht: Die Bevölkerung muss vor Gewalttätern geschützt werden. Wenn in einem so glasklaren Fall wie bei Daniel H. schon eine lebenslange Verwahrung offenbar nicht möglich ist, wann dann?

Welche Folgen wird dieses Urteil des obersten Schweizer Gerichts haben?

Eine fatale Signalwirkung. Jeder Anwalt wird künftig das Verwahrungsurteil seines Mandanten vor Bundesgericht ziehen - und erschreckenderweise wohl noch Recht bekommen.

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