Entführte Schweizer: «Das ist eine dramatische Wende»

Aktualisiert

Entführte Schweizer«Das ist eine dramatische Wende»

Die Taliban wollen die zwei Schweizer Geiseln gegen eine in den USA inhaftierte Pakistanerin freipressen. Terror-Experte Rolf Tophoven erklärt im Interview, was diese Forderung bedeutet.

von
Adrian Müller

Die Taliban wollen die zwei Berner Geiseln gegen eine Top-Terroristin freipressen, die in den USA eine lebenslange Gefängnisstrafe absitzt. Wie schätzen Sie diese Entwicklung ein?

Rolf Tophoven: Diese Nachricht bedeutet eine dramatische Wende im Entführungsfall. Nach Wochen der Ungewissheit liegen nun konkrete Forderungen auf dem Tisch. Die jetzt von der Taliban aufgebaute, wohl kalkulierte Drohgebärde verheisst leider nichts Gutes. Denn die Taliban wissen genau: Die USA werden nie und nimmer auf diese Erpressung eingehen.

Wenn die USA die Terroristin nicht freilassen, wird ein Taliban-Gericht über das Schicksal der Schweizer entscheiden. Ist das ihr Todesurteil?

Die Lage ist durchaus ernst. Diese Gerichtsverhandlungen folgen möglicherweise dem Ehrenkodex der Taliban. Die Anklage wird nach Taliban-Massstäben festgesetzt. Dadurch ist schwer vorauszusagen, wie so eine Gerichtsverhandlung ausgeht. Es ist aber möglich, dass die Schweizer hingerichtet werden.

Die Taliban halten die Schweizer nun schon rund einen Monat in Gefangenschaft. Es macht doch auch aus Sicht der Entführer keinen Sinn, die Geiseln einfach zu töten.

In der Tat könnte die utopische Forderung ein taktischer Schachzug sein, um die Lösegeldsumme in die Höhe zu treiben. Ein Pokerspiel der Taliban also. Denn wenn sie ihre ‹Faustpfänder› einfach hinrichten, ziehen auch sie keinen Gewinn aus der Entführung.

Es gibt also noch Hoffnung für das Berner Paar. Was muss jetzt die Schweizer Regierung tun?

Die Variante Bargeld gegen Geiseln ist aus meiner Sicht die einzige Möglichkeit, den Entführten das Leben zu retten. Die Schweizer Regierung wird jetzt versuchen, über befreundete diplomatische Kanäle Kontakt mit den Geiselnehmern aufzunehmen und eine Lösung zu finden.

Wieso hat es eigentlich so lange gedauert, bis die Taliban eine Forderung gestellt haben? Und warum wollen sie nun ausgerechnet eine Frau freipressen?

Zuerst mussten sie die Schweizer in ein sicheres Versteck bringen. Durch die lange Funkstille sollte die Schweizer Regierung möglichst nervös gemacht werden. Mit Aafia Siddiqui versuchen sie eine weibliche Symbolfigur des Widerstandes freizupressen, eine Kämpferin zurückzuholen.

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