Fake-Flugblatt: «Das ist eine Frechheit und überhaupt nicht witzig»
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Fake-Flugblatt«Das ist eine Frechheit und überhaupt nicht witzig»

Die Aktion mit dem Fake-Flugblatt kommt bei Politikern und Passanten nur mässig an. Es gibt aber auch positive Stimmen – etwa von den Juso.

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mon/tam/wed

Ein gefälschtes Schreiben der Zürcher Sicherheitsdirektion kursiert zurzeit in der Stadt Zürich. Darin werden die Anwohner gebeten, einen abgewiesenen Asylbewerber bei sich im Keller aufzunehmen. Unterschrieben ist der Brief von SP-Regierungsrat Mario Fehr. Die tatsächliche Unterschrift ist aber von Recep Tayyip Erdogan. Bei dem Sicherheitsdepartement des Kantons Zürich spricht man von einer Fälschung. Die Kantonspolizei Zürich ermittelt bereits.

«Es ist überhaupt nicht witzig»

Bei Passanten in der Stadt Zürich kommt das gefälschte Flugblatt nur mässig an, wie eine Umfrage zeigt: «Es ist eine Frechheit, dass eine Urkunde gefälscht wird, indem man sich als Sicherheitsdirektor ausgibt», sagt ein Passant (18). Was auf dem Zettel stehe, sei absolut unmenschlich und überhaupt nicht witzig. Chantal Josefina Olivio Rivas (25) findet es ebenfalls frech, mit einem Fake-Flugblatt zu provozieren.

Simone Brander (40) dagegen kann der Aktion etwas abgewinnen: «Ich finde es gut, dass man darauf aufmerksam macht, unter welchen Bedingungen Asylbewerber im Kanton Zürich leben müssen.»

«Fehlender Absender verunmöglicht die sinnvolle Diskussion»

Auch auf politischer Ebene gibt es Reaktionen zum Fake-Schreiben: Andreas Daurù, Co-Präsident der SP Kanton Zürich, findet provokative politische Aktionen per se nicht schlecht, aber die Art und Weise in diesem Fall fragwürdig: «Hier wurde die Grenze zur Legalität überschritten.»

Urkundenfälschung sei nicht akzeptabel, sagt Daurù. «Ich finde es aber vor allem schade, dass kein Absender zu finden ist.» Dies verunmögliche eine sinnvolle Diskussion.

«Falsches Thema für eine Witz-Aktion»

Mauro Tuena, Präsident der Stadtzürcher SVP, versichert, dass weder die SVP noch die Jungpartei hinter der Aktion steht: «Wenn wir eine Kampagne machen, stehen wir auch hin und fälschen keine Briefe.» Für ihn sei das Asylwesen die falsche Thematik für eine solche Witz-Aktion. «Wir haben ein Asylwesen, das aus unserer Sicht den Namen nicht verdient. Es sind Leute in unserem Land, die nicht hierher gehören. Bestehende Gesetze müssen durchgesetzt werden», sagt Tuena.

Es sei deshalb möglich, dass Leute dahinter stecken, denen es aufgrund der aktuellen Zustände im Asylwesen einfach den «Deckel gelupft» habe. «Ich kann mir aber auch vorstellen, dass die Aktion von links kommt – schliesslich sind sie die grössten Kritiker von Fehrs Asylpolitik», sagt der SVP-Nationalrat.

Die Juso finden die Idee toll

Ganz anders beurteilt man die Aktion bei den Juso des Kantons Zürich. Die Jungpartei begrüsst die Aktion: «Wir finden die Idee toll. Denn es wird provokant auf ein bestehendes und wichtiges Problem hingewiesen», sagt Nadia Kuhn, Co-Präsidentin des Kantons Zürich. «Der Kanton Zürich hat die repressivste Asylpolitik der ganzen Schweiz. Menschen werden eingegrenzt und dürfen die ihnen zugewiesene Gemeinde nicht mehr verlassen. So etwas geht doch nicht!»

Dass die Aktion im Graubereich der Legalität liegt, sieht Kuhn. Man müsse aber auch das Anliegen im Verhältnis zum Nutzen sehen: «Wenn die dafür verantwortliche Gruppierung Aufmerksamkeit für die Situation der Asylsuchenden erreicht, ist das Vorgehen legitim.» Wer hinter dieser Aktion steckt, weiss sie aber nicht: «Wir waren es nicht», sagt die Co-Präsidentin. Sie glaubt, dass die Aktivisten aus der linksautonomen Szene stammen.

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«Wir möchten Sie bitten, in ihrem Keller einen abgewiesenen Asylsuchenden aufzunehmen», heisst in der Mitteilung.

«Wir möchten Sie bitten, in ihrem Keller einen abgewiesenen Asylsuchenden aufzunehmen», heisst in der Mitteilung.

20 Minuten
Die Unterschrift vom Zürcher Sicherheitsdirektor und SP-Regierungsrat Mario Fehr ist gefälscht.

Die Unterschrift vom Zürcher Sicherheitsdirektor und SP-Regierungsrat Mario Fehr ist gefälscht.

Keystone/Ennio Leanza
Beim Sicherheitsdepartement des Kantons Zürich hat man Kenntnis von dem Flugblatt: «Bei dem Schreiben handelt es sich um eine Fälschung.»

Beim Sicherheitsdepartement des Kantons Zürich hat man Kenntnis von dem Flugblatt: «Bei dem Schreiben handelt es sich um eine Fälschung.»

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