Mangel an Talenten: «Das ist eine gute Basis für Lohngespräche»
Aktualisiert

Mangel an Talenten«Das ist eine gute Basis für Lohngespräche»

Qualifizierte Arbeitskräfte werden in der Schweiz knapp. Damit steigen für die Mitarbeitenden die Chancen, Lohnerhöhungen zu erringen. Was Sie dabei wissen sollten.

von
Hans Peter Arnold
Unterbezahlten Fachkräften winkt im Herbst eine neue Chance für eine Lohnaufbesserung.

Unterbezahlten Fachkräften winkt im Herbst eine neue Chance für eine Lohnaufbesserung.

In der Schweiz geben 46 Prozent der befragten Unternehmen an, vom Talentemangel betroffen zu sein, wie aus einer am Dienstag publizierten Umfrage von Manpower hervorgeht. Vor einem Jahr hatte sich rund ein Drittel über den Mangel an qualifizierten Arbeitskräften beklagt. Letztmals war der Fachkräftemangel in der Schweiz im Jahr 2006 so hoch wie heute.

«Die aktuelle wirtschaftliche Prosperität und die zu erwartenden guten Unternehmensergebnisse sind grundsätzlich eine gute Basis für Lohngespräche», meint Urs Schuepbach, Generaldirektor von Manpower gegenüber 20 Minuten Online. Die Arbeitnehmer seien heute im stark ausgetrockneten Arbeitsmarkt in einer stärkeren Verhandlungsposition. Sie dürften daher durchaus «realistische Forderungen» auf den Verhandlungstisch bringen. Schuepbach: «Ich bin überzeugt, dass sich die längerfristig denkenden Arbeitgeber ihre wertvollen, gut qualifizierten und vor allem auch motivierten Arbeitskräfte angesichts der Schwierigkeiten bei der Rekrutierung etwas kosten lassen.»

«Fachkräfte verdienen bereits überdurchschnittlich»

Michel Ganouchi, Länder-Chef der Rekrutierungsfirma Monster, gibt zu bedenken, dass Fachkräfte in der Schweiz «sehr häufig schon überdurchschnittlich gut verdienen». Dazu komme, dass die Unternehmen sich der Situation bewusst seien und diese Kräfte häufig ohnehin automatisch in bevorstehende Lohnrunden mit einbeziehen würden. Über den Zeitpunkt von individuellen Lohnverhandlungen meint Ganouchi: «Wir glauben nicht, dass es dafür einen optimalen und idealen Zeitpunkt gibt.»

Trotzdem dürfte es laut Experten für Mitarbeitende generell vorteilhaft sein, über Sommer den eigenen Status zu überdenken. Tatsache ist nämlich: Wer erst im Dezember Lohnforderungen stellt, wird häufig mit der immer selben Begründung abgewimmelt: «Dafür gibt es keinen finanziellen Spielraum.» Der Hintergrund: Im Herbst werden in den meisten Unternehmungen die Budgets für das kommende Jahr erstellt.

Tipp: Lohnniveau in Erfahrung bringen

«Auch wir stellen einen Fachkräftemangel fest; und zwar breit abgestützt über verschiedenste Sektoren und Berufskategorien», sagt Rainer Gubler, Geschäftsleitungsmitglied von Humanis, die Manager und Fachkräfte vermittelt. Dem Gebot nach Fortbildung und die Weiterentwicklung der Kompetenzen bestehender Mitarbeiter, um vakante Posten im Unternehmen zu besetzen, komme ein wichtiger Stellenwert zu.

Zur Frage über die Möglichkeiten zu Lohnaufbesserungen meint Gubler: «Es lohnt sich, das durchschnittliche Lohnniveau in Erfahrung zu bringen - zum Beispiel im Gespräch mit Berufskollegen oder mit einem spezialisierten Personalberatungsunternehmen.» Hilfreich sind auch Lohnrechner. Danach könne man durchaus das Gespräch mit seinem Vorgesetzten suchen. Die Erfahrungen würden jedoch zeigen: «Der Lohn ist ein Faktor unter vielen.» Flexible Arbeitszeitmodelle, Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten, Entwicklungsperspektiven oder die Möglichkeit, von zu Hause aus zu arbeiten, würden ebenso zählen.

Deine Meinung