Aktualisiert 11.06.2015 14:45

Berner Bahnhof-Umbau

«Das ist eine Operation am offenen Herzen»

Dichtes Gedränge, enge Perrons und genervte Gesichter: Diesem Pendleralltag am Bahnhof Bern wollen SBB und RBS mit einem Monsterprojekt Abhilfe schaffen.

von
Andrea Muff
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Im zweitgrössten Schweizer Bahnhof entsteht eine neue «Unterführung Mitte» ...

Im zweitgrössten Schweizer Bahnhof entsteht eine neue «Unterführung Mitte» ...

... mit Ausgängen zum Bubenbergplatz ...

... mit Ausgängen zum Bubenbergplatz ...

...und zur Länggasse.

...und zur Länggasse.

Es werde eine Operation am offenen Herzen, darüber sind sich alle Beteiligten an der Medienkonferenz am Donnerstag einig. Denn der Umbau findet bei laufendem Betrieb statt. «Alle Bahnverbindungen sollen weiterhin eingehalten werden», sagt Philippe Gauderon, Leiter SBB Infrastruktur. Denn dass der zweitgrösste Bahnhof der Schweiz aus allen Nähten platzt, ist nichts Neues.

Erster Ausbauschritt

Die Pläne des ersten Ausbauschrittes haben es in sich: Unterhalb der bestehenden Gleise 2 bis 7 soll erstens ein neuer RBS-Tiefbahnhof mit vier Gleisen entstehen. Zweitens wird im Bahnhof eine neue Unterführung Mitte mit Ausgängen zum Bubenbergplatz und zur Länggasse gebaut. Baustart des Monsterprojekts ist voraussichtlich Anfang 2017. «Ziel ist es, die neuen Bauwerke im Jahr 2025 in Betrieb zu nehmen», so Regierungsrätin Barbara Egger-Jenzer, Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion.

Die neue Unterführung Mitte soll eine erhebliche Entlastung bei Stosszeiten bringen. Dabei werde auch die Wand gegenüber dem Gleis 1 entfernt: «Die ganze Unterführung bekommt so mehr Licht und wird attraktiver», sagt Philippe Gauderon, Leiter SBB Infrastruktur.

Perrons werden deutlich breiter

Mit dem neuen Tiefbahnhof RBS soll der heute 50-jährige und aus allen Nähten platzende RBS-Bahnhof ersetzt werden. Bisher stehen die Pendler Schulter an Schulter und warten auf den Zug. Deshalb werden die zu engen Perrons ausgebaut und dreimal breiter. Zusätzlich bekommt der RBS-Bahnhof einen direkten Lift zum regionalen Busterminal.

«Um bei unserer Metapher, der Operation am offenen Herzen, zu bleiben, wird der RBS-Bahnhof in einem arthroskopischen Vorgehen erbaut – wie ein Maulwurf graben wir uns unter den bestehenden Bahnhof», sagt RBS-Direktor Fabian Schmid. Das Baurecht des alten RBS-Bahnhofs gehe danach zurück an die SBB, hier könnte so auch eine zusätzliche Velostation entstehen, mutmasst Schmid.

Wie wichtig das Velo beim modernen Pendeln ist, spricht auch die anwesende Berner Gemeinderätin Ursula Wyss an. «Die Zugänglichkeit mit dem Fahrrad zum und vom Bahnhof weg muss gewährleistet sein», sagt Wyss. Der neue Veloparking bei der Schanzenpost befinde sich im Aufbau und werde ab 2016 für rund tausend Bikes Platz bieten.

Total 867 Millionen Franken

Die Kosten des ersten Schrittes belaufen sich gemäss aktuellem Projektstand auf 522 Mio. Franken für den neuen RBS-Bahnhof und auf 345 Mio. Franken für die Publikumsanlagen der SBB. «Diese Projekte sind weitgehend finanziert», sagt Regierungsrätin Egger-Jenzer.

Nach Abschluss des Monsterprojekts im Jahr 2025 folgt gleich der zweite Streich, bei dem zusätzliche Geleise und Perrons eingebaut werden. Die Finanzverantwortung für diesem zweiten Ausbauschritt liegt dank der Annahme der FABI-Vorlage beim Bund.

Für die Bevölkerung steht ab dem 16. Juli ein Infopavillon auf der Parkterrasse mit einem Modell, Visualisierungen, Filmen und Pläne über den Ausbau des Bahnhofs.

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