Kritik an Bank Wegelin: «Das ist eine Riesen-Sauerei»
Aktualisiert

Kritik an Bank Wegelin«Das ist eine Riesen-Sauerei»

Nach dem Schuldgeständnis haben Vertreter der Bank Wegelin auch andere Finanzinstitute schlecht gemacht. Das sorgt für Unmut bei den Parteipräsidenten – quer durch alle Lager.

von
jep
FDP-Parteipräsident Philipp Müller ist enttäuscht von seinem Parteikollegen Konrad Hummler.

FDP-Parteipräsident Philipp Müller ist enttäuscht von seinem Parteikollegen Konrad Hummler.

Schweizer Parteipräsidenten reagieren scharf auf die Aussage von Wegelin-Teilhabern, Beihilfe zur Steuerhinterziehung sei auf dem Schweizer Finanzplatz gängige Praxis gewesen. Als «Riesen-Sauerei» bezeichnet dies FDP-Präsident Philipp Müller in der «Zentralschweiz am Sonntag»: «Das Ganze passt zum Geschäftsgebaren dieser Banken, die im Visier der US-Justiz sind: Um die eigene Haut zu retten, schwärzt man die anderen an.»

Gegenüber der «SonntagsZeitung» zeigte sich Müller auch schwer enttäuscht von seinem Parteifreund: «Ich hätte das von Konrad Hummler, der uns immer belehrt hat, nicht gedacht.» Auch SP-Präsident Christian Levrat ist sauer: «Diese Aussage ist eine Katastrophe für den Finanzplatz.» Dieser Meinung ist zwar auch SVP-Präsident Toni Brunner, er sieht die Schuld dafür im Handeln der Finanzministerin Eveline Widmer-Schlumpf, die weder «willens noch fähig» sei, eine Lösung für alle Banken auszuhandeln. «Jetzt ist jeder sich selbst der Nächste.»

Gerichtskommission knöpft sich Teilhaber vor

Trotz des Schuldeingeständnis der St. Galler Privatbank Wegelin vor den US-Justizbehörden, kommt es womöglich noch zu einem Nachspiel. So nimmt sich die Gerichtskommission des Parlaments laut der «Zentralschweiz am Sonntag» den ehemaligen Wegelin-Teilhaber David Zollinger vor. Zollinger ist ehemaliges Geschäftsleitungsmitglied und er sitzt in der Aufsichtsbehörde über die Bundesanwaltschaft.

Genau wegen dieser Verquickung kommt Kritik auf. Die Gerichtskommssion der eidgenössischen Räte wird die Personalie Zollinger an ihrer kommenden Sitzung am 20. Februar beraten, wie Kommissionspräsident Hans Hess gegenüber der «Zentralschweiz am Sonntag» bestätigt.

Mehrere Mitglieder der Kommission wollen insbesondere wissen, wie aktiv Zollinger im US-Geschäft der Bank involviert war. «In diesem Fall wäre seine Integrität infrage gestellt», sagt der Aargauer Nationalrat Beat Flach (glp). Zollinger entgegnet auf Anfrage, dass sich Aufsichtsbehörde und Parlament bereits im vergangenen Jahr mit ihm befasst und keinerlei Handlungsbedarf festgestellt hätten. «Die Anklage betraf meinen Arbeitgeber, aber nicht mich.» Er gehe davon aus, dass diese Einschätzung weiterhin gelte.

Credit Suisse droht Milliardenbusse

Die Bank Wegelin hat sich diese Woche mit einer 74-Millionen-Dollar-Zahlung von einem langwierigen Prozess in den USA freigekauft. Über anderen Schweizer Banken schwebt dieses Damoklesschwert jedoch weiterhin. Gemäss der Zeitung «Der Sonntag» rechnet die Geschäftsführung der Credit Suisse inzwischen damit, dass sie dereinst eine Zahlung in der Grössenordnung dessen leisten muss, was die UBS damals für ihren Ablass bezahlt hat. Das wären rund 780 Millionen Franken.

In Finanzkreisen wird sogar erwartet, dass die Busse die Milliardengrenze sprengen könnte. Die Zürcher Grossbank hat denn auch seit längerem eine Rückstellung über 295 Millionen Franken in ihren Büchern stehen – wohl wissend, dass dies noch immer zu wenig sein wird. Andere Banken verdrängen die anstehende Busse noch immer komplett. Weder die Zürcher noch die Basler Kantonalbank haben bisher Rückstellungen gebildet, auch wenn mit dem Fall Wegelin inzwischen Anhaltspunkte dafür bestehen, wie die US-Behörden ihre Forderungen berechnen. Beide Banken betonen gegenüber dem «Sonntag», es lägen keine neuen Erkenntnisse bezüglich allfälliger Bussen vor.

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