YB-Trainer Rueda: «Das ist einer der bittersten Momente»
Aktualisiert

YB-Trainer Rueda«Das ist einer der bittersten Momente»

Ein Berner Sieg, der sich wie eine Niederlage anfühlt. YB scheidet aus der Europa League aus und ist enttäuscht wie selten zuvor.

von
Eva Tedesco

YB fliegt trotz Sieg gegen Anschi aus der Europa League. Trainer Martin Rueda ist enttäuscht. (Video: 20 Minuten Online)

Das sieht man wohl auch ganz, ganz selten: YB gewinnt gegen die Millionen-Startruppe Anschi 3:1 und steht am Ende mit langen Gesichtern da. Die Enttäuschung war Spielern und auch Trainer Martin Rueda anzusehen. Der YB-Trainer sah gezeichnet aus nach dem Ausscheiden aus dem Europacup. «Wir sind enttäuscht, dass wir wie Liverpool und Anschi zehn Punkte haben und die K.o-Phase dennoch verpasst haben», so Rueda nach dem Sieg, der am Ende eine bittere Niederlage ist.

«So etwas habe ich noch nie erlebt», so der YB-Trainer, «Nicht als Spieler und nicht als Trainer. Wir haben in einer sehr schwierigen Gruppe mit Spitzenteams wie Liverpool und Anschi sehr gute Leistungen gezeigt und gleich viele Punkte gemacht und trotzdem reichts nicht. Das habe ich wirklich noch nie erlebt.» Dafür musste Rueda wohl wirklich erst nach Bern kommen. Denn irgendwie passt auch diese Situation zu den Gelbschwarzen der letzten Jahre. Es gäbe einige Beispiele, aber herausgepickt sei ein Müsterchen: Da führen sie eine komplette Meisterschaft lang die Tabelle an und vergeigen am letzten Spieltag im Mai 2010 den Titel gegen den FCB.

Ein Remis in Moskau hätte gereicht

So ähnlich kann man es auch auf den Europacup umlegen. Nur hatte es YB gegen Anschi am Donnerstagabend nicht in den eigenen Füssen. Das Weiterkommen der Berner war vom Resultat zwischen Udinese und Liverpool abhängig. Wo aber haben es die Hauptstädter vergeigt? Rueda: «Vielleicht beim 3:5 gegen Liverpool, aber ganz sicher in Moskau, wo wir gut und gerne ein Remis herausholen hätten können.» Dann hätte es tatsächlich auch gereicht.

Bitter war es auch für Moreno Costanzo. Der feine Techniker schmorte in der aktuellen Saison meist auf der Ersatzbank. Gegen Anschi kam er, auch weil sich Elsad Zverotic verletzt hat, endlich wieder einmal von Beginn an zum Zug – und zahlte das Vertrauen des Trainers mit dem Treffer zum 2:1 (52.) zurück. Es war ein Muster der besonderen Qualitäten des 24-Jährigen. Ein Schuss aus der Distanz mit viel Gefühl und unhaltbar für Keeper Vladimir Gabulov. «Die Enttäuschung überwiegt, wenn man mit zehn Punkten ausscheidet. Ich glaube, das ist einer der bittersten Momente, an die ich mich im Fussball erinnern kann.»

YB war schnell im Bild

YB sei über das Resultat im Parallelspiel informiert gewesen. Die Spieler erfuhren in der Halbzeitpause den Zwischenstand und Costanzo habe sich zudem beim Konditionstrainer informiert, als er nach seiner Auswechslung (73.) zur Bank kam. «Am Spielschluss waren wir auch schnell informiert, das war kein schönes Gefühl. Natürlich freue er sich über seinen Treffer. «Das Tor tut mir sicher gut, den ich hatte einige schwierige Momente zuletzt. Aber ich wäre doch lieber weitergekommen. Dennoch: Wir können stolz auf die Leistungen sein, die wir in der Europa League gezeigt haben. Das kann sich in der Schweiz sehen lassen. Jetzt ist die Doppelbelastung weg und wir können uns voll auf die Meisterschaft konzentrieren.»

Dort hat YB zuletzt auch in die Spur zurückgefunden. Wie werden die Berner aber das bittere Aus in Europa wegstecken? «Wir müssen seriös weiterarbeiten. Ich denke, im Vordergrund müssen unsere guten Leistungen stehen und uns Vertrauen und Sicherheit geben. Das Nicht-Erreichen des Sechzehntelfinals darf keinen Knacks in der Mannschaft auslösen. Was zählt, sind die Punkte und Siege, die wir geholt haben.»

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