Nicola Spirig: «Das ist emotionaler als das Gold von London»
Aktualisiert

Nicola Spirig«Das ist emotionaler als das Gold von London»

Sie habe Silber gewonnen, nicht Gold verloren. Nicola Spirig zeigt sich nach der zweiten Olympia-Medaille überglücklich.

von
Marcel Allemann
Rio
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Silber funkelt ebenso schön wie Gold: Nicola Spirig im Kreise ihrer Liebsten.

Silber funkelt ebenso schön wie Gold: Nicola Spirig im Kreise ihrer Liebsten.

AFP/Leon Neal
Ihre Jungs sind mächtig stolz auf die 34-Jährige. Ehemann Reto Hug und Söhnchen Yanis.

Ihre Jungs sind mächtig stolz auf die 34-Jährige. Ehemann Reto Hug und Söhnchen Yanis.

AFP/Leon Neal
Die Erleichterung ist riesig. Spirig lässt sich im Ziel gehen.

Die Erleichterung ist riesig. Spirig lässt sich im Ziel gehen.

Keystone/Peter Klaunzer

«Ich bin sehr, sehr happy», erklärte Spirig, «meine Taktik ist aufgegangen, es war ein Super-Rennen. Gwen Jorgensen war am Ende einfach besser und hat sich Gold verdient. Doch ich sehe auch mich als Siegerin, ich habe erneut eine olympische Medaille gewonnen», freute sich die Zürcherin. Die 34-Jährige bedauerte einzig, «dass ich erneut keine Zeit hatte, mir vor dem Ziel eine Schweizer Flagge zu schnappen». Vor vier Jahren in London war dies nicht möglich, weil sie sich mit der Schwedin Lisa Norden im direkten Endspurt befand. Dieses Mal, weil von hinten die beiden Britinnen Vicky Holland und Non Stanford immer näherkamen und Spirig ihre Silbermedaille ins Ziel retten musste.

«Ich bin sehr stolz auf das, was ich geleistet habe»

Als sie im Ziel war, habe sich das noch besser angefühlt als nach ihrem Triumph vor vier Jahren in London: «Dieses Silber ist für mich emotionaler als das Gold von damals. Denn wegen des Handbruchs im März hatte ich keine einfache Vorbereitung. Ich bin nun sehr stolz auf das, was ich geleistet habe.» Spirig erklärte weiter: «Nach dem Gold von London, nach vier Jahren, in denen so viel passiert ist, nochmals eine Medaille zu holen, ist für mich das Tüpfchen auf dem I.»

Spirig nahm nochmals Stellung zu den Diskussionen, welche sie mit Jorgensen während dem Laufen, als die beiden noch gemeinsam an der Spitze lagen, führte: «Das waren mentale Spielchen. Sie führte zunächst im Gegenwind, ich im Rückenwind, und als wir wieder in den Gegenwind kamen, meinte sie, ich solle nun übernehmen. Ich antwortete darauf, dass sie dies tun müsse, denn im Gegensatz zu ihr hätte ich schon eine Olympia-Medaille.» Sie habe versucht, ihre Gegnerin aus dem Rhythmus zu bringen, doch es habe nicht funktioniert.

«Ich wollte die anderen müde machen»

Dass sie bereits auf dem Rad immer wieder angegriffen hatte, bedauerte Spirig nicht. «Ich habe immer gesagt, dass ich die Fitteste im Feld bin, und ich wollte, dass alle bereits mit müden Beinen vom Rad steigen müssen, bevor es auf die Laufstrecke geht. Ich wollte auch, dass die härtesten Triathletinnen die Medaillen unter sich ausmachen, sich keine zurücklehnen und am Ende profitieren kann.»

Den Grundstein zu ihrer Medaille legte Spirig mit einem starken Schwimmen, welches sie in der Spitzengruppe abgeschlossen hatte. «Ins Schwimmen haben wir enorm viel investiert», so die zweifache Olympia-Medaillengewinnerin, «die Schwimmer in meinem Schwimmclub haben mich ausgelacht, weil ich mehr Kilometer-Einheiten absolvierte. Zudem habe ich mir für das Schwimmen im Meer mit den Wellen eine spezielle Technik angeeignet.»

«Nun steht die Familie im Vordergrund»

Mit der Silbermedaille um den Hals verändern sich für Nicola Spirig die Prioritäten: «Nun steht erst einmal die Familie im Vordergrund. Wir bleiben noch zwei Tage in Rio und werden danach nochmals einen Stopp einlegen, bevor wir aus Sao Paulo heimfliegen.» Die Zürcherin wurde in Rio von ihrer Familie begleitet. Söhnchen Yannis (dreieinhalbjährig) vergnügte sich an der Copacabana zumeist beim Spielen am Strand, während sein Mami die Silbermedaille einfuhr.

An ihrem schon länger feststehenden Entschluss, auch sportliche Veränderungen vorzunehmen, hielt Spirig nach ihrem neuerlichen Medaillen-Triumph fest: «Das war definitiv mein letzter olympischer Triathlon. Was ich in Zukunft mache, werde ich später entscheiden.»

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