Aktualisiert 04.10.2011 12:29

Schande von Zürich

«Das ist für mich Arbeits-Verweigerung»

Nach dem 226. Zürcher Derby wurde nicht nur über Chaoten, sondern doch noch über die sportliche Leistung gesprochen. FCZ-Coach Urs Fischer ging mit seiner Mannschaft hart ins Gericht.

von
ete

«Das war mit Abstand die grösste Enttäuschung für mich und ich entschuldige mich bei allen FCZ-Fans für den lustlosen Auftritt.» Deutliche Worte von FCZ-Trainer Urs Fischer nach dem abgebrochenen Zürcher Derby. Doch der Coach fand auch lobende Worte – für den Gegner. «GC hat fantastisch gespielt: mit Laufbereitschaft, mit Wille, Engagement und Kampfgeist. Alles, was man braucht und alles, was meine Mannschaft nicht hatte», sagte Fischer an der Pressekonferenz nach dem Spiel - obwohl an diesem Sonntagabend keiner mehr so richtig Lust hatte, noch über den sportlichen Teil im Letzigrund zu reden.

Nach den Krawallen und hässlichen Szenen während des 226. Zürcher Derbys geriet das Interesse am eigentlichen Anlass, dem Spiel zwischen GC und dem FCZ, in den Hintergrund. Zum Leidwesen des Grasshopper Clubs. Denn die Mannschaft von Ciriaco Sforza zeigte die bisher beste Saisonleistung und hatte den Stadtrivalen über 77 Minuten schwindlig gespielt. Die 2:1-Führung zum Zeitpunkt des Abbruchs war nicht nur die logische Folge, sondern auch verdient. Das Resultat hätte mit mehr Effizienz weit deutlicher ausfallen müssen. Der FCZ hingegen dilettierte sich durch die Partie. Ausser bei der missratenen Flanke von Philippe Koch, die sich zum zwischenzeitlichen 1:1 hinter GC-Goalie Roman Bürki ins Tor senkte, war vom Vize-Meister nichts zu sehen. Und gäbe es das Wort «unterragend», dann müsste man es für die Performance des FCZ an diesem Sonntag verwenden.

Fischer poltert

An der Pressekonferenz platzte Urs Fischer schliesslich der Kragen. «So geht es nicht! Was meine Mannschaft gezeigt hat, damit kann ich mich nicht einverstanden erklären. Das ist für mich Arbeitsverweigerung», poltert der FCZ-Trainer. «Da gibt es mehr als ein ernsthaftes Wort, das ich mit meiner Mannschaft reden werde.» Fischer versteht nicht, dass man in so einem wichtigen Spiel nicht einmal im Ansatz bereit war, GC Paroli zu bieten. Während der Nati-Pause wartet viel Arbeit auf den Coach. Denn in dieser Verfassung wird der FCZ wohl keinem Gegner in der Super League Paroli bieten können.

Sieger sehen anders aus. Ciriaco Sforza schüttelt immer wieder den Kopf, während er mit leerem Blick die Medienkonferenz über sich ergehen lässt. Der GC-Trainer ist frustriert. Kurz fällt auch seine Analyse aus. «Wir haben gezeigt, was und wohin wir wollen. Die Mannschaft hat Leidenschaft gezeigt und Herz – leider haben wir nur zwei Tore geschossen.» Zu den Vorfällen will Sforza nichts sagen. Der GC-Coach meint sauer: «Zu dieser Scheisse will ich mich gar nicht mehr äussern.»

Liga, echte Fans und Politik gefordert

Das werden jetzt andere tun müssen. Vor allem muss aber gehandelt werden. Gefordert sind viele: Zum Beispiel die Disziplinarkommission der Liga mit dem Urteil. Echte Fans, die ihre Kurve einer Selbstreinigung unterziehen und ihre ganze Energie maximal in tolle Choreos investieren. Und auch die Politik mit sinnvollen Gesetzesänderungen. Denn Datenschutz usw. für Randalierer, die Verletzungen oder gar das Leben unschuldiger Menschen in Kauf nehmen, sollte es nicht geben.

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