Gastro zum Bundesratsentscheid - «Das ist für uns die beste News in den letzten fünf Monaten»
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Gastro zum Bundesratsentscheid«Das ist für uns die beste News in den letzten fünf Monaten»

Restaurants und Bars müssen wohl bis mindestens Ende Mai ihre Innenräume geschlossen halten, teilte der Bundesrat mit. Zudem legt er einen konkreten Exit-Plan vor. Gerade die Clubs und Bars schlagen jetzt positive Töne an.

von
Barbara Scherer
Janine Gloor
Dominic Benz
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Seit Montag dürfen Restaurant Terrassen wieder offen haben.

Seit Montag dürfen Restaurant Terrassen wieder offen haben.

20min/Michael Scherrer
Die Innenbereiche dürfen aber nicht vor Ende Mai geöffnet werden, wie der Bundesrat am Mittwoch bekannt gab.

Die Innenbereiche dürfen aber nicht vor Ende Mai geöffnet werden, wie der Bundesrat am Mittwoch bekannt gab.

20min/Taddeo Cerletti
Viele Gastronomen wünschen sich aber eine raschere Lockerung der Massnahmen.

Viele Gastronomen wünschen sich aber eine raschere Lockerung der Massnahmen.

20 Minuten

Darum gehts

  • Der Bundesrat sieht vor dem 26. Mai kaum Möglichkeiten für weitere Öffnungsschritte.

  • Die Innenräume der Gastrobetriebe bleiben daher noch lange zu.

  • Aus der Branche kommen unterschiedliche Meinungen zum Entscheid.

  • Vor allem das Drei-Phasen-Modell für den Weg aus der Krise gibt einigen Hoffnung.

Seit Montag können Schweizerinnen und Schweizer wieder auf Terrassen und in Aussenbereichen von Restaurants und Bars essen und trinken. Innenräume bleiben aber weiter Tabu. Und das wird wohl noch mehrere Wochen so bleiben.

Wie der Bundesrat am Mittwoch mitgeteilt hat, werden vor dem 26. Mai «kaum weitere Öffnungsschritte möglich sein». Grund seien die bisherigen weitreichenden Öffnungen und die fragile epidemiologische Lage. Gleichzeitig hat der Bundesrat seinen Exit-Plan aus der Krise konkretisiert und ein Drei-Phasen-Modell vorgestellt (siehe Box unten).

Angestellte umplatzieren

Für die ohnehin schon schwer gebeutelte Gastrobranche bedeutet die anhaltende Schliessung der Innenräume bis mindestens Ende Mai weiteren wirtschaftlichen Schaden. Die derzeitige Situation sei nicht einfach, sagt Dominique Godat, Leiter der Zürcher Kronenhalle zu 20 Minuten. Denn die Kronenhalle hat keine Terrasse.

«Bleibt es weiterhin schön, essen die Leute lieber im Aussenbereich eines Restaurants, als bei uns Take-Away zu bestellen», so Godat. Darum versucht die Kronenhalle im Moment die Serviceangestellten in anderen Restaurants mit Terrasse zu platzieren. Dass die nächsten Öffnungen erst ab Ende Mai möglich sein werden, erstaunt Godat letztlich nicht: «Ich habe ehrlich gesagt nicht mit weiteren Lockerungen vor Juni gerechnet.»

Gastro Suisse beklagt in einer Medienmitteilung die «äusserst düsteren» Aussichten für das Gastgewerbe. «Die Innenräume der Restaurants können frühestens Ende Mai, aber unter Umständen auch erst Ende Juli geöffnet werden. Das ist dramatisch und die Branche wird damit klar benachteiligt», heisst es in der Mitteilung weiter. Casimir Platzer, Präsident von Gastro Suisse, sagt: «Dass die Innenräume weiterhin zu bleiben müssen, ist unverständlich und nicht nachvollziehbar.»

Optimistische Clubs

Positive Töne schlägt Alexander Bücheli von der Bar und Club Kommission Zürich an: «Das ist für uns die beste News in den letzten fünf Monaten. Das Drei-Phasen-Modell zeigt uns eine Perspektive auf und deutet an, dass es für das Nachtleben eine Zukunft gibt.» Man sei jetzt gespannt, ob es weitere Informationen zu Pilotveranstaltungen vor Ende Mai geben wird. «Unsere Türen stehen offen, um solche durchzuführen», so Bücheli.

Überrascht vom Entscheid des Bundesrats ist hingegen Urs Pfäffli, Präsident von Gastro Zürich-City. «Wir haben nicht erwartet, dass der Bund so früh schon ein Datum kommuniziert, das noch über einen Monat entfernt ist.» Beim Drei-Phasen-Konzept gelte es zu vermeiden, dass diejenigen Personen, die nicht geimpft sind, ausgegrenzt werden. «Es soll keine Zweiklassengesellschaft entstehen», sagt Pfäffli.

Fehlende Terrassen

Für Gastro Bern Präsidentin Eveline Neeracher steht zudem fest: Wenn die Zahlen weiter sinken, muss der Bundesrat nochmals über die Bücher. «Nehmen die Fallzahlen ab, müssten weitere Öffnungsschritte vor Ende Mai möglich sein.»

Eine schnelle Lockerung der Massnahmen wünscht man sich auch bei der Bindella-Gruppe. Dort verfügen nicht alle Betriebe über Aussenplätze. So sind derzeit von den 44 Betrieben gerade einmal 15 geöffnet, erklärt Rudi Bindella Junior auf Anfrage. «In unserem Fall findet das Geschäft hauptsächlich drinnen statt.» Die Krise werde auf dem Rücken der Gastronomie ausgetragen. Die andauernde Schliessung sei unverhältnismässig: «Dadurch entstehen irreparable Schäden für unseren Berufsstand.»

Wütend ist auch Franz Sepp Caluori, Präsident von Gastro Graubünden: Er beschreibt den Plan des Bundesrats als «eine Ohrfeige». Dass die Restaurants erst Ende Mai vollständig öffnen können, sei inakzeptabel: «Es muss schneller geimpft werden, damit die Gastrobranche nicht mehr leiden muss», so Caluori.

Drei-Phasen-Modell

So sieht der Exit-Plan aus

Die Schweiz soll mit einem Drei-Phasen-Modell aus der Krise kommen, wie der Bundesrat nach seiner Sitzung am Mittwoch bekannt gab. Der Exit-Plan ist nun bei den Kantonen in Konsultation. Wie lange die einzelnen Phasen dauern, hängt von der Impfbereitschaft der jeweiligen Bevölkerungsgruppen und dem Verlauf der Impfkampagne ab.

Schutzphase: Die Schutzphase dauert so lange an, bis alle impfwilligen besonders gefährdeten Personen vollständig, das heisst mit zwei Dosen, geimpft sind. Sofern die Impfbereitschaft in dieser Gruppe bei 75 Prozent liegt, geht der Bundesrat davon aus, dass diese Phase Ende Mai 2021 beendet sein wird.

Stabilisierungsphase: Während der Stabilisierungs-Phase sind noch nicht alle Personen geimpft, die sich schützen möchten. Während dieser Phase erhält die gesamte erwachsene Bevölkerung Zugang zur Impfung. Es kann angenommen werden, dass die vollständige Impfung (zwei Dosen) der erwachsenen Bevölkerung bis Ende Juli 2021 abgeschlossen ist. Voraussetzung ist, dass es bei den Impfstoffproduzenten zu keinen weiteren Lieferproblemen kommt und die Verimpfung planmässig voranschreitet.

Normalisierungsphase: Der Bundesrat ist der Ansicht, dass dann keine starken gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Einschränkungen mehr zu rechtfertigen sind. Die verbleibenden Massnahmen (Zugangs- und Kapazitätsbeschränkungen) sollen schrittweise aufgehoben werden. An dieser Strategie soll auch dann festgehalten werden, wenn die Impfbereitschaft der Bevölkerung entgegen der Erwartungen tief bleibt.

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