Aktualisiert 08.02.2010 14:40

Bubenstreich in der SBB«Das ist kein Missbrauch»

Weil drei Jugendliche ihre gültigen Billette untereinander tauschten, erhielten sie eine saftige Rechnung. Die SBB zeigte sich darauf kulant. Trotzdem sollen die Eltern die Verwaltungsgebühr zahlen - obwohl laut Staatsrechts-Experte kein Missbrauch begangen wurde.

von
Annette Hirschberg
Wem gehört welches Ticket?

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Drei Teenager erhielten eine Strafe wegen Missbrauchs von Fahrausweisen. Ihr Vergehen: Sie hatten auf dem Weg von Biel nach Bern die Abonnemente untereinander getauscht. Die Zugbegleiterin verstand aber keinen Spass und zeigte sie wegen Missbrauchs und Fahren ohne gültigen Fahrausweis an.

«Das ist kein Missbrauch», sagt Felix Uhlmann, Professor für Staatsrecht an der Uni Zürich zu 20 Minuten Online. Die Strafe von 134.80 Franken sei darum unverhältnismässig. Die drei Teenager seien alle miteinander im Abteil gesessen und verfügten alle über gültige Abonnemente. «In dieser Situation ist klar, dass keiner fährt, ohne zu zahlen, darum ist die Unterstellung von Missbrauch nicht gerechtfertigt.»

Auch die SBB sind den 3 Teenagern mittlerweile entgegengekommen und haben die Missbrauchsgebühr von 100 Franken gestrichen. Lediglich den Verwaltungsaufwand will sie den Eltern noch verrechnen. Doch Mischas Mutter Claudia R. möchte sich mit dem Entgegenkommen der SBB nicht zufrieden geben. Sie will auch die verbliebenen 30 Franken nicht zahlen. «Aus Prinzip», findet Claudia R.*. Für sie ist klar: «Mischa hatte ein gültiges Billett und die Kontrolleurin hat übertrieben reagiert.» Sie fordert von der SBB, künftig in solchen Fällen mehr Augenmass zu zeigen. «Sonst darf ich ja auch nicht mehr das Abonnement meines Mannes für ihn zeigen.» Claudia R. möchte darum, dass die SBB auf jegliche Forderungen verzichtet.

Verwaltungsgebühren zahlen

In diesem Fall gibt ihr Felix Uhlmann aber nicht ganz recht. «Einem Mandanten würde ich wohl raten, die Verwaltungsgebühren zu zahlen», sagt der Staatsrechtsprofessor. Das Verhalten der Teenager habe einen gewissen Aufwand verursacht, dafür müssten sie jetzt aufkommen.

Für die Familie R. bleibt nur zu hoffen, dass sich die Ombudsstelle öffentlicher Verkehr auf ihre Seite schlägt. Von dieser war bis jetzt noch keine weitere Stellungnahme zu erhalten.

*Name der Redaktion bekannt

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