Grob fahrlässige Handlung - «Das ist lebensgefährlich wie eine Bombe»
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Grob fahrlässige Handlung«Das ist lebensgefährlich wie eine Bombe»

In Muotathal SZ haben Unbekannte am Sonntag eine Gasflasche in eine brennende Feuerstelle gestellt. Weil dies lebensgefährlich ist, warnen Fachleute vor solchen Aktionen.

von
Daniela Gigor
In der Mitte der Feuerstelle ist die blaue Gasflasche gut zu erkennen. 

In der Mitte der Feuerstelle ist die blaue Gasflasche gut zu erkennen.

Leserbild Bote der Urschweiz

Darum gehts

  • In Muotathal SZ haben Unbekannte am Sonntag eine Gasflasche mitten in einer Feuerstelle platziert.

  • Die Polizei und der Feuerwehrinspektor verurteilen diese Tat unisono als «grob fahrlässig und völlig unverständlich.»

  • Wäre die Gasflasche explodiert, könnten die entstehende Druckwelle und der Feuerball lebensgefährlich sein. Und es gebe laut einem Experten Splitter wie bei einer Handgranate.

  • In der Nähe des Fundorts hielt sich unwissentlich eine Familie mit einem Kind auf.

  • Derartige Funde sollen sofort der Polizei gemeldet werden.

Kürzlich präsentierte sich einem Leser des Boten ein Bild, das ihn erschaudern liess: Hinter einer Sandbank bei der Muota in Muotathal SZ sah er, wie Unbekannte eine Gasflasche inmitten einer Feuerstelle platziert hatten. Wie auf seinem Bild unschwer zu erkennen ist, musste die Feuerstelle zuvor entfacht worden sein, denn sowohl die Holzscheite wie auch die Gasflasche wurden durch die Flammen vom entstandenen Russ geschwärzt. «Das ist eine grob fahrlässige Handlung, die völlig unverständlich ist», sagen Florian Grossmann, Mediensprecher der Kantonspolizei Schwyz, und der kantonale Feuerwehrinspektor Urs Schönbächler unisono gegenüber dem Bote (Bezahlartikel).

Ganz in der Nähe des Fundorts spielte ein kleines Kind

Feuerwehrinspektor Schönbächler erklärt: «Diese Metallkartusche verhält sich bei Erhitzung wie eine Bombe. Sie explodiert und es entstehen Splitter wie bei einer Handgranate.» Die Druckwelle und der Feuerball seien lebensgefährlich, wenn die Kartusche explodiert wäre. Wie der Bote weiter schreibt, sah der Zeuge, dass sich in der Nähe der gefährlichen Feuerstelle eine Familie mit einem spielenden Kind aufgehalten hatte, das etwa auf zwei Jahre alt geschätzt wurde. «Ich will mir nicht ausdenken, was in einem solchen Moment passieren könnte. Ich konnte nicht feststellen, ob die Flasche, der verbrannte Karton und das angesengte Holz noch heiss waren. Dieses Risiko wollte ich nicht auf mich nehmen», sagte der Leser weiter.

Lebensgefährliche Verletzungen sind in fünf Metern Entfernung möglich

Ein derartiges Risiko sollte auch nie eingegangen werden. Eine derartige Gasflasche soll wie ein Blindgänger behandelt werden, und darum sollte auch sofort die zuständige Polizei über den grausigen Fund informiert werden, weil eine grosse Detonation möglich wäre. Schönbächler: «Die Druckwelle und der Feuerball, der bei einer Explosion ausgelöst wird, reicht bis zu fünf Meter Entfernung, um noch lebensgefährliche Verletzungen auszulösen. Von den Splittern reden wir noch gar nicht. Wir zeigen jeweils bei Aus- und Weiterbildungen von Feuerwehrleuten, was bei einer solchen Explosion passieren kann.» Da würden sogar gestandene Feuerwehrprofis staunen. Der Feuerwehrinspektor warnt eindringlich: «Niemals» mit einer solchen Gasflasche in der Nähe oder gar mittendrin ein Feuer entfachen.

«Gasflaschen im Feuer sind das Schlimmste»

Auf Anfrage von 20 Minuten bekräftigte Oskar Nauer, stellvertretender Feuerwehrinspektor im Kanton Schwyz: «Trifft man auf eine solche Situation wie im Bild mit der Gasflasche im Feuer, soll man auf keinen Fall selber nachschauen. Sondern man muss in jedem Fall die Einsatzkräfte alarmieren. So eine Gasflasche im Feuer ist ein extremes Risiko.» Denn wenn sie erhitzt werde, werde sie explodieren, «man weiss nur nicht genau, wann dies der Fall sein wird, den Zeitpunkt kann man nicht voraussagen», so der Profi. Dies sei mit einem Luftballon vergleichbar, in den man ständig Luft reinblase. «Irgendwann explodiert er, aber man weiss nicht, wann.»

Trifft die Feuerwehr auf eine solche Situation mit einer Gasflasche im Feuer, geht sie so vor: «Wir würden dann in Deckung gehen und versuchen, aus der Distanz mit Wasser die Gasflasche zu kühlen. Denn wir müssen immer vom Schlimmsten ausgehen und annehmen, dass die Flasche noch heiss ist.» So würde die Feuerwehr immer vorgehen, wenn Gasflaschen und Feuer im Spiel sind. Der stellvertretende Feuerwehrinspektor sagt: «Gasflaschen im Feuer, das ist das Schlimmste für die Feuerwehr.»

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