Aktualisiert 20.12.2019 12:37

Takumi Minamino

Seinetwegen wird es für Shaqiri noch schwerer

Der FC Liverpool hat auf der Position des Schweizer Nationalspielers aufgerüstet. Ein Japaner kommt aus Salzburg.

von
Kay Voser

Der 2. Oktober dieses Jahres, das war der Tag, an dem Takumi Minamino Liverpool-Coach Jürgen Klopp zum Staunen brachte. Dessen Team Liverpool lag in der 55. Minute gegen Red Bull Salzburg 3:1 in Front. Dann folgten die vielleicht wichtigsten fünf Minuten in der noch jungen Karriere des 24-jährigen Offensivspielers: Eine Flanke des Südkoreaners Hwang Hee-chan nahm Minamino volley und traf herrlich zum Anschlusstreffer für die Österreicher. Wenige Zeigerumdrehungen später setzte sich der Japaner an der Grundlinie gegen Verteidiger Virgil van Dijk durch und passte perfekt in die Mitte, wo der 19-jährige Erling Haaland nur noch einschieben musste. Liverpool schien geschockt, kam aber mit einem blauen Auge davon, weil Mohamed Salah in der 69. Minute mit seinem zweiten Treffer des Abends das 4:3 erzielte.

Etwas mehr als zwei Monate später ist klar, dass Minamino die Salzburger in Richtung Liverpool verlässt und dort für noch mehr Konkurrenz auf der Position von Xherdan Shaqiri sorgen wird. Der Schweizer stand am 4. Dezember gegen Everton (5:2) zum ersten Mal seit sieben Monaten wieder in der Startaufstellung und dankte das Vertrauen mit einem Tor. Im folgenden Duell gegen Bournemouth (3:0) blieb ihm aber erneut nur die Rolle des Reservisten. Zu stark ist die Konkurrenz um Mohamed Salah, Sadio Mané und Roberto Firmino im Angriff der Reds.

Minamino ist für Liverpool ein Schnäppchen

Ab Januar kommt ein weiterer vielseitig einsetzbarer Offensivspieler hinzu. Liverpool bestätigte am Donnerstag einen Transfer Minaminos. Und für den Japaner geht ein Traum in Erfüllung: «Mein Traum war es immer, ein Liverpool-Spieler zu werden. Ich bin so begeistert, dass dieser Moment nun wahr geworden ist», sagte der Offensivspieler.

Und auch Klopp freut sich auf den Neuzugang: «Das ist eine fabelhafte Neuigkeit, ein wunderbarer Transfer.» Der 1,74 Meter grosse Japaner sei ein sehr schneller und sehr cleverer Spieler, der die Räume zwischen den Linien finde. «Er ist mutig mit und ohne Ball – ein absoluter Teamspieler.»

Da Minaminos Vertrag bei Salzburg im Sommer 2021 ausgelaufen wäre, soll der Transfer nur rund 9,2 Millionen Franken gekostet haben. Verglichen mit dem Transfer von Shaqiri, der im September 2018 für rund 18 Millionen Franken von Stoke City an die Anfield Road wechselte.

Obwohl vor allem um Shootingstar Erling Haaland, der vor einem Transfer zu Borussia Dortmund stehen soll, ein regelrechter Hype entstanden ist, galt Minamino als der entscheidende Faktor im Spiel der Salzburger. In den fünf Jahren, in denen er für die Mozartstädter auflief, gewann Minamino fünfmal die Meisterschaft und viermal den österreichischen Cup. Er erzielte in bisher 199 Spielen 64 Tore und bereitete 44 vor.

In der Königsklasse scheiterte Salzburg erst im letzten Gruppenspiel an Jürgen Klopps Team. Auch da wurde es immer dann gefährlich, wenn der wirblige Japaner die Füsse im Spiel hatte. In sechs Champions-League-Einsätzen feuerte Minamino im Schnitt 2,8 Schüsse aufs gegnerische Tor, und er steuerte zwei Tore sowie drei Assists zum Erreichen des Europa-League-Sechzehntelfinals bei.

«Mentalität und Charakter sind wichtiger als das Talent.»

Im Frühjahr 2014 wurde Salzburgs Sportdirektor Christoph Freund auf den damals 18-jährigen Minamino aufmerksam, wie er dem «Independent» erzählt. Der talentierte Offensivspieler, der als hängende Spitze, auf dem Flügel oder im Mittelfeld eingesetzt werden kann, spielte bereits in jungen Jahren in der ersten Mannschaft seines Heimatclubs Cerezo Osaka.

Früh in Salzburgs Visier

Er war technisch versiert, taktisch bereits weiter als viele seiner älteren Mitspieler und konnte so die Transferkommision der Salzburger von sich überzeugen. Der damals noch als Sportkoordinator tätige Freund sagt: «Wir verfolgten seine Spiele ganz genau und lasen etliche Berichte über ihn, bevor unser Scout für drei Wochen nach Japan reiste, um alles über ihn zu erfahren.»

Daraufhin flog Freund selbst in die Hafenstadt auf der japanischen Insel Honshu. Und traf Minamino zum Gespräch. Für den 42-jährigen Sportdirektor, der seit 2006 bei RB Salzburg unter Vertrag steht und 2015 die Nachfolge von RB-Sportdirektor Ralf Rangnick antrat, seien die «Mentalität und der Charakter wichtiger als das Talent».

Fragen, die die Verantwortlichen der Salzburger damals beschäftigten: «Wie ist er ausserhalb des Fussballs? Wie ist er im Training? Wie ist er in der Gruppe – und wie alleine? Wie geht er mit schwierigen Situationen um?»

Talent und Einstellung passten

Salzburgs Hausaufgaben sollen ergeben haben, dass Minamino unter Druck noch stärker ist und er sich kontinuierlich weiterentwickeln will. Ganz im Sinne des plakativen Leitspruchs, der die Innenräume der RB-Fussball-Akademie in Liefering schmückt: «Talent bringt dich an den Start. Einstellung ans Ziel.»

Gemäss dem «Mirror» soll der FC Liverpool den quirligen Techniker bereits seit 2013 auf dem Radar gehabt haben. Während Minamino für Red Bull Salzburg spielte, habe Liverpool ihn persönlich scouten lassen und umfangreiche Datenanalysen gesammelt. In den letzten Jahren ist er dann so richtig durchgestartet, weswegen auch viele Vereine in der Bundesliga sowie der Premier League ihn jetzt verpflichten wollten.

Fleissig wie eine Biene, dribbelstark und mit dem Auge für den tödlichen Pass ausgestattet, dürfte Minamino perfekt ins Anforderungsprofil von Jürgen Klopp gepasst haben. Zumal er selbst hautnah miterleben konnte, wie gefährlich Minamino für eine gegnerische Verteidigung sein kann.

Damit ist er nach Sadio Mané und Naby Keita bereits der dritte Salzburger, der zum englischen Traditionsverein wechselt. Allerdings der erste, der dies auf direktem Weg tut. Auch Freund findet, dass sein ehemaliger Schützling bereit für den nächsten Schritt ist. «Er ist ein aussergewöhnlicher Spieler mit einer herrvorragenden Persönlichkeit. Die grossen Clubs haben ihn beobachtet, und wenn ich sie wäre, würde ich ihn verpflichten», sagte Freund vor wenigen Tagen. Das hat der Champions-League-Sieger nun getan. Damit dürften für Shaqiri in Zukunft die Chancen auf Spielminuten ein weiteres Mal schrumpfen.

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