Aktualisiert 16.12.2011 22:57

«Kauft nicht beim Juden»

«Das ist so eine Art Verfolgung»

Das Opfer Christoph Blocher: Mit einem historisch fragwürdigen Vergleich hat SVP-Politiker Christoph Blocher sein Engagement bei der Basler Zeitung verteidigt.

von
kub
Aufruf während des Dritten Reiches, die Läden der Juden zu boykottieren.

Aufruf während des Dritten Reiches, die Läden der Juden zu boykottieren.

Es hat sich vergangene Woche bestätigt, dass die Familie Blocher doch die Fäden der Basler Zeitung in der Hand hat. In der neuesten Sendung seines Internet-Fernsehens teleblocher.tv verteidigte der schwerreiche Politiker sein Basler Medien-Engagement. Dabei behalf er sich eines fragwürdigen historischen Vergleichs, wie im Videoausschnitt unten zu hören ist.

Quelle: 10vor10/teleblocher.tv

Christoph Blocher verglich den Boykott-Aufruf gegen die Basler Zeitung mit dem Boykott-Aufruf der Nationalsozialisten im Dritten Reich, nicht bei Juden zu kaufen - «Kein Deutscher kauft beim Juden»: Charles Lewinsky, jüdischer Bestseller-Autor, ist empört über diesen Vergleich. Gegenüber dem Nachrichtenmagazin des Schweizer Fernsehens, 10vor10, sagte er, dass ihn schockiere, dass ein wichtiger Schweizer Politiker «so dummes Zeug» rauslasse. Roger Köppel, Historiker und Chefredaktor der Weltwoche, findet Blochers Vergleich zwar drastisch, wie er im 10vor10 erklärte, er glaube aber, dass es eine bewusste Provokation von Blocher gewesen sei. Köppel nimmt ihn gleichzeitig auch in Schutz. Weil Blocher sei Jahren «verunglimpft und unsachlich verteufelt werde», könne er diese Reaktion nachvollziehen: «Immer diese Boykottaufrufe gegen den SVP-Politiker, das gehe ihm, Blocher, irgendwann zu weit,» so Köppel.

Der Geschichtsprofessor an der Universität Zürich, Philipp Sarasin, sieht im Vergleich eine gefährliche Verharmlosung der nationalsozialistischen Politik. Wenn sich ein schwerreicher, mächtiger Politiker als Opfer stilisiere, nur weil er eine Niederlage einstecken müsse, sei das mehr als fragwürdig.

Fehler gefunden?Jetzt melden.