Streller über Delgado-Rücktritt: «Das ist starker Tobak»
Aktualisiert

Streller über Delgado-Rücktritt«Das ist starker Tobak»

Der FC Basel verliert «seinen Captain, einen herausragenden Spieler und einen wunderbaren Menschen» sagt Sportchef Marco Streller zum Rücktritt von Matias Delgado.

von
E. Tedesco
Basel

FCB-Captain Matias Delgado erklärt seinen Rücktritt unter Tränen. (Video: 20 Minuten)

Nur schwer gehen Matias Delgado die Worte von den Lippen. Der FCB-Captain und Publikumsliebling gab am Sonntag nach dem 3:1-Sieg gegen den FC Luzern seinen Rücktritt bekannt – per sofort. «Ich bin zu erschöpft, um weiter Fussball zu spielen», sagt der 34-jährige Argentinier. «Es ist der Tag gekommen, an dem ich mitteilen muss, dass meine Karriere hier ein Ende findet.»

Der Argentinier fehlt auf der Mannschaftsliste für das zweite Meisterschaftsspiel der Saison. «Private Gründe» gab der FCB an und kündigte nach der Pressekonferenz der Trainer eine zusätzliche Medienkonferenz mit Sportchef Marco Streller und Trainer Raphael Wicky an. Als dann auch noch Matias Delgado, begleitet von seiner Familie, auf dem Podium Platz nahm, dämmerte es den anwesenden Journalisten. Es könnte der letzte Auftritt des 34-jährigen Basler Publikumslieblings sein.

Tränen bei seiner Frau und den Kindern

Die Stimme des Captains bricht immer wieder. Er ringt um Worte, als er seinen Rücktritt formuliert. Seine Frau Laura und die Kinder Victoria, Nicolas und Dolores standen ihm zur Seite und auch bei ihnen flossen die Tränen.

Bereits am Samstagabend bat Delgado Trainer Raphael Wicky und Sportchef Marco Streller um ein Gespräch und teilte ihnen seinen Entscheid mit, den er seit Monaten in sich trug.» An einer Medienkonferenz erklärte er seine Gründe.

«Der FC Basel ist ein Club, den ich liebe, den ich respektiere, aber ich fühle mich nicht mehr zu hundert Prozent in Top-Form, um den FCB weiterzubringen. Es ist mir ein Anliegen, mich an dieser Stelle zu entschuldigen, weil ich meinen Vertrag verlängert habe und nun doch aufhöre», sagte der Gaucho. Und: «Ich möchte mich bei Bernhard Heusler, bei Georg Heitz, bei Marco Streller und vor allem bei meiner Familie bedanken, die es mir ermöglicht haben, nach meiner Rückkehr nach Basel noch einmal auf höchstem Niveau zu spielen.»

Delgado hinterlässt eine Lücke

Delgado war 2013 nach Engagements bei Besiktas Istanbul und bei Al-Jazirain Abu Dhabi zum FCB zurückgekehrt, bei dem er zwischen 2003 und 2006 grosse Erfolge gefeiert hatte. Nach nunmehr fast 17 Profijahren ist nun Schluss für den feinen Techniker – als 6-facher Schweizer Meister, 2-facher Cupsieger, Torschützenkönig im Uefa-Cup 2005/06 und als Fussballer des Jahres in der selben Saison.

Vor allem für Streller war der überraschende Rücktritt ein Schock: «Das ist starker Tobak. Wir verlieren unseren Captain, eine Identifikationsfigur, einen unglaublichen Spieler und wunderbaren Menschen. Er wird eine grosse Lücke hinterlassen», sagte der FCB-Sportchef. «Er ist nicht in Basel geboren, aber er ist ein Basler geworden.»

«Das ist starker Tobak»

FCB-Sportchef Marco Streller und Trainer Raphael Wicky äussern sich zum Rücktritt von Matias Delagdo. (Video: 20 Minuten)

«FCB-Sportchef Marco Streller und Trainer Raphael Wicky äussern sich zum Rücktritt von Matias Delagdo. (Video: 20 Minuten)»

Streller kann die Entscheidung aber nachvollziehen, schliesslich sei es ihm im Frühjahr 2015 gleich gegangen. Auch der ehemalige Stürmer hatte kurz vor seinem Rücktritt noch seinen Vertrag mit Rotblau verlängert. Eine gewisse Konsternation war ihm dennoch anzusehen. Zumal keiner damit rechnen konnte. Noch vor wenigen Wochen schien Delgado topmotiviert, sah selbst in seiner neuen Rolle als defensiver Mittelfeldspieler eine Herausforderung, wie er im Interview mit 20 Minuten in Crans Montana sagte.

Fans feiern Delgado

«Der neue Trainer, der neue Staff und die vielen jungen Spieler haben mir Motivation gegeben und es ist schwierig, sich eingestehen zu müssen, nicht mehr so spielen zu können, wie es auf diesem Niveau nötig ist. Ich habe gemerkt, dass ich erschöpft bin und musste selbstkritisch sein. Schliesslich trage ich auch Verantwortung», sagte Delgado mit stockender Stimme. «Ich liebe den Fussball und werde ihn immer lieben. Darum musste ich entscheiden, dass nun der Moment gekommen ist, aufzuhören.»

Wie seine Zukunft aussieht, weiss er nicht. «Kein Plan», so Delgado, «schliesslich war das erst für nächsten Mai geplant. Fragen Sie mich in einem Monat wieder.» Aber er hat Basel und die Menschen lieben gelernt und könne sich gut vorstellen, für immer hier zu bleiben. Und dann war es ganz um ihn geschehen. Den eine Gruppe FCB-Fans erhielt Eintritt ins Mediencenter und skandierte «Delgado olé» und verabschiedete sich so vom Captain.

Wie es beim FCB ohne Delgado weitergehen und ob er ersetzt wird, konnte Streller nicht sagen. «Das ist noch zu früh. Wir alle müssen das emotional erst verarbeiten.» Auch die Mannschaft wurde erst nach dem Spiel über den Rücktritt informiert. Denn auch ihr wird der Capitano fehlen.

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