Laubbläser im Wald: «Das ist wie Staubsaugen in der Wüste»
Aktualisiert

Laubbläser im Wald«Das ist wie Staubsaugen in der Wüste»

Eine Kindergärtnerin berichtet Seltsames: Im Naturschutzgebiet Ermitage in Arlesheim wurden am Dienstagmorgen Laubbläser eingesetzt – im Wald.

von
Valeria Happel
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Eine Kindergärtnerin traute ihren Augen und Ohren nicht, als sie sah, wie Gemeindearbeiter mit Laubbläsern im Naturschutzgebiet Ermitage in Arlesheim den Wald entlaubten.

Eine Kindergärtnerin traute ihren Augen und Ohren nicht, als sie sah, wie Gemeindearbeiter mit Laubbläsern im Naturschutzgebiet Ermitage in Arlesheim den Wald entlaubten.

Reuters/Francois Lenoir
Am Dienstagmorgen hallte der Lärm durch den Wald...

Am Dienstagmorgen hallte der Lärm durch den Wald...

Leser-Reporter
...und belästigte die Kindergartengruppe bis zum Mittag.

...und belästigte die Kindergartengruppe bis zum Mittag.

Leser-Reporter

Im idyllischen Erholungsgebiet Ermitage in Arlesheim wurde es am Dienstagvormittag laut: Gemeindearbeiter setzten mitten im Wald benzinbetriebene Laubbläser ein, um die Herbstblätter von den Wegen zu entfernen. «Ich traute meinen Augen und Ohren nicht», sagt eine Arlesheimer Kindergärtnerin. Einmal im Monat sei sie mit ihrer Kindergartengruppe am dortigen «Kraftort» unterwegs – aber so etwas habe sie noch nie erlebt. «Das ärgert mich sehr. Laubbläser gehören dort absolut nicht hin», sagt sie.

«Es könnten doch Laubbesen eingesetzt werden. Immerhin ist es eine Erholungszone», so die Frau weiter. Einen Sinn hat die Aktion für sie nicht: «Es ist, als würde man in der Wüste staubsaugen», so die Kindergärtnerin. Für sie ist klar: «Laub gehört in den Wald – da fehlt die Logik. Laubbläser sind störend und absolut unnötig.»

Elektro-Laubbläser sind teuer

«Es ist ein Sicherheitspunkt und zugleich ein Pflegeauftrag», erklärt Claudio Grünig vom Werkhof die Aktion. So stelle das Laub auf den Wegen eine Rutschgefahr für Spaziergänger dar. Elektro-Laubbläser hat man in der Gemeinde Arlesheim zwar, jedoch würden diese nicht die notwendige Leistung erbringen. Zudem seien die modernen Gerätschaften teuer und hätten eine beschränkte Batterielaufzeit. «Wir setzen Elektro-Laubbläser deshalb nur in heiklen Bereichen wie beispielsweise in Wohngebieten ein», bestätigt auch Peter Saladin, Wegmacher des Werkhofs. Mit Besen sei die Arbeit aber absolut nicht machbar. «Wir sind aber dazu verpflichtet, die Wege freizumachen», erklärt er.

In Basel-Stadt werden laut Ueli Meier, Leiter des Amtes für Wald beider Basel, Elektro-Laubbläser eingesetzt. Dies liege jedoch auch daran, dass Erholungsgebiete anders betrachtet würden als «richtige» Wälder.

«Leute stören die Tiere mehr»

Martin Krähenbühl, Präsident des Försterverbandes beider Basel, versteht den Wirbel um die Laubbläser nicht. «Wir benutzen selbst Laubbläser», sagt der Förster aus Diegten. «Die Leute stören die Tiere mehr als die Laubbläser», erklärt er. Für ihn liegen die Gründe für den Einsatz der Laubbläser in geringeren Kosten und dem niedrigeren Zeitaufwand. Der Natur schade der Einsatz der lauten Gebläse jedoch keinesfalls, so der Wald-Experte.

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